Ausland

Der Streit zwischen dem tschechischen Staatspräsidenten Petr Pavel und dem Premier Andrej Babis um die Leitung der tschechischen Delegation auf dem NATO-Gipfel im Juli in Ankara wird zunehmend bizarrer. Das tschechische Verfassungsgericht hat gestern mittels einstweiliger Verfügung angeordnet, dass Pavel der Delegation angehören müsse.

„Die Regierung und das Außenministerium werden angewiesen, die Organisatoren des NATO-Gipfels unverzüglich darüber zu informieren, dass der Präsident der Republik Teil der offiziellen Delegation ist“, heißt es in der von Gerichtssprecher Pavel Samal vorgetragenen Anordnung.

Die Regierung und das Ministerium sind somit verpflichtet, Pavel eine entsprechende Akkreditierung zu verschaffen und jegliche Handlung zu unterlassen, die diesen an der Teilnahme am NATO-Gipfel hindern würde. Der Staatspräsident hatte seine Kompetenzklage zuvor beim Höchstgericht eingebracht. Am Montag hatte die Regierung in Prag beschlossen, dass nicht Pavel, sondern Babis die tschechische Delegation in Ankara leiten werde.

Bei einer Vorwahl der Demokraten in New York vor den US-Zwischenwahlen im November haben sich zwei Kandidatinnen und ein Kandidat des amtierenden linken Bürgermeisters und ausgesprochenen Trump-Gegners Zohran Mamdani durchgesetzt. Die drei siegten laut vorläufigen Wahlergebnissen in zentralen Bezirken der größten Stadt der USA. Ein Kennedy-Enkel hingegen konnte sich nicht durchsetzen.

Bei den Vorwahlen wurde darüber abgestimmt, wer im November für die Demokraten für Sitze im Repräsentantenhaus kandidiert. Das Repräsentantenhaus ist eine der beiden Kammern des Kongresses. Alle 435 Sitze werden alle zwei Jahre neu gewählt.

Mamdani als „neuer Strippenzieher“

Mamdani unterstützte etwa die 32-jährige Doktorandin Darializa Avila Chevalier, die auch Bekanntheit durch ihr Engagement bei den propalästinensischen Protesten an der Columbia-Universität erlangt hat.

Brad Lander ging mit dem Versprechen ins Rennen, sich als jüdischer Abgeordneter für die Menschenrechte der Palästinenser und gegen jede Form von Judenfeindlichkeit einzusetzen. Er gewann gegen Dan Goldman, dem eine wichtige Rolle im ersten Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump zugekommen war. Er vertritt eine proisraelische Linie.

Siegerin Claire Valdez spricht sich etwa für die Abschaffung der umstrittenen Einwanderungsbehörde ICE, Mietpreiskontrollen und öffentlichen Wohnungsbau aus. CNN nannte Mamdani den „neuen Strippenzieher“, der das demokratische Establishment unter Druck setze.

Eine weitere viel beachtete Kandidatur war die von Jack Kennedy Schlossberg, Enkel des früheren US-Präsidenten John F. Kennedy, in einem Wahlbezirk in Manhattan. Schlossberg hatte zuletzt unter anderem als Journalist gearbeitet und war erstmals für ein politisches Amt angetreten, unterlag jedoch dem erfahrenen Mitbewerber Micah C. Lasher.

US-Präsident Donald Trump verschärft im Streit über ein von ihm gewünschtes Gesetz die Gangart gegen seine Parteifreunde im Kapitol. Ein am Vortag vom Kongress beschlossenes Gesetz werde er nicht unterzeichnen, ehe der von ihm seit Langem geforderte „Save America Act“ durch das Parlament gehe, kündigte Trump gestern auf seiner Plattform Truth Social an. Er sprach in dem Zusammenhang von einem „nationalen Notstand“.

