Fragen by Anni Wessbecher
Antworten by Padi Becker
Disclaimer zum Interviewten:
Ich bin jetzt 35 Jahre alt und seit fast 10 Jahren vegan (bis dahin omnivor) lebend. Ich habe diesen Weg zu 99% aus Mitgefühl gewählt, ökologische und gesundheitliche Vorteile sind für mich nur ein Bonus gewesen. Ich habe meine Ernährungsweise vom einen auf den anderen Tag geändert und antworte gerne jedem Menschen, der mich fragt das folgende: es war die beste Entscheidung meines Lebens.
- Das älteste Gegenargument für Veganismus lautet: Fleischessen liegt in unserer Natur. Was sagst Du dazu?
Ja, das Argument hört man oft. Es kommt meistens von Männern, die im Bio-Unterricht gelernt haben, dass wir direkte Abkommen des Löwen seien. Es gibt zwei ganz gute Argumente dagegen: Zum einen sind wir Menschen Omnivore, also wir können quasi alles essen, beziehungsweise verwerten. Etwas tun zu können heißt nicht, etwas tun zu müssen, da wirst Du mir bestimmt zustimmen. Was wir am Ende des Tages brauchen, sind Nährstoffe – egal, ob die aus der Pflanze oder aus dem Tier kommen. Die „Natur“ hat uns die Möglichkeit der Wahl gegeben und die zahlreichen gesunden vegan lebenden Menschen sind ein ganz gutes Beispiel dafür, dass das Pflanzenessen nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch für uns funktioniert, oder anders: in unserer Natur liegt.
Aber, und damit zum zweiten Gegenargument: Diese „Natur“-Keule wird unheimlich gerne geschwungen und ich halte sie für sehr unüberlegt. Dass wir mit 200km/h über die Autobahn rasen, liegt nicht in unserer Natur. Dass wir täglich stundenlang auf Bildschirme starren, liegt nicht in unserer Natur. Nicht einmal, dass wir Klopapier benutzen, liegt in unserer Natur. Und ganz sicher nichts von dem, was hinter verschlossenen Türen in der Tierprodukt-Industrie abgeht, hat irgendetwas mit Natur zu tun. Ich könnte hier unendlich Beispiele auflisten. Ich glaube, die Leute sagen „Natur“, meinen aber Tradition und ich glaube auch, dass eine Sache ganz klar in unserer Natur liegt: Die Angst vor Veränderung.

- Bewiesenermaßen ist eine vegane Ernährung nicht pauschal gleichzusetzen mit einer gesunden Ernährung. Was sagst Du dazu?
Gar nicht so unbequem die Frage. Da stimme ich Dir gerne zu. Ich könnte den ganzen Tag lang Pommes essen und Wodka trinken – und glaub mir, die Tage hat es gegeben – und wäre immer noch brav vegan aber wer weiß, wie lange das gut ginge. Menschen, die überzeugt behaupten, eine vegane Ernährung wäre pauschal gesünder, sind Rattenfänger und schaden der Bewegung (und sich selbst vermutlich auch) wohl eher. Ich bin kein Ernährungswissenschaftler aber kann vielleicht trotzdem folgende pauschale Aussage formulieren: sich ungesund zu ernähren ist mit jeder Diät wunderbar einfach. Aber Lebensmittel tierischen Ursprungs sind – bewiesenermaßen – Shortcuts um Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck, Arthrose und Adipositas zu entwickeln, das möchte ich hier nicht unter den Tisch fallen lassen.
Ich denke, der größte gesundheitliche Vorteil der Umstellung auf den Veganismus, vor allem wenn Du – so wie ich es getan habe – stets bedenkenlos jeglichen leckeren Dreck in Dich hineingeschoben hast, ist der folgende: Du bist plötzlich gezwungen, Dich mit Deinen Lebensmitteln auseinanderzusetzen. Denn die ersten Monate und Jahre verbringst Du damit, die Packungen im Supermarkt umzudrehen und die Zutatenliste genauestens zu analysieren, das verdammte Süßmolkenpulver ist dabei der ewige Endgegner. Es ist quasi in jedem industriell gefertigtem Lebensmittel drin und sei es manchmal auch nur, um uns vegan Lebenden den Tag zu vermiesen. Aber auch, dass Du anfängst, Dich mit Nährstoffen auseinanderzusetzen, gehört dazu. Fun-fact: das so häufig in dieser Diskussion erwähnte Vitamin B12, das vegan lebende Menschen supplementieren sollten, gelangt zu großen Teilen in die Körper Fleisch-essender Personen, weil es vorher wiederum den Masttieren supplementiert wurde. Wir sparen uns also lediglich diesen Schritt.

