Surfen mit KI-Assistent

Einfach nur surfen, war einmal. Die neuen KI-Browser sollen immer mehr Aufgaben abnehmen: für uns einkaufen oder E-Mails automatisch beantworten. Das funktioniert aktuell mal besser, mal schlechter. Aber auch für Betrüger sind sie ein gefundenes Fressen. [...]

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(c) PCtipp.ch/ChatGPT

Nun werden auch die Webbrowser smart: KI-Funktionen (künstliche Intelligenz) sollen das Websurfen, wie wir es kennen, umkrempeln. Firefox und Brave haben bereits erste KIs integriert, auch in Chrome und Edge sind sie teils schon zu finden. Andere Surfboliden wie Perplexity Comet, Dia und ChatGPT Atlas starten damit von Anfang an durch. Die direkt in den Browser integrierten Agenten eignen sich nicht mehr nur zum Chatten, wie etwa ChatGPT. Sie sollen dem Nutzer verschiedene Aufgaben abnehmen, zum Beispiel automatisch nach dem besten Produkt für einen bestimmten Einsatzzweck suchen und es auch gleich kaufen, eine perfekt zusammengestellte Urlaubsreise buchen, eingehende E-Mails sofort beantworten und vieles mehr. 

Neue Risiken

Dazu benötigen die neuen digitalen Browserassistenten weitgehende Rechte: Sie müssen eigenständig Webseiten besuchen, auf Links und Schaltflächen klicken, Suchfelder ausfüllen und sogar die Passwörter und andere private Daten des Nutzers kennen und verwenden dürfen. Das birgt erhebliche Risiken. So zeigten die Entwickler des Brave-Browsers, wie leicht sie den Comet-Browser von Perplexity aufs Glatteis führen konnten. Mit in einer Webseite versteckten Kommandos an die KI in Comet brachten sie den Webbrowser dazu, die hinterlegten Login-Daten des Anwenders samt Passwort frei zugänglich im Internet zu veröffentlichen, Bild 1.

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Bild 1: Die Brave-Entwickler bewegten den KI-Browser Comet dazu, die Zugangsdaten des Nutzers auf Reddit zu veröffentlichen. (c) PCtipp

Mitarbeiter der israelischen Sicherheitsfirma Guardio konnten Comet sogar dazu bewegen, auf einer von ihnen gefälschten Shopping-Seite einzukaufen. Die KI besuchte in den Tests die Webseite nicht nur, ohne ihre Legitimität zu prüfen. Sie legte auch eine Apple Watch in den Warenkorb, navigierte zur Kasse und füllte automatisch die Address- und Kreditkartendaten aus, Bild 2. Anschließend führte sie den Kauf ohne weitere menschliche Bestätigung durch.

In weiteren Tests leiteten die Forscher den KI-Browser zu einer gefälschten Bankwebseite, wo sie sich einloggte, oder sie versteckten für Menschen nicht sichtbare Prompts (Anweisungen an die KI) in einem Captcha. Comet interpretierte die verborgenen Befehle als legitime Kommandos, klickte auf den Button und lud eine potenziell schädliche Datei herunter. Das Urteil des Sicherheitsexperten ist eine deutliche Warnung vor den Gefahren der neuen agentischen KI-Browser („agentisch“ bezieht sich auf die Funktion der integrierten KI als Hilfsagent): „Im Zeitalter von KI gegen KI müssen Betrüger nicht mehr Millionen verschiedener Menschen täuschen, sondern nur noch ein einziges KI-Modell. Sobald sie einmal erfolgreich sind, können sie denselben Exploit endlos skalieren.“

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Bild 2: Die Sicherheitsfirma Guardio demonstrierte, wie leicht sie einen KI-Browser zum Einkauf in einem gefälschten Shop bringen konnte. (c) PCtipp