Trump hatte zuvor monatelang versucht, seine Parteikollegen im Kongress von dem Gesetz zu überzeugen, das unter anderem strengere Regeln für Bundeswahlen vorsieht. Dem Gesetz zufolge sollen Bürgerinnen und Bürger unter anderem bei der Registrierung für die Stimmabgabe ihre Staatsbürgerschaft nachweisen müssen. Bei Bundeswahlen muss zudem ein Lichtbildausweis vorgelegt werden. Im Kongress gibt es dafür bisher keine Mehrheit.

Das vom Repräsentantenhaus auf den Weg gebrachte Gesetz zum Wohnraum steht damit nicht im Zusammenhang. Es soll es US-Amerikanern erleichtern, sich ein Eigenheim leisten zu können, und erhielt in beiden Kammern überparteiliche Unterstützung. US-Medien beschrieben es als das größte Gesetz zur Finanzierbarkeit von Wohnraum seit Jahrzehnten.

Trump kassierte zudem bei seinem Versuch, den Einfluss des Bundes auf Wahlvorschriften in den USA auszuweiten, eine weitere Niederlage vor Gericht. Eine Bundesrichterin in Boston schob gestern bestimmten Punkten in einer Anordnung Trumps, mit der die Regeln zur Wählerregistrierung für Bundeswahlen verschärft worden wären, einen Riegel vor.

Krieg in Nahost

Die Gespräche zwischen den USA und dem Iran dürften nach den Worten von US-Außenminister Marco Rubio in der kommenden Woche weitergehen. Nach seinem Kenntnisstand würden die technischen Gespräche am Montag oder Dienstag fortgeführt, sagte Rubio gestern auf dem Flughafen in Kuwait-Stadt. Er gehe davon aus, es werde erneut in der Schweiz verhandelt.

Die beiden Seiten hätten die Verhandlungen in verschiedene Arbeitsstränge aufgeteilt. Darin sollten die Gespräche nun weiterlaufen. Für die US-Seite würden etwa Fachleute für Nuklearenergie bzw. Sanktionen aus mehreren Ministerien teilnehmen.

Am Sonntag hatten sich Vertreter der USA, des Iran und der Vermittlerstaaten Pakistan und Katar zu Gesprächen in einem Luxusresort in der Nähe von Luzern getroffen. Pakistan sprach davon, dass im weiteren Wochenverlauf in kleineren Arbeitsgruppen weiter verhandelt werde.

Ende Februar hatten die USA und Israel einen Krieg gegen den Iran begonnen, der nach einem vergangene Woche unterzeichneten Rahmenabkommen nun endgültig beigelegt werden soll. Im Rahmenabkommen steht die Absicht, die endgültige Vereinbarung möglichst innerhalb von 60 Tagen zu erreichen.

Als Folge des Iran-Krieges hat eines der wichtigsten Ölfelder im Irak seinen Betrieb einstellen müssen. Der Betreiber des Ölfelds West Qurna-2 in der südirakischen Provinz Basra teilte mit, die Rohölförderung und der Lagerbetrieb seien vollständig eingestellt worden. Das Unternehmen verwies gestern zur Begründung auf die unvorhersehbaren Auswirkungen des Iran-Krieges in der Region, etwa die fehlende Verfügbarkeit von Öltankern.

Der Irak hatte seine Rohölproduktion bereits im März gedrosselt und wegen der Folgen des am 28. Februar ausgebrochenen Krieges zwischen dem Iran, den USA und Israel für bestimmte Ölfelder den Force-Majeure-Fall erklärt.

Im internationalen Handel wird der Begriff „höhere Gewalt“ (Force Majeure) für Ereignisse verwendet, die weder vorhersehbar noch vermeidbar sind und nicht mit angemessenen Mitteln abgewendet werden können, wie bei der Industrie- und Handelskammer IHK nachzulesen ist. Force-Majeure-Klauseln schützen Unternehmen vor den Folgen solcher Ereignisse, wenn Vertragspflichten nicht mehr erfüllt werden können.