- Man kann ein militanter Veganer sein, der behauptet die Welt zu retten, und trotzdem ein Arschloch, oder?
Wirke ich schon arg unsympathisch? Also ich stimme Dir schon mal 100% zu, dass es nichts nervigeres gibt als Leute, die einem etwas aufzwingen wollen. Und auch mich hat es früher beim Grillen wütend gemacht, wenn jemand mein Nackensteak als Leichenteil betitelt hat. Es geht immer um das Wie, oder?
Meine Erfahrung der letzten fast neun Jahre ist die, dass immer ich auf meine Ernährung angesprochen werde, nicht andersrum. Wie ich vorhin schon erwähnt habe: ich glaube, wir alle haben eine gewisse Angst vor Veränderung und ja, der Veganismus war wohl die größte Veränderung in meinem Leben und hat auch mir vorher Angst gemacht. Doch wie es bei den meisten anderen Veränderungen im Leben ist, ist es auch hier: Das alte Normal verändert sich und ist dann bald schon ein neues Normal und hat jeglichen Schrecken verloren. Ich sage das, weil ich glaube, dass meine Nachfrage beim Essen, ob es denn vegan sei, viele Menschen unter einen Zugzwang stellt, meine Ernährung wie ein Angriff wirkt auf den Lifestyle der anderen und ich deswegen zur Rede gestellt werde. Wenn es soweit kommt, rede ich gerne und so ausführlich wie nötig darüber, so wie hier in diesem Interview. Auch hier bist Du auf mich zugekommen und versuchst es mir unbequem zu machen, nicht andersrum.
Auf jeden Fall hilft es niemandem, sich irgendeine Schuld zuzuweisen. Der Dialog ist immer gut und je mehr Wissen wir anhäufen, desto bessere Entscheidungen können wir treffen, gerade weil die Debatte sehr emotional ist. Deswegen versuche ich auch möglichst wenig Arschloch zu sein und genauso möglichst objektiv meine Erfahrung zu teilen. Ich hoffe, es gelingt mir noch.
- Viele Ersatzprodukte sind nicht weniger schädlich für das Ökosystem als die Fleischindustrie. Siehst Du das ein?
Um ehrlich zu sein, höre ich davon das erste Mal. Die Fakten, die ich kenne, sprechen stark für das Gegenteil. Soja-Produkte werden auch von Omnivoren konsumiert und nach wie vor wird der Regenwald vor allem für die Sojabohnen gerodet, die dann in der Massentierhaltung als Futtermittel landen. Und für kritische Rohstoffe wie Palm- oder Kokosöl gilt meiner persönlichen Erfahrung nach: auch die landen auf omnivoren Tellern genauso wie auf veganen. Die vegan lebenden Menschen, die ich kenne, achten allerdings sehr darauf, woher die Rohstoffe kommen und welche Industrie sie mit ihrem Kauf unterstützen, selbst wenn die Produkte vegan sind. Das kann ich von den meisten omnivor lebenden Menschen in meinem Umfeld nicht behaupten. Die Plastikverpackungen der Ersatzprodukte nerven extrem, aber auch das gilt für nicht-pflanzliche Produkte genauso. Selbst wenn Ersatzprodukte schlimmer sein sollten, sie sind ja nicht exklusiv für Veganer*innen hergestellt und werden auch von nicht vegan-lebenden Menschen konsumiert. Doch das Prinzip der Nahrungspyramide, nachdem Ressourcen und Energie stark verschwendet werden, je mehr Glieder die Nahrungskette enthält, halte ich für kaum konkurrenzfähig, was eine schlechte Ökobilanz angeht. Die Studie müsstest Du mir tatsächlich mal zeigen, die das behauptet. Ich bin letzten Endes ja an der Wahrheit interessiert und sollte stimmen, was Du sagst, würde ich meinen Ersatzprodukte-Konsum wahrscheinlich anpassen.
