Und über Rap auch nicht. Dabei ist (überdies schneller) Rap bei clipping. aus Los Angeles ein beherrschendes Element, der — und da wird es für mich wieder interessant — mit avantgardesquen beats unterlegt wird. Die Wikipedia erzählt was von musique concrète und Noise, und weil sie anders als ich Genres nicht irgendwie schwierig findet, glaube ich ihr das mal.
Das neueste Album von clipping., Dead Channel Sky (Amazon.de, Bandcamp, TIDAL), ist in der „kurzen“ Version, also derjenigen ohne Zusatzstücke, „nur“ zwanzig Stücke zwischen jeweils 46 Sekunden und 4:50 Minuten lang und ein wahrer Geräuschüberfall.
“Wie gefährlich ist es, einen Partner zu haben?” fragt die Website Watson. Ich weiß es doch auch nicht. Gibt es vielleicht Überlebende, die man fragen könnte?
Ab wie vielen Unholden, die einem bestimmten Geschlecht angehören, ist dieses Geschlecht nun eigentlich tabu? (Sollte man es statt „Epstein-“ nicht „Maxwellinsel“ nennen, um Frauen nicht unsichtbar zu machen?)
Wenn jemand jetzt die aktuell gültige Liste der erlaubten Reaktionen von unsereinem (d.h. Frauen gegenüber grundsätzlich wohlgesonnenen, obwohl in der Vergangenheit von weiblicher Gewalt betroffenen Menschen mit biologisch zu verantwortendem Machtzentrum, wie es wohl neuerdings heißt) zur Verfügung hat, erbitte ich ohne jeden Anflug von Ironie eine kurze Nachricht. Gleichzeitig „gefälligst wütend sein, weil Mann“, „gefälligst zur Seite stehen, weil Mann“ und „gefälligst schweigen, weil Mann“ geht ganz schön auf die Nieren.
Für die SPD ist das schärfere Schwert des Ordnungsgeldes gegen grobe Pöbeleien im Landtag schon lange überfällig. (…) Die Zahl der Ordnungsrufe sei seit 2014 sprunghaft angestiegen. Der Ton sei jetzt nochmal rauer geworden.
Dem SPD-Abgeordneten Franz Josef Zebisch, der sich über die in den 1960er-Jahren noch übliche alphabetische Sitzverteilung beklagte, empfahl Wehner, sich in „Genosse Arschloch“ umzubenennen.
Herbert Wehner war einer der letzten Sozialdemokraten, die das Wort noch verdient haben. Dass man sich an ihn erinnert, liegt nicht daran, dass er so ein weichgespülter Dauerlutscher gewesen wäre.
Die SPD will sich angesichts der jüngsten Wahlniederlagen nach den Worten von Parteichef Lars Klingbeil künftig verstärkt um Menschen kümmern, “die in Arbeit sind”. (…) “Unser Thema sind Menschen, die 3.000, 4.000 Euro verdienen, und für die wollen wir das Leben besser machen”, sagte Klingbeil in der ntv-Sendung “Pinar Atalay”.
Warum diese Menschen nicht mehr verdienen, wäre eine Frage, für die man jetzt natürlich eine Arbeiterpartei bräuchte, nicht?
Es ist Montag. Von der „tagesschau“ lernen wir derzeit (Archivversion): Mord heißt „gezielte Tötung“, sobald „Moskau“ die Tötung „Mord“ nennt. Ist ja bloß Sprache.
Wie ja anders auch bloß ist. Der Fall Ulmen inspiriert gerade ungefähr jeden Knallfrosch, der dringend ein paar Däumchenhochs haben möchte, zu merkwürdigen Forderungen. Die Einen verkünden, dass Deutschland dringend Gesetze zum Schutz der Würde von Menschen im Internet brauche (gibt es, nennt sich Grundgesetz), die Anderen geifern im Merz’schen Duktus nach einer Klarnamenpflicht im Internet. Nun hilft eine Klarnamenpflicht vermutlich gegen die vorliegenden Übel genau so gut wie ein Tempolimit (Witz hier geklaut), das kommt aber trotzdem nicht. Welche Folgen eine Klarnamenpflicht im Internet nicht nur für den öffentlichen Diskurs, sondern auch für Journalisten, Anwälte, OnlyFans-Models und vergleichbare Gruppen hätte, wird von denen, die sie gern hätten, freilich als Kollateralschaden betrachtet.
Sie sind ja nicht auf OnlyFans. (Hoffentlich.)
