21. März – Blümchenlyrik fürs Poesiealbum

Heute ist übrigens schon wieder der Welttag der Poesie – nicht dass es wieder Beschwerden hagelt, ich hätt’s gewusst aber niemand verraten.

Ein Großteil von Goethes Lyrik hat Weltgeltung erlangt und gehört zum bedeutendsten Teil des lyrischen Kanons der deutschen Literatur. Freilich war selbst einer der bedeutendsten Lyriker deutscher Sprache nicht davor gefeit, nebst erhabener Dichtkunst mitunter auch manch schieren Schmarrn hervorgebracht zu haben, etwa solch süßliche Blümchenpoesie:

    Ich ging im Walde so für mich hin,
    und nichts zu suchen, das war mein Sinn.
    Im Schatten sah ich ein Blümchen steh’n,
    wie Sterne leuchtend, wie Äuglein schön.
    ImageIch wollt’ es brechen, da sagt’ es fein:
    Soll ich zum Welken gebrochen sein?
    Ich grub’s mit allen den Würzlein aus,
    zum Garten trug ich’s, am hübschen Haus,
    Und pflanzt es wieder am stillen Ort;
    Nun zweigt es immer und blüht so fort.
    Johann Wolfgang v. Goethe, Lieder 1827
ImageHört, was der Herr Geheime Rat
allhier mit einem Blümchen tat:
grub’s aus und setzt’ es wieder ein –
wofür sollt’ das denn nütze sein?
(Stand’s Blümchen nimmermehr im Wald,
so stand’s hernach woanders halt.)
Reimkritisches: ▶️ ▶️ ▶️ ▶️

18. März

Heute vor 85 Jahren wurde der österreichische Schriftsteller Wolfgang Bauer (1941-2005) ge­bo­ren. Er sagte:

    »Ein Schriftsteller, dem nichts einfällt worüber er schreiben könnte, kann immer noch über einen Schriftsteller schreiben, dem nichts einfällt worüber er schreiben könnte.«

Es gilt die Unsinnsvermutung

Im unerbittlichen Wettstreit um die unsinnigste Verwendung des Attributes »mutmaßlich« in einem Pressetext geht aktuell auch diesmal wiederum “Der Standard“ in Führung:

Offenkundig bezichtigte ihn die Frau einer sexuellen Begegnung, was immer man sich darunter vorzustellen hat. Kaum anzunehmen, dass die Frau in ihrer Bezichtigung angab, die Art der sexuellen Begegnung mit Trump wäre eine »mutmaßliche« gewesen.

Sehr häufig findet das trendige Unwort »mutmaßlich« dort völlig unsinnige Verwendung, wo stattdessen »angeblich« gemeint ist. Da steht dann etwa solcher absurde Widersinn:

  • »mutmaßliche Opfer« Weißmanns heißt: vermutlich handelt sichs um seine Opfer;
  • ergo handelt sichs bei Weißmann mutmaßlich/vermutlich um einen Täter;
  • das bedeutet: ergo würde für ihn explizit die Schuldvermutung gelten.
Es gilt die Unsinnsvermutung.

7. März – Im Telephonmuseum

Heute vor 150 Jahren, am 7. März 1876, erteilte das US-Patentamt Herrn Alexander Graham Bell ein Patent auf seine Erfindung, den sogenannten Telephonapparat. Seinerzeit wurde Herrn Bells Erfindung aller­dings keine große Zukunft vorhergesagt: das Telephon, so las man in der Presse, werde sich in der Allgemeinheit vor­aus­sicht­lich nicht durchsetzen, da es ohne­hin genügend Boten­jungen gebe, um Nach­rich­ten zu übermitteln.

»In den Anfangszeiten der Fernsprechtechnik war es dem Benutzer eines Telefones nicht möglich, eine bestimmte Telefonverbindung zu einem anderen Anschluss selbst auf­zu­bauen. Um eine Verbindung zu bekommen, musste man die Vermittlungskraft im Fern­sprech­amt (umgangssprachlich das „Fräulein vom Amt“) mittels Betätigen eines Kurbel­in­di­ka­tors „wecken“ (dies war tatsächlich der offizielle Ausdruck für diesen Vor­gang). Dem Ver­mitt­lungs­personal teilte man sodann mündlich seinen Verbindungs­wunsch mit, wo­rauf dieses per Handvermittlung die Verbindung aufbaute.«  (Wikipedia)

ImageAm 29. April 1913 aber wurde von der Fa. Siemens & Halske in Spandau der Nummernschalter mit Fingerlochscheibe für den Selbstwählbetrieb zum Patent angemeldet, Abb. rechts: manche jungen LeserInnen werden solcherlei antikes Artefakt in natura wahr­schein­lich gar nimmer kennen. Damit begann das Zeitalter der Selbstwähltelefonie.