- Findest Du Menschen, die nicht vegan leben, egoistisch?
Lieb die Frage, endlich wird es mal unbequem. Im Grunde ist es doch so: betrachtet man das „Große Ganze“ so treffen wir immer und andauernd Entscheidungen irgendwo zwischen Egoismus und Altruismus. Fliege ich dreimal im Jahr in den Urlaub ist das für mich persönlich geil, doch die Welt muss meine Ökobilanz mitstemmen. Heize ich den ganzen Winter trotz Krise durch, weil ich es mir im Vergleich zu anderen leisten kann obwohl kaum genug für alle da ist? Gendere ich aus Respekt anderen Menschen gegenüber oder bleibe ich bei meiner gewohnten, für mich angenehmeren Sprechweise?
Meine Theorie ist die, dass man sich Freiheiten nehmen muss, doch sie sind ein endliches Gut auf diesem Planeten. Nehme ich mir eine gewisse Freiheit, so fehlt sie irgendwo anders auf der Welt. Und leider fühlen die Konsequenzen der Entscheidungen, die wir in der ersten Welt treffen, meistens die, die am Schwächsten sind und am wenigsten dafür können.
Per Definition ist es also eine egoistische Entscheidung, ein Tier umzubringen, um ein paar Minuten den Luxus des guten Fleischgeschmacks zu verspüren, da wir nicht darauf angewiesen sind. Hinter tierischen Produkten steckt immer Schmerz, immer eine Art der Ausbeutung (btw auch für viele Menschen, die in diesem Bereich arbeiten) und in diesem Fall treffe ich mit jeder Entscheidung eine sehr direkte Mitentscheidung für ein leidensfähiges Lebewesen. Bei all den Debatten die das Thema Veganismus mit sich zieht wie Ökobilanzen und Gesundheit ist es mir unheimlich wichtig, dass das nicht vergessen wird. Jeder Kauf eines Tierprodukts ist ein Stimmzettel der sagt: diese Industrie, so beschissen und grausam und lebensverachtend sie ist, soll genauso weitermachen.

- Was ist ein Vorurteil gegenüber Veganismus, das tatsächlich zutrifft? Welches nicht?
Hm, gar nicht so leicht, ehrlich gesagt. Ich glaube, es stimmt gewissermaßen, dass Veganerinnen zu kleinen Möchtegern-Ernährungswissenschaftlerinnen werden und untereinander dann auch viel über Veganismus gesprochen wird. Zum einen bist Du ja bei der Ernährungsumstellung – wie vorhin schon erwähnt – gezwungen, Dich mit Nährstoffen, Zutaten und Herkunft der Rohstoffe auseinanderzusetzen und natürlich eignest Du Dir ein gewisses Fachwissen an, das wächst und mit den Jahren auch immer fundierter wird. Du lernst übrigens auch, wie verhätnismäßig jung die Ernährungswissenschaft ist und wie viele Unklarheiten es doch bis heute gibt. Zum anderen, ja, unter Veganer*innen wird möglicherweise mehr über Veganismus geredet, als den meisten omnivor-lebenden lieb ist, doch das liegt nun mal daran, dass wir noch eine Minderheit sind und uns nach sicheren Häfen sehnen. Ich fühle mich vegan lebenden Menschen immer erst einmal stark verbunden (bis ich dann auch oft schnell eines Besseren belehrt werde haha).
Ein falsches Vorurteil, das dringend endlich aus der Welt geschafft gehört, ist, das vegan lebende Personen mangelernährt sind. Ich lebe jetzt seit fast neun Jahren vegan, in meinen Augen könnte mein Lifestyle durchaus gesünder sein und trotzdem habe ich immer die besten Blutwerte und fühle mich super. Durch die direkte Supplementierung der kritischen Nährstoffe bin ich damit sogar besser versorgt als der Durchschnitt, die Aussage kommt so direkt von meiner Ärztin. Natürlich bin ich ich und vertrete nicht die ganze Community, aber der Wissensstand bleibt auch ohne meine persönliche Fitness der: eine ausgewogene vegane Ernährung plus Supplementierung kritischer Nährstoffe versorgt Dich mit allem, was Du brauchst.