Die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) fällte in ihrer Ausgabe vom 25. Oktober 2025 ebenfalls ein vernichtendes Urteil über die neuen KI-Browser. Sie seien „unausgereift und unsicher“. Wer sie nutze, erhalte nicht nur falsche Informationen. Er setzte sich zudem dem Risiko aus, dass ihm private Daten oder Geld gestohlen werden. KI-Browsern sollte man daher nur solche Daten zugänglich machen, die „man gerne mit dem gesamten Internet teilen würde“. Für Betrüger und Hacker seien die KI-Browser „ein großes Geschenk“, für alle anderen jedoch „ein unkalkulierbares Risiko“, so die NZZ. Diese Warnungen sind berechtigt. Auch der PCtipp rät dazu, beim Einsatz der neuen KI-Webbrowser sehr vorsichtig zu sein und ihnen keine oder nur wenige private Daten anzuvertrauen. 

Im Folgenden finden Sie einen Überblick über aktuell verfügbare Webbrowser mit integrierter künstlicher Intelligenz. Wir fangen mit den bereits etablierten Programmen an und stellen anschließend die Neulinge vor.

Microsoft Edge

Auch wenn Microsoft das Thema KI intensiv pusht, sind die KI-Funktionen im Edge-Webbrowser (microsoft.com/de-de/edge) noch relativ bescheiden. Per Klick auf die Schaltfläche Chat oben rechts öffnen Sie eine Leiste, in der Sie mit der Microsoft-KI chatten können. Dabei kann sie auch auf die geöffnete Webseite zugreifen und etwa eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte erstellen, Bild 3. Es ist ferner möglich, die Inhalte mehrerer Tabs miteinander vergleichen zu lassen. 

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Bild 3: Die KI in Microsoft Edge kann auf den daneben geöffneten Reiter zugreifen und die Inhalte einer Webseite zusammenfassen. (c) PCtipp

Zur Wahl stehen fünf verschiedene Modelle von Smart über Schnelle Antwort bis zu Tiefere Analyse, Bild 4. Wer will, kann dem Chatbot Zugriff auf das Mikrofon gewähren und sich per Spracheingabe mit ihm unterhalten. Das geht aber bislang nicht über das hinaus, was auch mit dem normalen Copilot möglich ist. So hat die Sprach-KI keinen Zugriff auf den nebenstehenden Tab.

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Bild 4: Microsofts Edge lässt dem Nutzer die Wahl zwischen einem von insgesamt fünf KI-Modellen. (c) PCtipp

Mozilla Firefox

Auch Firefox (firefox.com) enthält mittlerweile einige KI-Funktionen. Anders als bei Edge können Sie hier aber entscheiden, ob Sie ein Modell wie Anthropic Claude, ChatGPT, Copilot, Google Gemini oder das französische Le Chat Mistral nutzen wollen, Bild 5. Das Auswahlfenster erscheint in einer Seitenleiste des Browsers nach dem Drücken der Tastenkombination Ctrl+Alt+X

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Bild 5: Firefox unterstützt KI-Modelle von ganz unterschiedlichen Anbietern. (c) PCtipp

Die KIs in Firefox erhalten auch Zugriff auf die gerade geöffneten Tabs. Das funktioniert aber nicht über Eingaben im Textfeld, sondern über eine zusätzlich unten links zu sehende Schaltfläche, Bild 6. Außerdem blendet Firefox jetzt nach dem Markieren von Text auf einer Webseite ein kleines KI-Symbol ein. Wenn Sie darauf klicken, können Sie den Abschnitt unter anderem zusammenfassen oder sich erklären lassen. 

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Bild 6: Über die Firefox-Schaltfläche unten links erhält hier ChatGPT Zugriff auf die aktuell besuchte Seite. (c) PCtipp

Google Chrome

Wer in Europa derzeit nach KI-Funktionen in Googles Chrome-Browser (google.com/intl/de_de/chrome) sucht, wird nicht fündig. Das liegt daran, dass Google diese erst in den USA freischaltet und sie danach in anderen Ländern verfügbar machen wird. Wir gehen hier daher nicht weiter darauf ein.