ImageDrei Jahre zuvor waren die ersten Astronauten auf dem Mond gelandet, aber bis ins Jahr 1972 gehörte Neulengbach im schönen Wienerwald zu den letzten Sprengeln im österreichischen Post-Telefonnetz, welche auf den Anschluss an den Selbstwählverkehr warten mussten. Bis da­hin hatten wir daheim ein schickes Kur­beltelefon ohne Wählscheibe, wie in Abb. links – noch Anfangs der 70er-Jahre, nicht gelogen. Wenn man jemanden anrufen wollte, musste man zuerst kurbeln, worauf sich das Fräulein vom Amt meldete. Der sagte man sodann die Nummer an, mit der man telefonieren wollte, und draufhin stöpselte sie die Verbindung zum gewünschten Teilnehmer durch. Wenn wir als Kinder beim Neulengbacher Postamt vorbeigingen, konnten wir durchs Fenster das Fräulein vom Amt mit ihren Kopfhörern sehen, wie sie da drinnen emsig am Klappen­schrank herumstöpselte. (Kennen Sie die Szene aus den alten “Lassie“-Schwarz­weiß­filmen? ;)
Das allerletzte österreichische Fräulein vom Amt war indessen ein Mann, am 14. Dezember Anno 1972 stellte er in Karlstein/Thaya im Waldviertel die letzte Telefon­verbindung durch manu­elles Stöpseln her.

Image

(Als ich mir unlängst ein neues Handy anschaffte und dem Verkäufer-Jungspund er­zählte, dass mein erstes Handy noch eine Antenne zum rausziehen hatte, da schaute der mich an als käme ich geradewegs aus dem Kuriositätenkabinett. Das mit unserem Neulengbacher Kur­bel­telefon aus der Prä-Wählscheiben-Ära hätte der mir bestimmt nicht geglaubt.)

Mediensoziolektisches – Über das »Aus«

Zu den im Mediensoziolekt bevorzugt gebrauchten Unwörtern zählt u. a. »das Aus«, siehe: ▶️ Mit dessen mutwilligem Gebrauch geht oftmals auch das Aus der Verständlichkeit einher:

Was soll denn das überhaupt heißen:
  • Das Aus der Berlinale wäre deren Ende?
  • Ihr Ende wäre das Aus der Berlinale?
  • Ihr Aus wäre das Aus der Berlinale?
Ah so, bei »ihrem Aus« gehts gar nicht um »das Aus« der Berlinale, sondern um den Rücktritt ihrer Chefin. Aber warum steht dann »IHR« nicht in Clickbait-Majuskeln, wie man es von Billigmedien kennen würde? Und warum werden im Medienjargon anstelle solcher Unwörter nicht normale Wörter verwendet die auch normale Leute verwenden, wenn vom Rücktritt einer Berlinale-Chefin die Rede ist, z. B.:
    »Ihr Rücktritt wäre das Ende der Berlinale«.

Schwurbelkolumnistisches: Pizzalistisches

Hier warnt er schon wieder mal, der Schwurbelkolumnist vom “Focus EXPERTS Circle“:

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Wir, schon wieder mal. Aber wen meint der denn mit seinem omnipräsenten »wir«?

»Aktuell reden wir uns um den Verstand.«

Aktuell. Wir. Ich bin noch bei Verstand und fühle mich da eigentlich nicht angesprochen, Sie vielleicht?

»Ich nenne dieses Prinzip „Pizzalismus“: die systematische Überdehnung von Themen, bis sie ihre Wirkung verlieren.
Pizzalismus funktioniert wie ein Pizzateig, der endlos ausgerollt wird.«

Oder meint er mit »wir« womöglich eh sich selber, im Pluralis Auctoris? Überdehnung von Themen ist ja grad seine Spezialdisziplin, als Schwurbelkolumnist.

»Immer größer, immer dünner, immer mehr Zutaten. [..] Niemand kann diese Pizza essen«

Da sind sie, schon wieder mal: die schrägen Sprachbilder, die ihm wie vermutet von einer KI als Zutaten in seine pizzalistischen Kolumnen gestreut werden.