Nun verhält es sich ja aber auch so, dass die Wahlergebnisse der letzten Monate kaum Anlass zu der Vermutung geben, dass nicht noch zu unseren Lebzeiten eine politisch eher rustikale Partei irgendwo mitregieren wird. Natürlich kann man davor warnen, die AfD regieren zu lassen, aber dabei so sackblöd zu sein, für — wenn schon nicht die traditionell radikalen Innenminister aus eigenen Reihen, dann wenigstens für — die AfD schon mal einen Staat mit Klarnamenpflicht im Internet (Melderegisterauskünfte existieren) zu hinterlassen, ist ein respektables Level an Impertinenz, das ich bis vor kurzem nicht mal der saarländischen SPD zugetraut hätte. Respekt.
Aber gut. Deren Bundeszentrale heißt ja auch nicht Herbert-Frahm-Haus.
Weiter im Text: Der völlig zu Recht von fast jedermanns Radar verschwundene Musiker Afroman ist auf selbigem wieder aufgetaucht, indem er ein unglaublich bescheuertes Gerichtsverfahren gewonnen hat, das ungefähr wie folgt ablief: Ein paar Polizisten haben seine Haustür eingetreten und nach Beweisen für eine Straftat gesucht, die er nicht begangen hat, woraufhin er Lieder über diese Polizisten aufgenommen hat, in denen er unter anderem behauptet hat, er habe Beischlaf mit der Ehefrau eines der Polizisten gehabt. Die Polizisten fanden das doof, haben ihn vor Gericht hierfür verurteilen lassen wollen und verloren; unter anderem konnte besagter Polizist nicht mit Sicherheit sagen, dass Afroman tatsächlich nicht seine Frau beschlafen habe. Das ist lustig.
Versteh’ ich nicht: Ein Fußballspieler lötet sich achtarmig ein paar viele Feierabendbierchen rein, fährt dann Auto und muss zur Strafe Warnwesten kaufen (Archivversion), damit Kinder von besoffenen Autofahrern besser gesehen werden. Als bestünde das Problem darin, dass die Unfallopfer nicht leuchten! (Apropos Probleme: Warum schickt DHL eigentlich Pakete für Seniorinnen an appgesteuerte Packstationen?)
Gute Nachrichten: Microsoft möchte in künftigen Windowsversionen „weniger Werbung“ anzeigen lassen. Frage: Warum nicht gar keine?
Nie zu viel gibt es dagegen von: Musik.
THE EX 2025 — GREAT! From the new album ‘If Your Mirror Breaks’
Unter den fragwürdigen Nachrichten der ablaufenden Woche ist der sexuelle Fetisch eines Christian Ulmen die vermutlich langweiligste; und die Frage bleibt, ob eine Klarnamenpflicht in Deutschland wirklich auch nur ein Iota dazu beitragen kann, dass ein spanischer Rechtsfall den richtigen ([citation needed]) Ausgang bekommt, wo doch Menschen unter Klarnamen(meinten Sie: Realnamen?) allwöchentlich unter dem Schutz derselben Menschen, die jetzt finden, dass die Gesetze, die seit Jahrzehnten gelten, dringend mal eingeführt werden sollten, weit übleren Scheißdreck anstellen als bloß irgendwelche Pixel zu ändern, weil selbstverständlich das Anfertigen von Pixeln weit übergriffiger ist als das Vergewaltigen und/oder Messern von real existierenden Personen, sobald Letztere nicht gerade ein Album, eine Moderation, ein Buch und/oder eine Partei zu verkaufen versuchen.
Man stelle sich vor, ein Zeitungsverlag gäbe bekannt, Bibliotheken künftig die Archivierung seiner Ausgaben zu untersagen. Genau dieses Szenario spielt sich seit einigen Monaten in der digitalen Welt ab.
Passagiere selbstfahrender Taxis in San Francisco erlebten ein unerwartetes Risiko: Sie konnten die Autos nicht verlassen, als diese zum Ziel von Übergriffen wurden.
Jeder, der Plattform-Algorithmen aus eigener Erfahrung und nicht nur aus Fortbildungsseminaren kennt, weiß, dass diese am liebsten dahin steuern, wo die Kontroverse am spannendsten ist.
Der Umgang mit dem Partizipationsgesetz sorgt in der Berliner Justiz weiterhin für Aufsehen. Anfang der Woche hatte Berlins Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) erklärt, dass sie das Gesetz, das Bewerberinnen und Bewerber mit Migrationshintergrund bei der Auswahl für Behördenjobs bevorzugt, für nicht vereinbar mit der im Grundgesetz hält. (…) Der Grünen-Politiker Walter wirft Badenberg dagegen vor, sich „über das Gesetz“ zu stellen.
