Anthropic kauft weiter fleißig Rechenleistung. Das KI-Unternehmen hat laut Reuters einen siebenjährigen Cloud-Vertrag über 11,6 Milliarden Dollar mit Akamai Technologies abgeschlossen. Im Gegenzug erhält Anthropic einen Optionsschein auf bis zu 5 Prozent der Akamai-Aktien, 2 Prozent gebunden an den bestehenden Vertrag, weitere 3 Prozent bei einer Erweiterung um bis zu 9 Milliarden Dollar. Die Akamai-Aktie stieg nachbörslich um 22 Prozent. Akamai rechnet mit Investitionskosten von rund 5,5 Milliarden Dollar und zusätzlichen Ausgaben von 1,7 Milliarden Dollar noch 2026.
David Heinemeier Hansson (DHH), Mitgründer von Basecamp und Schöpfer von Ruby on Rails, hat nach 25 Jahren als professioneller Programmierer seinen Abschied vom manuellen Programmieren erklärt. Anlass war eine emotionale Keynote zur Eröffnung der Fachmesse Rails World 2026. Bemerkenswert ist DHHs Kehrtwende: Noch vor gut einem Jahr habe er sich gegen KI-Coding gewehrt, doch seit etwa März 2026 schreibe er keinen Code mehr von Hand. Das sei für die große Mehrheit der Programmierer und Unternehmen wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll, bis Ende des Jahres werde es praktisch alle Bereiche betreffen. "Englisch ist eine bessere Programmiersprache als Ruby", sagt DHH.
Man solle mit Freude zurück- und nach vorn blicken: Es starte eine aufregende Karriere als "Maker of Things". Programmierer würden künftig Intelligenz steuern, die bis vor kurzem nur in Science-Fiction existierte. Gleichzeitig müsse Softwarearchitektur neu gedacht werden: Klassische Abstraktionen verlören an Wert, wenn KI-Agenten Code verändern. Neue Methoden seien noch nicht definiert, genau darin liege die Chance. DHH nennt es "das Größte, was in der Geschichte der Informatik passiert ist".
Google testet mit "Call for Me" eine Funktion, mit der Gemini im Auftrag von Nutzern bei Unternehmen anruft, berichtet TechCrunch. Zunächst erhalten nur Pixel-11-Besitzer in den USA mit bezahltem Gemini-Abo Zugang, außerdem ist die Beta der Telefon-App von Google nötig.
Laut Google kann Gemini vom Nutzer freigegebene persönliche Daten weitergeben und so mehr Aufgaben übernehmen, etwa Reservierungen, Terminverschiebungen oder die Frage, ob ein Produkt vorrätig ist. Die KI navigiert durch Sprachmenüs, wartet in Warteschleifen und ruft über die eigene Nummer des Nutzers an. Per Live-Transkript lässt sich das Gespräch verfolgen und jederzeit übernehmen.
Google knüpft damit an frühere Experimente an, etwa die Friseur-Reservierung per Google Duplex. Auch Metas KI-Agenten Muse und Instinct können inzwischen telefonieren. Google startet nach eigener Aussage in kleinem Rahmen, weil echte Gespräche viele Nuancen hätten. Mehr Informationen gibt es bei Google.
Das Weiße Haus hat OpenAI und Anthropic aufgefordert, neue KI-Modelle erst an das britische AI Security Institute (AISI) weiterzugeben, nachdem die US-Regierung sie selbst geprüft hat. Die Anfrage kam aus dem Büro des National Cyber Director, wie Politico berichtet. Die Unternehmen stehen damit vor der Wahl, ihre Modelle dem AISI vorzuenthalten oder das Weiße Haus zu verärgern. Anthropic hat sich offenbar bereits gefügt und sein Modell Claude Mythos 5.1 bisher nur US-Organisationen zugänglich gemacht.
Das AISI hatte bisher als eine der am besten ausgestatteten staatlichen Prüfstellen weltweit frühen Zugang zu Modellen führender KI-Labore und meldete zuletzt erstmals autonome Täuschung durch KI-Agenten in der realen Welt. AISI-Direktor Henry de Zoete betonte in einem Brief an das britische Parlament, man habe weiterhin Zugang zu Spitzenmodellen und etwa OpenAIs GPT-6 Astra vor Veröffentlichung getestet.
