irgendwie habe ich diesen monat das gefühl, dass ich nicht ganz so richtig bei der sache war, was das aufzeichnen meines lesestoffs anging.
aber ich habe zwei fotos gemacht, auf denen ich zumindest die wichtigsten lektüren festgehalten habe.
hape kerkeling, ich bin dann mal weg
den hape kerkeling hatte ich schon ende juli bei einem besuch bei meiner mutter dabei, ich gab ihm dann noch ein letzte chance, aber leider: nein, interessiert mich nicht, ist auch wirklich schlecht geschrieben und so sehr ich denke, dass das ein feiner mensch ist, so langweilig finde ich seine auslassungen zur wanderung auf dem jakobsweg.
alina bronsky, und du kommst auch drin vor
war, wie auch der kerkeling, ein bücherschrank-fund. ich denke, es ist eigentlich ein jugendbuch, man merkt das ja immer schon ein bisschen an der sprache, so ganz habe ich nicht mal als jugendliche verstanden, warum das so sein muss. wer lesen kann, kann auch komplexe sätze, dachte ich, oder denke ich vielleicht auch heute noch. jedenfalls fand ich die idee der geschichte ganz gut - eine jugendliche, die eigentlich nicht liest, wird bei einer lesung auf ein buch gestossen, in dem sie sich und ihre lebensgeschichte wieder erkennt - und versucht nun, das ende des buches (das natürlich kein für alle beteiligten gutes ist) und damit der geschichte, zu verändern. da hat sie die rechnung aber ohne die griesgrämige und lebensüberdrüssige autorin gemacht....
anne tyler, der sinn des ganzen
ui, von anne tyler habe ich in letzter zeit mehr als ein buch gelesen, und kann mich akut nicht so recht an den plot dieser geschichte erinnern. kurz nachgeschaut (gerne auf perlentaucher): jetzt weiss ich wieder, dass ich die hauptperson in ihrer genügsamkeit und mit dem wunsch nach einem geordneten leben sehr gut nachvollziehen konnte, aber es geht natürlich dann doch darum, wie in den wohlgeplanten tagesablauf des "tech-eremiten", ein bisschen das chaos einzieht, in form eines teenagers, sohn einer früheren freundin, der gerne der sohn der hauptperson wäre, es aber nicht ist.
auf meine nachttisch liegt immer noch maja göpel, ich versuchte es wieder mit ihr und ihrem buch, das eigentlich mut machen soll. ich bin aber auch im zweiten anlauf immer wieder über wortschöpfungen wie "wutsamkeit" gestolpert und sorry, aber auch wenn ich verstehe, was gemeint ist, ich kann da nicht weiterlesen. blöd eigentlich, denn ich schätze frau göpel und ihre gedanken sehr.
dafür habe ich mich dann ein bisschen vorzeitig vom stapel im hintergrund bedient. das sollte eigentlich meine lektüre für die ferien sein. ich habe mir - nicht zum ersten mal - einigen übersetzungen von tschechischen romanen antiquarisch besorgt. darunter vier bücher von michal viewegh, ein nicht ganz neuer autor, und zwei weitere von anlena mornstainova, von der ich im vergangenen jahr schon den roman "hana" gelesen hatte.
als erstes las ich den ersten roman von viewegh - blendende jahre für hunde. im mittelpunkt steht quido. die umstände seiner geburt im jahr 1962 sind so seltsam wie sein name. er ist hochintelligent, altklug und fett und sein leben und das seiner familie, verläuft in den engen bahnen, die der sozialismus in der tschechoslowakei ermöglicht. rückzug ins private allerorten, aber als dann auch noch der sohn als nachtwächter arbeiten will, ist das beinahe zu viel. frühe heirat und das schreiben retten quido, der dann als die zeiten besser werden, ein buch veröffentlichen kann, das blendende jahre für hunde heisst...
alena mornstainova, es geschah im november
erst jetzt merke ich, dass das nächste buch da zeitlich gerade angeschlossen hat. die autorin lässt (achtung: kontrafaktische geschichtsschreibung) die auflehnung der bevölkerung in den sozialistischen staaten anders ausgehen - die aufstände werden durch das militär niedergeschlagen, grenzanlagen wieder errichtet und alle, die in den verdacht geraten sind, einen umbruch zu wollen, eingesperrt oder auch gleich ermordet. so kommt maja im november 1989 in haft - und erst fünfzehn jahre später wieder frei, aber zugleich in eine maximal unfreie welt. maja ist als zweite hauptfigur ihre tochter lenka beigesellt, die als folge der inhaftierung ihrer mutter in einem kinderheim aufwächst und dort sozusagen zu einem musterbeispiel für die sozialistische gesellschaft erzogen wird. es kommt zu einer tragischen begegnung zwischen den beiden und am ende suchen beide je einzeln den einzigen ausweg in den freien westen, mit ganz unterschiedlichem ausgang.
obwohl das buch spannend zu lesen ist, hatte ich auf unterschiedlichen ebenen damit mühe. einerseits bei der schilderung des gefängnisalltags - logischerweise ist der kaum anders als das historisch verbürgte eingesperrtsein in tatsächlichen diktaturen. mir langt aber manchmal auch das bereits wirklich real stattgefunden habende grauen.
und dann gerät die geschichte, die in mähren spielt, natürlich auch irgendwann in eine zeit, in der sich das darumherum der ganzen weltgeschichte irgendwie weiterentwickelt haben muss. das bleibt ein wenig nebulös im ungefähren - kämpfe an der chinesisch-sowjetischen grenze werden angedeutet, das internet gibt es auch, es ist aber, wie auch mobiltelefone den zuverlässigsten kadern vorbehalten. der kosmos der erzählung bleibt schon sehr eng im repressiven sozialistischen umfeld - so dass mir beim lesen nicht immer präsent war, dass die geschichte in einer fiktiven fast-gegenwart spielt und nicht in einer bekannten vergangenheits-szenerie.