(„Dies“, sagte der Bundesverteidigungsminister, Bezug nehmend auf irgendwelche Ölblockaden [Archivversion], sei nicht „unser Krieg“, vermied aber die Bekanntgabe derjenigen Kriege, die sehr wohl „unsere Kriege“ seien sollen; wo doch die korrekte Antwort jedes Menschen, der irgendwas aus irgendwas gelernt hat, stets war, ist und sein wird: kein Krieg ist „unser Krieg“, und wer widerspricht, der muss halt nicht selber hin.)
Es ist Montag. Ihr dürft euch alle noch Prinzessinnen nennen, nehme ich an. Macht davon reichlich Gebrauch, so lange euer Vater keinen Unsinn anrichtet.
Für Freunde historischer Parallelen: Vor 91 Jahren fand, so wollte es die damalige Politik, erstmals der auf den „ungefähr 16. März“ festgelegte Heldengedenktag statt. Ich halte es für ein bedauerliches Versäumnis des Weltgeistes, dass der Gedenktag („Feiertag“) unter dem Namen „Nationaler Veteranentag“ zwar immer noch denselben ekligen Scheißdreck zum Inhalt hat, aber jetzt an einem anderen Tag stattfindet. Nicht, dass das noch jemandem auffällt.
(Ist die CDU jetzt eigentlich links oder ist Cola rechts? Die Gelehrten streiten noch, und mit „Gelehrten“ meine ich die „taz“.)
Wo vorn ist, muss es ja nicht hübsch sein. Meta („Facebook“), erfahre ich gegen meinen Willen, habe das Tinder für Roboter, „Moltbook“ betitelt, nun in den eigenen Konzern übernommen. Ergibt schon Sinn: Auf WhatsApp, Instagram und Facebook trifft man ja, glaubt man dort Angemeldeten, ohnehin kaum noch echte Menschen (oder jedenfalls keine, mit denen man allzu viel Austausch pflegen möchte), da ist es ja jetzt auch egal.
Eine „Nachrichtenagentur“, las ich gestern, habe mal wieder ohne vernünftigen Grund die Identität des multimedialen Künstlers preisgegeben, der absichtlich unter dem Namen Banksy auftritt. Ich verlinke so einen Quark schon aufgrund eigener Betroffenheit nicht, wünsche den Verantwortlichen, dass eine „KI“ alsbald ihre Stelle erhält, und sende dem Delinquenten von hier aus Solidaritätsgrüße. Gedanken und Gebete, Bruder. Gedanken und Gebete.
Möge hingegen hoffentlich noch lange von „KI“-Übernahme verschont bleiben: Gute Musik.
Was zeichnet es eigentlich aus, Teil dieses gewaltigen Spektrums zu sein, in dem wir uns alle wiederfinden? Wir alle sind neurodivers; das ist leicht zu akzeptieren, da kein Gehirn dem anderen gleicht. Doch genau das entzieht einer medizinischen Diagnose jegliche Grundlage.
Es ist Montag. Der gestrige „Weltfrauentag“, der wie üblich für niemanden eine Verbesserung der Situation, für viele „solidarische Alliierte“ (d.h. devote Arschkriecher) jedoch überdurchschnittlich hohe Däumchen-hoch-Zahlen im Internet zur Folge hatte, ließ den öffentlich-rechtlichen Rundfunk feststellen (Archivversion): Um doofe Frauen davor zu schützen, doofe Entscheidungen wie etwa den Kauf teurer Produkte „extra für Frauen“ zu treffen, muss der Verbraucherschutz dringend einschreiten. Denn jeder weiß, dass es einer Frau völlig zu Recht streng verboten ist, Dinge zu kaufen, die nicht rosa sind, weshalb da zweifelsohne nicht etwa ein Mindestanspruch an den menschlichen Verstand gelten darf, der den Markt das regeln lässt (indem halt niemand den Käse kauft), sondern der Gesetzgeber in der Pflicht steht. Endlich tut mal einer was.
(Gestern hat Baden-Württemberg gewählt. Gewonnen hat — wie immer — die Autoindustrie. Na, brav zur Abstimmung gegangen? Ja? Jetzt das Gefühl, irgendwas erreicht zu haben? Nein? Tja.)
Apropos: Henning Otte, erfahre ich in der „FAZ“ (heute ist übrigens ein guter Tag für mehr RSS in eurem Leben), fordere einen Wehrdienst bis 70 Jahre. Das finde ich inkonsequent. Warum nicht ab 70?