- Sind Menschen, die Teilzeit vegan leben, in Deinen Augen Heuchler?
Nein, ganz sicher nicht. Also ich sage es mal so: Du bist halt einfach nicht vegan, wenn Du Montag bis Donnerstag vegan lebst und dann am Wochenende nicht. Dann stimmt nun mal einfach die Bezeichnung nicht aber das ist ja recht penibel, darum sollte es nicht gehen.
Ich sage ganz klar, jeder Schritt in die pflanzenbasierte Ernährung ist ein guter und er rettet nicht nur direkt Leben, sondern hinterlässt auch seine Spuren im Umweltbereich. Je mehr Du es also versuchst, Dich umzustellen, desto besser, aber niemand kann 100% erreichen und es sollte klar sein, dass 70% immer noch besser sind, als es ganz zu lassen, weil man die 100% nicht schafft. Neben der praktischen Durchführung ist es einfach auch schon mal wichtig und ein großer Schritt, wenn man sich mit der Sachlage auseinandersetzt und verinnerlicht hat, dass es nicht so weitergehen kann, wie bisher.
- Sind Veganer die besseren Menschen?
Wie zuvor bei der Frage, ob Fleischessende egoistisch seien kann ich nur sagen: nope. Es gibt keine besseren oder schlechteren Menschen. Punkt. Als Mensch bist Du einfach ein Mensch.
Die Summe Deiner Entscheidungen und Aktionen macht Dich aus und nur daran kann man andere bewerten, immer abhängig von den eigenen Idealen. Anders gesagt kann ich nur den Charakter eines Menschen bewerten und dazu gehört weit mehr als die Ernährungsweise. Es ist sehr einfach, durch den Veganismus gelebte Empathie zu zeigen, aber es geht auch anders.
- Welche Aussage von Nicht-Veganern geht Dir am stärksten auf die Nerven?
Mein Lieblingssatz ist der folgende: „Leben und leben lassen!“, das sagen nicht-vegane Menschen am Ende einer Diskussion und meinen damit, dass man sie gefälligst in Ruhe lassen soll und sehen halt ernsthaft nicht den extremen Widerspruch in ihrer Aussage. Im Schnitt lässt jede deutsche Bürger*in 150 Tiere pro Jahr töten, um sie zu essen.
Was mich persönlich außerdem extrem nervt, ist, wenn Menschen Veganismus mit Glauben gleichsetzen. Der Glaube existiert im Idealfall in Dir, ist nur für Dich und hat keine Auswirkung auf andere Lebewesen. Du kannst die absurdesten Sachen glauben, bitte, viel Spaß, ist Dein gutes Recht. Doch Veganismus ist eine Reaktion auf von den Menschen geschaffenen Tatsachen und hat direkte monumentale Auswirkungen auf andere Lebewesen.
- Wenn Du sonst verhungern würdest, würdest Du Fleisch essen?
Oh, das ist auch eine richtig nervige Frage! Sehr gut. Also, dazu sollte man mal die Definition des Veganismus lesen: „Veganismus ist eine Lebensweise, die versucht – soweit wie praktisch durchführbar – alle Formen der Ausbeutung und Grausamkeiten an leidensfähigen Tieren für Essen, Kleidung und andere Zwecke zu vermeiden (…)“ Diese Definition, das bemerke ich immer wieder, ist den Wenigsten bekannt. Im Grunde geht es also darum: Niemandem ist geholfen, wenn Du eher stirbst oder Dich zerstörst, bevor Du eine nicht-vegane Handlung durchführst. Ein wichtiger Punkt ist eben diese praktische Durchführbarkeit. Ein gutes Beispiel sind Medikamente. Diese sind meistens leider nicht vegan, weil sie oft an Tieren getestet werden – übrigens je nach Methodik eine extrem umstrittene beziehungsweise sinnlose Praxis – aber für viele Menschen eben lebenswichtig. Nach der offiziellen Definition des Veganismus kannst Du also trotz Einnahme Deiner lebenswichtigen nicht-veganen Medikamente vegan leben, wenn Du alles weitere Nicht-existenzielle aus Deinem Alltag streichst. Zur Zeit der Corona-Pandemie war das ein heiß diskutiertes Thema, da leider auch die Impfung nicht vegan war. Trotz mehrfacher Impfung kann ich mich aber auch heute noch als vegan betiteln. Wie ich vorhin schon sagte, können wir heutzutage gar nicht 100% vegan leben, da Tierprodukte leider in quasi allem drinstecken.