Brave

Die Entwickler des Chrome-basierten Webbrowsers Brave (brave.com/de) sind da schon viel weiter. Sie haben bereits vor einiger Zeit ihr eigenes KI-Modell mit dem Namen „Leo“ integriert. Um Leo in einer Seitenleiste zu öffnen, klicken Sie in der Adressleiste auf das Stern-Symbol. Anders als die meisten anderen Modelle speichert die Brave-KI keine Chats und verwendet sie auch nicht für das weitere Training, Bild 7. 

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Bild 7: Die in Brave integrierte KI «Leo» respektiert als eine der wenigen die Daten der Nutzer. (c) PCtipp

Daneben können Sie in den Einstellungen des Browsers unter Leo auch andere KI-Modelle auswählen und festlegen, ob Brave den Chatverlauf speichern soll. Das erfolgt dann aber nur lokal auf dem eigenen Rechner. Außerdem können Sie die Art, wie die KI auf Ihre Fragen antwortet, beeinflussen. Leo fasst Webseiten zusammen, erklärt komplizierte Inhalte und beantwortet Fragen zu geöffneten Tabs. Optional bietet Brave auch ein kostenpflichtiges Leo-Abonnement an. Für 150 US-Dollar im Jahr erhalten Sie Zugriff auf weitere Modelle wie DeepSeek und Claude Sonnet.

ChatGPT Atlas

OpenAI, die Firma hinter ChatGPT, kennen mittlerweile die meisten Anwender. Seit Kurzem bietet das Unternehmen mit ChatGPT Atlas (chatgpt.com/de-DE/atlas) auch einen eigenen KI-Browser an, der momentan aber nur für macOS bereitsteht. Eine Windows-Version soll später folgen. 

Ebenso wie den Chatbot können Sie ChatGPT Atlas derzeit weitgehend kostenlos nutzen. Allerdings stehen in diesem Fall die agentischen Fähigkeiten nicht zur Verfügung, mit denen der Webbrowser etwa eine Reise für Sie buchen könnte. Dafür benötigen Sie ein kostenpflichtiges ChatGPT-Abonnement (funktioniert ab der Plus-Version, die monatlich 25 Euro kostet). 

Beim Start zeigt der KI-Webbrowser von OpenAI das von ChatGPT bekannte Suchfeld. Hier können Sie eine Frage oder die Adresse einer Webseite eintippen, die Sie mit dem Browser besuchen wollen. Anschliessend zeigt er oben rechts die Schaltfläche ChatGPT fragen an. Wenn Sie darauf klicken, erscheint eine Seitenleiste mit dem Chatbot. Hier können Sie Fragen zur nebenan geöffneten Seite eintippen und sich etwa die wichtigsten Inhalte zusammenfassen lassen, Bild 8. 

ChatGPT legt automatisch „Erinnerungen“ mit persönlichen Informationen an, die der Chatbot im Laufe der Zeit aus Ihren Dialogen mit ihm extrahiert. Das können Angaben wie Ihr echter Name, Ihr Alter, aber auch Daten über Ihre finanziellen und privaten Umstände sein. Was sich der Browser merken soll, legen Sie in seinen Einstellungen unter Personalisierung sowie Erinnerungen verwalten fest. Hier bestimmen Sie auch, ob ChatGPT auf den gesamten Chatverlauf zugreifen darf oder nicht.

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Bild 8: In der Seitenleiste von ChatGPT Atlas können Sie Fragen zur aktuell besuchten Webseite stellen. (c) PCtipp

Perplexity Comet

Die Entwickler von Perplexity bieten deutlich mehr. So offerieren sie ihren KI-Webbrowser Comet (perplexity.ai/comet/de) nicht nur für macOS, sondern auch für Windows und Android. Bei der Einrichtung wird der Nutzer aufgefordert, entweder einen neuen Account anzulegen oder sich mit einem bestehenden Perplexity-Konto anzumelden. Das lässt sich überspringen. Danach stehen aber einige der Funktionen nicht zur Verfügung. Wer will, kann einen Werbeblocker aktivieren.