Das Ölfeld West Qurna-2 befand sich derzeit im Wiederhochlauf. West Qurna-2 wird derzeit von einem irakischen Unternehmen betrieben, nachdem der russische Energiekonzern Lukoil sich aufgrund von US-Sanktionen aus dem Projekt zurückgezogen hatte. Es gilt aufgrund seiner gewaltigen Reserven als einer der Supergiganten unter den irakischen Ölfeldern.

Umwelt & Klima

Eine Hitzewelle hat West- und Mitteleuropa weiterhin fest im Griff. Laut einer Auswertung der Nachrichtenagentur AFP erlebten gestern rund 94 Millionen Menschen in Europa tagsüber Temperaturen von über 35 Grad Celsius – die meisten von ihnen in Spanien und Frankreich.

Es ist bereits die zweite Hitzewelle in Europa binnen eines Monats. In Paris wurde gestern nach Angaben von Meteo France mit 40,9 Grad Celsius die bisher höchste Juni-Temperatur seit Beginn der Aufzeichnungen registriert. Bereits am Vortag wurde in Frankreich mit einem Durchschnittswert von 29,8 Grad der bisher heißeste registrierte Tag vermeldet.

In Spanien gab es diese Woche die heißesten Juni-Tage seit mehr als 70 Jahren. Wie die nationale Wetterbehörde AEMET gestern mitteilte, lag die landesweite Durchschnittstemperatur am Montag bei 28,08 Grad und am Dienstag bei 28,17 Grad. Damit wurde der bisherige Rekordwert von 28,01 Grad am 30. Juni 2025 übertroffen. Die Messungen reichen bis 1950 zurück.

Dem britischen Wetterdienst zufolge wurde gestern mit 35,7 Grad in Charlwood südlich von London der heißeste Juni-Tag seit Beginn der Aufzeichnungen gemessen. Der Chef des Weltklimarats IPCC, Jim Skea, erklärte, die gegenwärtige Hitzewelle falle heftiger aus als in manchen wissenschaftlichen Prognosen vorhergesagt. „Wir werden zwangsläufig mehr von dem erleben, was wir in den vergangenen Tagen gesehen haben.“

Wirtschaft

Nach wochenlangem Gezerre gibt es weiterhin keinen KV-Abschluss für die bis zu 240.000 Beschäftigten im Tourismus. „Die Kollektivvertragsverhandlungen 2026 für das Hotel- und Gastgewerbe sind ohne Einigung abgeschlossen“, teilte die Wirtschaftskammer (WKÖ) als Vertreterin der Arbeitgeberseite gestern mit. Das von der Gewerkschaft abgelehnte „Letztangebot“ könnten die Betriebe nun freiwillig umsetzen.

Als Vorschlag auf dem Tisch liegen seitens der Arbeitgeber seit 29. Mai 3,4 Prozent mehr Geld für die unterste Lohngruppe sowie eine durchschnittliche Anhebung der kollektivvertraglichen Mindestlöhne und -gehälter um drei Prozent.

Betriebe könnten sich auf der Serviceseite der Fachverbände zum Letztangebot informieren und dieses „als Orientierung für allfällige freiwillige Lohn- und Gehaltserhöhungen heranziehen“, so die Kammer. Verbindlich gelten den Angaben zufolge weiter die Lohn- und Gehaltstabellen des letzten Abschlusses, die seit 1. Mai 2025 in Kraft sind.

Kein Termin festgelegt

„Dieses Angebot ist eine Respektlosigkeit gegenüber einer ohnehin extrem belasteten Branche“, erklärte die Gewerkschaft vida. „Die Arbeitgeber sind aufgefordert, endlich ein verhandlungsfähiges Angebot auf den Tisch zu legen, das die Kaufkraft der Menschen sichert“, forderte die Gewerkschaft. „Wir müssen reden! Was fehlt, ist ein Termin.“

„Wir haben heute und auch in den vergangenen Tagen die Wirtschaftskammer um einen nächsten Verhandlungstermin ersucht“, sagte die Vorsitzende des Fachbereichs Tourismus in der Gewerkschaft vida, Eva Eberhart, im Ö1-„Mittagsjournal“. „Das wurde von Wirtschaftskammer-Seite aber abgelehnt.“ Eberhart kündigte Kampfmaßnahmen an. Man sei dabei, die Beschäftigten zu mobilisieren.