Um zu überleben, würden Menschen glaube ich weit schlimmere Dinge tun, als „nur“ tierisches Fleisch zu essen, wenn Du verstehst, was ich meine. Lass uns hoffen, dass wir nie an diesen Punkt kommen müssen.
- Worauf verzichtest Du bei Deinem Lifestyle neben tierischen Lebensmitteln noch?
Ich verzichte auf alle Tierprodukte, so gut es geht. Dazu zählen Kosmetika, die an Tieren getestet werden, Produkte wie Wolle, Leder, Pelz, Seide, keine Ahnung, alles im Grunde, für das Tiere gequält oder getötet werden. Ich verzichte außerdem auf nicht nachhaltig angebautes Palmöl, das eigentlich nur indirekt nicht-vegan ist, für das aber Angst einflößend riesige Flächen an Regenwald auf der ganzen Welt vernichtet werden.
Auch, wenn der ökologische Fußabdruck eine Erfindung der Öl-Industrie ist, versuche ich meinen möglichst klein zu halten und mit Ressourcen sparsam umzugehen.
Übrigens: je länger Du vegan lebst, desto weniger fühlen sich diese Dinge wie ein Verzicht an. Es gibt mir ein Gefühl der Freiheit, auf diese Leid-behafteten Dinge zu verzichten. Es ist auf abstrakter Ebene ähnlich, als würde ich auf Meth „verzichten“ und fühlt sich eher wie ein Gewinn an. Ich vermisse kein einziges Tierprodukt.

- Denkst Du, dass militanter und belehrender Veganismus wirklich zielführend ist? Oder nicht eher das Gegenteil bewirkt?
Natürlich ist mir klar, welche Antwort hier von mir erwartet wird. Wie vorhin schon gesagt, der bessere Weg für jede Debatte dieser Art ist wohl einfach das Vorleben und Aufklären, nicht die Militanz. Doch ich glaube, so einfach ist es leider nicht. Wenn man es den Menschen zu bequem macht, geschieht leider kein Wandel und auch, wenn es nicht mein Weg ist, haben die nervigen und aufdringlichen Veganerinnen der Vergangenheit wesentlich dazu beigetragen, das Thema zu seiner heutigen Größe und Relevanz zu führen. Ein guter Vergleich aus einem verwandten Bereich ist Fridays for Future. Vor einigen Jahren noch andauernd in jeder Schlagzeile als die „nervigen Schulschwänzer“ für ihr zu der Zeit noch als militant geltendes Verhalten betitelt, sind sie heute als Bewegung auch bei den älteren Generationen eine akzeptierte Instanz und fast schon Heilige im Vergleich zu den heute so „bösen“ militanten Aktivistinnen der Letzen Generation. Beim Klimawandel hätten wir vor Jahrzehnten reagieren müssen, aber die Menschen hassen einfach – ich wiederhole mich – Veränderungen, vor allem wir privilegierten Menschen haben Angst, dass uns jemand etwas wegnehmen könnte. Die vielleicht zu bequemen Proteste damals führen zu deutlich unbequemeren Protesten heute, also… für den nicht-miltanten Weg ist es leider mittlerweile zu spät. Die Welt brennt und die Art, wie wir uns ernähren, spielt dabei eine riesige Rolle und an der hätten wir im besten Fall schon vorgestern etwas ändern sollen.
Danke an Anni für die Fragen und das Interesse!
Ursprünglich 2023 entstanden für Tomorrow-Mag: Das unbequemste Interview – militante Veganer
Schaut Dominion (auf den Titel klicken) für einen Blick hinter die Kulissen der Tötungsindustrien. Die Stockphotos in diesem Interview zeigen nicht die brutale Realität.