»Auch im Sport wird endlos geredet. Vorberichte, Nachberichte, Expertenrunden, Prognosen, Taktikdebatten. Im Handball wie im Fußball wird jede Eventualität vorab durch­gespielt.«

Welchen Sport meint der? Offenbar meint er: im Fernsehen, im TV-Sportstudio. Nicht dass im Handball- wie im Fußballspiel endlos geredet würde.

»Das Spiel wurde auf dem Feld entschieden, nicht im Studio. Genau dort endet das Reden, weil das Ergebnis zählt.«

Ah so? Und nach dem Spiel würde im Studio oder sonstwo nimmer darüber weitergeredet, über das Spiel und das Ergebnis? Behauptet das der warnende Experte oder behauptet das die KI? Und wovor warnt der denn überhaupt?

»Der Sport darf reden, weil er letztlich immer entschieden wird.«

Sport darf reden. Weil er entschieden wird. Schwurbelschrieb, schon wieder mal.

»Pizzalismus ist keine Stilfrage, sondern ein Strukturfehler unserer Zeit. [..] Eine Pizza muss irgendwann in den Ofen. Sonst bleibt sie Teig. Und Teig macht niemanden satt.«

Wenn Pizzalismus, wie ihn der Kolumnist nennt, als »die systematische Überdehnung von Themen« definiert wird, dann ist er genau das was am Ende auf diese ausgewalzte Pizzateig-Metaphorik zutrifft.

Wer »wir« sind, die sich angeblich »um ihren Verstand reden«, erfährt man in der Kolumne wiederum nicht.

Exxpressionistisches: Prozentuelles

Da haben sie im rechtspopulistischen Verunglimpfungs- & Aufhussungsor­gan (Ar­min Thurnher: “desinformative Dreckschleuder“) “eXXpress für Selberdenkerwieder einmal eine ganz große Nummer aufgedeckt:

Das populäre Bashing-Opfer Schilling drückte sich in einer Stellungnahme bissel patschert aus, indem sie von »zehn Haushalten« anstelle »zehn Prozent der Haushalte« spricht, wobei freilich eh jeder versteht was sie damit gemeint hat. Im Verunglimpfungsorgan “eXXpress“ aber wird aus solcher läppischen Petitesse ein angeblich erneuter Beleg für Schillings gern kolportierte mathematische Defizite gedrechselt.

Im “eXXpress“, ausgerechnet. Im Fachorgan für Prozentrechnungs-Falschpropaganda: ▶️ ▶️

Essayistisches: Fetischistisches?

.. fragt der Essayist in der “Süddeutschen“, und darunter steht der Teaser:

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Wir? Gehen mit Donald Trump ins Bett? – Befremdliche Aussage.
Indes: wie sollte der denn »unser Fetisch« sein, das ist doch völlig abwegig. Ein Fetisch ist per definitionem ein
       [1] kultischer Gegenstand, dem besondere Eigenschaften zugesprochen werden; oder ein
       [2] ugs.: auf Gegenstände oder bestimmte Körperteile gerichteter Sexualtrieb;
Donald Trump ist weder ein Gegenstand, noch ein faszinierender Sexualtrieb – was soll der Nonsens bedeuten?

»Donald Trump ist der orangefarbene Planet, um den sich die Welt dreht, [..]«

Für gewöhnlich dreht sich die Welt um ihren Mittelpunkt, und kreist als Planet um ihre Sonne: gemeint sein soll vermutlich Trump als Mittelpunkt, um den die Welt sich dreht. Oder als orangefarbene Sonne, um die sie kreist. Sinngemäß lässt sich aber eh erraten wie dieser astronomische Vergleich verstanden sein will, auch wenn der reiflich holprig daherkommt. Die Nummer mit seiner orangen Gesichtsfarbe ist halt schon bissel arg überstrapaziert, möchte man meinen.

»Trump [..] als Referenzgröße für Schreckensgestalten. [..] Donald Trump ist das Monster, auf das wir gewartet haben. Er verkörpert alles, was wir an Ängsten [..] mitgenommen haben.«

Da stehts nochmal:

»Denn auch das macht Trump zu unserem albtraumhaft faszinierenden Fetisch:«

Trump, unser Fetisch. Und weiter oben: Schreckensgestalt, Monster, Ängste. Hat der Essayist hier vielleicht schlicht den Begriff verwechselt, und meint gar nicht Fetisch sondern etwas wie Popanz (= Schreckgespenst) oder Moloch (= albtraumhafter Dämon) oder sonstwas von ähnlicher Bedeutung, oder sowas wie ein Faszinosum? Das könnte den Nonsens erklären.