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Bild 9: Perplexitys Comet-Browser lässt sich beim Nachdenken über die Schulter schauen. (c) PCtipp

Nach der Anmeldung steht der KI-Agent bereit. Sie können ihm Aufgaben stellen, die er abarbeitet. Dabei dürfen Sie ihm in der Seitenleiste bei seinem „Denkprozess“ zusehen, Bild 9. Beim Test auf einer Shopping-Seite stellte er etwa eine Liste günstiger USB-Sticks zusammen, die gerade im Angebot waren, und legte anschließend den „günstigsten und besten“ in den Warenkorb, Bild 10. Wenn Sie Ihre Zahlungsdaten in den Einstellungen des Browsers hinterlegen, führt Comet die Bestellung anschließend in Ihrem Auftrag durch. Allerdings will das nicht jeder E-Commerce-Anbieter. So hat Amazon bereits eine Warnung an Perplexity geschickt, dass Comet keine Aktionen mehr auf den Webseiten des Konzerns durchführen soll, da dies den Nutzungsbedingungen widerspreche.

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Bild 10: Am Ende unseres Tests legte der Comet-Browser den «besten und günstigsten» USB-Stick in den Warenkorb. (c) PCtipp

Dia

Dia (diabrowser.com) stammt von einem Unternehmen namens The Browser Company, das ursprünglich mit Arc einen ganz anderen Webbrowser entwickelt hatte. Arc wurde aber zugunsten von Dia, einem auf KI ausgerichteten Surfprogramm, auf Eis gelegt. Die macOS-Version von Dia kann bereits frei heruntergeladen werden, für Windows gibt es eine Warteliste.

Bislang haben sich die Dia-Entwickler weniger auf agentische Fähigkeiten, als auf die sogenannten „Skills“ konzentriert. Damit lassen sich gerade besuchte Webseiten nicht nur zusammenfassen wie bei den meisten anderen KI-Browsern. Einer der besten Skills von Dia ist der Faktenchecker. Er prüft die gerade besuchte Webseite umfassend. Zunächst extrahiert er alle wesentlichen Aussagen und versucht danach, Belege dafür zu finden. Dia erstellt zudem anhand gestaffelter Kriterien eine Einschätzung der Vertrauenswürdigkeit der verwendeten Quellen. Zuletzt erzeugt der Browser einen Credibility Score von 1 bis 100, der eine schnelle Einschätzung des untersuchten Textes erlauben soll. 

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Bild 11: Mit seinen Skills ermöglicht der Dia-Webbrowser tiefschürfende Analysen der gerade besuchten Webseite. (c) PCtipp

Andere Skills fassen die letzten 24 Stunden zusammen, die man mit Arbeit im Browser verbracht hat, oder analysieren Webseiten und geben Tipps dazu, wie man es besser machen könnte, Bild 11. Anwender können auch eigene Skills erstellen und einreichen. Ferner enthält Dia einen Werbe- und Tracking-­Blocker, Bild 12. Wer den Browser unterstützen oder mehr Gratis-Chats pro Stunde haben will (wie viele es genau sind, wird flexibel gehandhabt), der kann eine Pro-Version für 20 US-Dollar im Monat erwerben.

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Bild 12: Werbe- und Tracking-Blocker sind bei vielen KI-Browsern Standard. (c) PCtipp

Fazit und Empfehlungen

Während die KI-Funktionen in Edge und Chrome noch wenig ausgereift erscheinen beziehungsweise beim Test noch gar nicht verfügbar waren, machte die Umsetzung in Firefox sowie Brave schon einen besseren Eindruck. Wer den derzeit besten agentischen Browser nutzen will, der muss zu Comet greifen. Dabei gelten allerdings die eingangs genannten Sicherheitsrisiken. 

ChatGPT Atlas hat ebenfalls agentische Fähigkeiten, die aber nur mit einem kostenpflichtigen Abo verfügbar werden. 

Am spannendsten fanden wir Dia, der mit seinen Skills viele Möglichkeiten bietet, die über einfache Zusammenfassungen von Webseiten hinausgehen. Wenn es um das Thema Datenschutz geht, dann hatte aber eindeutig Brave die Nase vorn.

* Andreas Fischer schreibt für PCtipp.ch.


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