Chronik

Einen Sechser im Wert von 4,1 Mio. Euro hat die gestrige Ziehung von Lotto „6 aus 45“ gebracht.

Folgende Gewinnzahlen wurden ermittelt:

2 9 24 34 36 37/Zusatzzahl 10

Die richtigen LottoPlus-Zahlen:

1 28 31 36 43 45

Die richtige Joker-Zahl:

2 1 0 8 2 2

Alle Angaben ohne Gewähr

Medien

Wie geht es den Österreicherinnen und Österreichern? Welche Themen beschäftigen sie am meisten, und worin sehen sie die größten Herausforderungen? Zum mittlerweile dritten Mal lädt der ORF sein Publikum auch heuer zu einer großen Onlineumfrage ein. Bis 15. Juli kann jeder und jede an der Umfrage teilnehmen – anonym, Rückschlüsse auf einzelne Personen sind somit nicht möglich.

Die Aktion „ORF fragt“ ist Teil der ORF-Dialog-Offensive, bei der es darum geht, das Publikum auf möglichst vielfältige Weise in die Programmgestaltung einzubinden. Im Fragebogen geht es um eine breite, alltagsrelevante Themenpalette – von der anhaltenden Teuerung über den Zustand des Gesundheitssystems bis zu neuen Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt durch Digitalisierung und künstliche Intelligenz (KI). Darüber hinaus gibt es diesmal auch einige Fragen zum ORF-Angebot.

Die Ergebnisse werden am 28. Juli in der Sendung „ORF fragt: Wie geht’s Österreich?“ präsentiert. Darüber hinaus sollen die Antworten Input für eine umfassende Diskussion in weiteren Programmen und Sendungen des ORF liefern. Alle Ergebnisse stehen mit Beginn der Sendung am 28. Juli auch zum Download zur Verfügung.

Mehr dazu in ORFfragt.at

Kultur

Fast 60 Jahre nach einem historischen TV-Auftritt der Beatles erscheint eine Aufzeichnung von damals erstmals in Farbe. Am 25. Juni 1967 spielten John, Paul, George und Ringo in den Abbey Road Studios „All You Need Is Love“. Der Auftritt wurde im Rahmen einer BBC-Sendung live per Satellit in die Welt übertragen. Berichten zufolge sahen rund 400 Millionen Menschen zu.

die Band „The Beatles“ umgeben von Fotografen in einer Probenpause während der Aufnahme von „All You Need Is Love“
AP

Seit 2009 feiern Anhänger der Fab Four deshalb jedes Jahr an diesem Datum den Global Beatles Day, der von Fan Faith Cohen ins Leben gerufen wurde. Inzwischen wird das Event auch von der von den Beatles gegründeten Verlagsgesellschaft Apple Corps Ltd. offiziell anerkannt.

Zum morgigen Beatles-Tag wird die Aufzeichnung erstmals in kolorierter Form auf YouTube veröffentlicht. Tom Greene, Vorsitzender von Apple Corps Ltd., hofft, dass erneut Millionen Menschen weltweit den Auftritt verfolgen werden.

Vorfreude für Fans

Für Beatles-Fans gibt es derzeit viel Grund zur Freude. Die überlebenden Beatles-Mitglieder Paul McCartney und Ringo Starr haben beide neue Alben veröffentlicht. Im kommenden Jahr soll in London ein Beatles-Museum im einstigen Firmengebäude von Apple Corps. Ltd eröffnet werden. Außerdem dreht Regisseur Sam Mendes vier Spielfilme über die einzelnen Beatles-Mitglieder.