Wir hatten es schon lange mal vor – irgendwie kamen wir nicht zu Potte – aber der beste Mitreisende der Welt hat die Initiative ergriffen, reserviert und so waren wir heute zu viert beim „Dinner in the dark“.
Hier in meiner Stadt ist das kein schicker Trendveranstalter – sondern der hiesige Blindenbund organisiert das einmal im Monat.
Das Restaurant ist gut ausgewählt. Denn der entsprechende Raum muß sich natürlich perfekt abdunkeln lassen.
Man kommt an – die Getränkewünsche werden noch vor dem Betreten aufgenommen. Dann nimmt einen eine Damen an der Hand und durch 2 dichte Vorhänge und eine Tür tritt man ins Schwarze. Ganz langsam wurden wir zu unserem Tisch geführt (wir waren zu viert).
Eine kurze Einführung – erst die Bitte, daß ich meine Tasche nicht über die Stuhllehne hänge, sondern unter den Tisch stelle. Und – die Bierdeckel sind mittig auf dem Tisch und müssen da bleiben – und die Getränke dürfen nur dort stehen.
Wir ertasten erstmal Besteck und Servietten und befühlen unsere Gläser. Mist – mein Saftschorle ist in einem Stilglas – viel gefährlicher als die Biergläser…. (Weizenbiergläser haben aber auch nen doofen Schwerpunkt – unklug!)
Der erste Gang kommt – Salat. Grüne Salatblätter sind ganz ganz blöd zu essen! Aber wir erkennen bis auf Sellerie alles (kein Wunder – Knollensellerie mag ich nicht besonders – ich würd ihn selbst nicht in den Salat geben) Wir hatten Grünen Salat, Tomate, Gurke, Sellerie, Karotte und Kartoffelsalat auf dem Teller. Im Normalfall hätten wir Gurke und Tomate etwas nachgesalzen – aber wie, wenn man nicht vorher weiß, was man hat und wo es liegt.
Der Hauptgang…. entdecken, erkennen, schmecken und vor allem: Alles finden! Natürlich ging es auch darum, wirklich zu erkennen, was man ißt. Offensichtlich ist das nicht selbstverständlich. Hier zahlte sich tatsächlich aus, daß wir viel kochen. Wir haben wirklich alles erkannt:
Reis mit Curry-Putengeschnetzeltem, Schnitzel mit Zitronenscheibe und Pommes, Schweinebraten mit Spätzle, dazu Gemüse: Brokkoli, Blumenkohl, Zuckerschoten und feine Karottenscheibchen.
(Natürlich war von allem nur ein „Portiönchen“ auf dem Teller).
Machen wir uns nichts vor – wir können dankbar sein, daß uns niemand beim essen zugesehen hat! Spätzle auf eine Gabel schieben, ohne sie zu sehen ist tückisch! Und die krause Petersilie hätte ich auch nie gegessen (hust hust…) und nicht verraten – aber wir haben alle den Teller „händisch“ überprüft, als wir dachten, alles gegessen zu haben (2-Finger-Test nannte es der beste Mitreisende – pfui pfui – aber wir hatten vorher in weiser Voraussicht gründlichst Hände gewaschen…..)
Nun konnte man Kaffee bestellen – Cappuccino, Latte Macchiato…. Mist – Zucker kam nicht in Tütchen, sondern im Streuer. Der beste Mitreisende ver-dosierte sich schwer – ich war ein bißchen schlauer und verschloß den „Ausriesler“ mit einem Finger halb – damit schaffte ich es tatsächlich, passend zu süßen.
Nun kam der Dessertteller. Wieder ein Abenteuer: Apfelküchle, Sahne, ein Klecks Vanilleeis mit Erdbeersauce, ein Stück Dampfnudel (von uns als „was mit Hefeteig erkannt), „Nonnenfürzle“ (Brandteig frittiert – wir konnten es nicht namentlich benennen – aber H. hat Brandteig erkannt), dünne Pfirsichspalten und Birnenkompott.
Ganz viele scheiterten am Birnenkompott….
Dann kamen pro Tisch eine Kerze in den Raum – man war unfaßbar geblendet von dem Licht – und stellte fest – der Raum hat eine ganz andere Aufteilung als erwartet!
Unsere „Führerin und Bedienung“ stand für Fragen zur Verfügung – ihr Blindenhund machte es sich inzwischen auf dem Boden bequem (er war „nicht im Dienst“ – also ohne Geschirr – der Hund weiß den Unterschied genau!)
Manchmal würde man sich so einen Hund wünschen – der findet die Kasse im Warenhaus und kann rechts und links unterscheiden – da hat er manchem Menschen was voraus :DD
Es war ein in vielerlei Hinsicht spannender und interessanter Abend.
Wir waren stolz, den Tisch nicht verkleckert zu haben und auch uns nicht mehr als bei „sehendem Essen“.
Und eigentlich muß morgen gutes Wetter werden – denn wir hatten auch unsere Teller leer gegessen!


