Strömender Regen und sie spielen trotzdem!
Das rechne ich allen Darstellern hoch an, die die Premiere an diesem Donnerstag haben stattfinden lassen. Noch bis Sonntag wird jeden Abend das Schiff sinken…
Aber was um Himmels Willen war das für eine Inszenierung?
Wären nicht die Lieder, die ab und an Klarheit und besondere Stimmung vermittelten hätten, ich hätte wohl gehen können.
Kalt und nass. Ein Scheinwerfer fiel gleich noch vor Beginn aus. Aber die Akustik selbst war einfach nur unterirdisch. Die Schauspieler waren kaum und an mehren Stellen gar nicht zu verstehen. Zu leise oder genuschelt. Die Mikrophone gingen zum Teil gar nicht oder schalteten zu spät zu….war es wirklich nur dem Regen geschuldet? Ich fürchte: nein, denn im letzten Jahr – so erinnere ich mich heute – hatte ich auch schon Probleme mit dem Verstehen…
Leider gab es nicht nur akustische Grenzen. Der Versuch, verschiedene Erzählstränge aufzubauen, ist aus meiner Sicht nicht deutlich genug umgesetzt worden. Meine Begleitung meinte nur: „Ich habe nichts verstanden“.
Ich hatte leider zum Teil das Gefühl, dass nicht beabsichtigt war, dass man als Zuschauer verstehen soll, um was es geht.
So hat ein Darsteller auf kubanisch gesprochen. Soweit okay. Die Übersetzung wurde zwar in Übertiteln (wie in der Oper) angezeigt, allerdings war es unmöglich, gleichzeitig dem Text und dem Schauspieler zu folgen, denn der Schauspieler stand links… und der Text erschien auf der anderen Seite der Bühne. Also konnte man sich immer nur entscheiden…. liest man, um den Text zu verstehen, oder sieht man den Schauspieler an…. weiß aber überhaupt nicht, was er will.
Grausam war für mich, dass bei den Video-Einblendungen Bild und Ton nicht parallel lagen. Auch hier wurde ich als Zuschauer gequält und leider nicht mit auf eine lustvolle Reise genommen.
Und zum Thema Lust… Ja, wie erwartet ging es auch um Sex. Aber warum zieht die Frau sich aus und stellt sich so zur Schau? Warum musste SIE in der Rolle blank ziehen? Warum nicht ER? Ist das wirklich nötig, um Sexualität und Begehren zu vermitteln? Und ist das gleichberechtigt oder nicht eher diskriminierend?
Wir blieben – wie die meisten Zuschauer – 2 Stunden tapfer mit Regencape, Regenhose und Wanderschuhen sitzen und waren am Ende etwas durchgefroren… passend also zur Untergangsstimmung.
Nur leider habe ich schlussendlich kein Gefühl von „my heart will go on“ mitgenommen. Vielleicht war meine Hoffnung auch, dass diese wunderbare Liebesgeschichte aus dem Film mehr in den Fokus gerückt wird und mein Herz berührt. Ich wollte berührt werden. Liebevoll. Positiv. Romantisch. Vielleicht auch traurig und voller unerfüllter Sehnsucht, wie so oft im wahren Leben. Aber ich wollte nicht so überfrachtet werden mir einer Ansammlung von „ZUVIEL“. Denn die unklare Linie war Folge der zu vielen Szenen und Momente, in denen etwas parallel stattfand… Mein Gehirn suchte immer nach dem Relevanten und wollte alles aufnehmen, nichts verpassen….war Dauer-An und im Dauer-Stress. Und verpasste am Ende trotzdem etwas. Unaufhaltbar. Soll das das Abbild einer Realität gewesen sein…? Überfrachtung. Überforderung. Chaos. Meine Realität ist jedenfalls nicht so…. Wären die Nebenschauplätze nur weniger oder mindestens dezenter, gewesen, hätte ich diese vielleicht ausblenden können. So schaffte ich es nicht. Warum mutet man dem Zuschauer so ein Chaos zu?
Ich lese die Rezensionen und sehe, die Meinungen sind nicht alle so, wie meine. Manchmal habe ich den Eindruck, dass es schon zum guten Ton gehört, positiv zu schreiben. Keine Kritik zu äußern, gerade wenn internationale Komponenten eine Rolle spielen. Aber aus meiner Sicht kann das doch keine Maßgabe sein. Entweder ist etwas gelungen und hat auch einen Grund für überschwängliches Lob oder eben nicht.
Und ja: Es war ein kritisches Stück. Einzelne Szenen, die z.B. den Überfluss deutlich machten, die mediale Überfrachtung, Bedeutsamkeit des Smartphones, die Selbstinszenierung oder die Gefühlskälte anderer gegenüber waren von der Idee gut, aber vom Gesamtkonzept nicht deutlich bzw. schlüssig umgesetzt. Die Message rückte schnell weg, weil man von anderen Dingen abgelenkt war, von dem ZUVIEL. Sicher braucht es kein Purismus im leeren Betonraum. Aber ich habe den Eindruck, in jedem Jahr muss beim Theater an der Kulturarena einfach nur noch MEHR und das auch noch gleichzeitig passieren, als ob das Ziel ist, sich im großen TAMTAM scheinbar selbst zu übertrumpfen, sich etwas zu beweisen. Fernab von dem Gefühl, was passend wäre.
Ich vermisse Heinzelmann.
Es fühlt sich langsam mehr an wie ein Schultheater. Provinziell. Mit zwar einigen guten Ideen und dennoch nicht klar umgesetzt.
Aus meiner Sicht wäre nächstes Jahr mal wieder etwas weniger dran. Statt 5 paralleler Szenen maximal 2…. Theater nicht um des ZIRKUS-Theaters wegen, sondern um verstanden zu werden, um in einen Dialog mit dem Publikum zu treten. Ihnen nur soviel zuzumuten, wie auch ein Normalsterblicher verstehen kann. Um eine Botschaft zu vermitteln. Um verstanden zu werden. Und auch um zu unterhalten.
Naja… und alles in allem: Ich bin froh, nicht mit einem meiner Kinder dort gewesen zu sein. Denn: Mit dem Stück kann man sich Theater eher abgewöhnen. Und das wäre alles andere als meine Intention.
Ich bin hoffnungsvoll und gespannt auf nächstes Jahr.