Premierminister Andy Burnham spielte den Konflikt bei der UN-Generalversammlung herunter und forderte "gemeinsame globale Grundsätze und Standards". In den USA steht derweil das zuständige Center for AI Standards and Innovation (CAISI) selbst unter Druck: Es arbeitet ohne festen Direktor und mit nur wenigen Dutzend Mitarbeitern.
Egal, was OpenAI oder Anthropic als Nächstes vorstellen, der eigene Chefberater hat es vermutlich schon 1991 erfunden. Das Tokioter KI-Start-up Sakana AI holt Jürgen Schmidhuber, laut Sakana der "Vater der modernen KI", als Chief Scientific Advisor. Schmidhuber erforscht seit fast vier Jahrzehnten, wie Maschinen lernen können, zu lernen. Seine Arbeit in den 1990ern brachte laut Sakana zentrale Fortschritte im Deep Learning und frühe Grundlagen für Weltmodelle. Seine Ideen zum Meta-Lernen hätten zudem den Weg zur rekursiven Selbstverbesserung geebnet, also zu KI, die sich selbst weiterentwickelt. Das prägte bereits Sakana-Projekte wie die Darwin-Gödel-Machine und The AI Scientist.
Japan is a birthplace of foundational neural network architectures and advanced robotics. It is a privilege to join Sakana AI to help bridge these two worlds. The future of intelligence is not just language; it is physical AI powered by World Models. Sakana AI is uniquely positioned to reclaim Japan’s legacy of innovation by building autonomous systems that can truly understand, simulate, and interact with the physical universe.
Jürgen Schmidhuber
Schmidhuber soll nun das neue RSI-Lab mitsteuern. Dessen Ziel ist ein sich selbst verstärkender Forschungskreislauf, der die Intelligenz von Maschinen verbessert. Dafür will Sakana in Tokio eine "kritische Masse an Top-Experten" versammeln.
Google plant, KI-Rechenzentren ins All zu bringen. Das Projekt heißt "Suncatcher" und soll KI-Infrastruktur im Orbit mit Sonnenenergie betreiben. Am 1. Oktober soll laut NYT ein erster experimenteller Satellit namens "MVP" mit einer SpaceX Falcon 9 von der Vandenberg Space Force Base in Kalifornien starten, berichtet die New York Times. Der "kühlschrankgroße Satellit" wurde im Labor von Planet Labs in San Francisco gebaut und getestet. Laut Google-Vizepräsident James Manyika soll er genug Rechenleistung haben, um einfache KI-Anfragen aus dem Weltraum zu beantworten.
Neben Google arbeiten auch SpaceX und Blue Origin an orbitalen Rechenzentren. Die Hürden sind allerdings groß. Laut Google-Manager Travis Beals bräuchte man rund 10.000 Satelliten, um ein einziges irdisches 1-Gigawatt-Rechenzentrum zu ersetzen. Im Vakuum fehlt Luft zur Kühlung, kosmische Strahlung kann Chips beschädigen, und die Transportkosten müssten auf etwa 200 Dollar pro Kilogramm sinken, damit das Konzept wirtschaftlich wird. Jeff Bezos rechnet damit, dass es noch bis zu 20 Jahre dauern könnte, bis orbitale Rechenzentren günstiger sind als Anlagen auf der Erde.
Anthropic wird ab dem 30. September 2026 das angekündigte Text-Wasserzeichen auf Claude Fable 5, Claude Sonnet 5 und Claude Opus 4.8 anwenden. Das teilte das Unternehmen per E-Mail mit. Grund ist laut Anthropic die Einhaltung der Transparenzanforderungen des EU‑AI‑Acts.
Das Wasserzeichen enthält laut Anthropic keine Nutzerdaten und neuere Modelle wie Claude Fable 5.1, Claude Opus 5.5 und Claude Opus 5 tragen es bereits. Da es auf Modellebene eingebettet wird, gilt es weltweit auf allen Plattformen. Kunden müssen nichts unternehmen – können aber auch nichts dagegen tun, außer einen anderen Anbieter oder ein älteres Modell wählen. Zur Erkennung hat Anthropic eine Detection-API für Behörden, Medien und Faktenchecker geöffnet.