»Trump ist die zu Wirklichkeit geronnene Fantasie eines gigantischen Popanzes.«

Na bitte, da stehts ja, wenn man ein Stück weiterliest: Popanz. Fetisch war wohl die falsche Vokabel.
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[Ungeachtet der hieramts monierten Unstimmigkeiten ist das Essay in der “Süd­deut­schen“ aber ein durchaus geistreiches & lesenswertes Stück, was die Betrachtungen über das Phä­no­men Trump anbelangt.]

7. Februar

Der Unabhängigkeitstag in Grenada wird jährlich am 7. Februar gefeiert und erinnert an die Unabhängigkeit des Inselstaates von Großbritannien im Jahr 1974. *
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In 30 Tagen um die Welt, 12. Tag

Image .. über den Atlantik, nach Grenada

Auf seiner dritten Reise über den Atlantik landete Kolumbus auf der Karibik­insel Grenada, schau mer mal ▶, wie das Wetter dort ist.

Immer ist dort nicht Schönwetter, im September 2004 richtete ein Hurricane schwere Verwüstungen an. Auch das Staats­gefängnis in der Hauptstadt St. George’s wurde dabei zerstört, fast alle Insassen nutzten die Gelegenheit zur Flucht und verfügten sich unverzüglich von dannen. Ausgenommen ein Fähnlein von einigen Aufrechten, die unter Lebensgefahr in situ ausharrten während ihnen die einstürzenden Trümmer um die Ohren flogen, und anschließend im Freien sitzend die Rückkehr des Gefängnispersonals erwarteten, welches sich vor dem Sturm in Sicherheit gebracht hatte. Es handelte sich um die letzten Mitglieder der marxistischen NJM-Putschistenregierung, welche mit der US-Invasion 1983 entmachtet und inhaftiert worden waren und seitdem einsaßen. Zwei Jahrzehnte lang hatten die Inhaftierten unentwegt ein angemessenes Straf­verfahren eingefordert, und nunmehr weigerten sie sich schlicht & einfach aus der Haft zu fliehen, bevor dieser Forderung nicht Genüge getan war. Aus Prinzip. Kein Witz.
Die traditionelle Nationalspeise heißt übrigens Callaloo und ist Spinat. Spinat mit Krabben. Erwähnenswert, dass die Krabben in Grenada nicht aus dem Meer gefischt werden, sondern zu Fuß auf der Insel herumspazieren und bloß aufgeklaubt werden müssen. Und dass der Spinat dort auf Bäumen wächst. Auf Spinatbäumen. Auch kein Witz.

Neues aus der Wortspielhölle

»Es ist kein Blödsinn je zu blöd, als dass es nicht noch blöder geht.«
(M. Krassnig)

Wer vermeint, im ständigen Wettstreit der sog. Leitmedien um die Hervorbringung des blödsinnigsten Wortspiels in einer Artikelüberschrift müsse der absolute Blödsinnigkeitsrekord irgendwann erreicht sein und sich nimmer tieferlegen lassen, der irrt:

(Was für Sinn soll denn überhaupt das eingeschobene “ge-“ haben? Der Bierzeltspruch heißt “O’zapft is“, aber nicht “O’gezapft is“ – also müsste das Wortspiel [ungeachtet dessen Blödsinnigkeit] wenigstens richtig “O’eiszapft is“ heißen. Welcher Simpel lässt sich sowas einfallen?)

22. Jänner – Reimkritisches

Heute vor 297 Jahren wurde Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) geboren, einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller & Dramatiker. Auch humoristisch-ironische Lyrik verfasste Lessing, darunter zahlreiche komische, zuweilen bizarre Gedichte über das Trinken – z. B. “Die Ente“ (Ausschnitt):

    Auch ein Tier – – o das ist viel!
    Hält den Satz für wahr und süße,
    Daß, wer glücklich leben will,
    Fein das Trinken lieben müsse.
    Ente, ists nicht die Natur,
    Die dich stets zum Teiche treibet?
    Ja, sie ists; drum folg’ ihr nur.
    Trinke, bis nichts übrig bleibet.

ImageTrinket nun, wie Lessing schreibet,
die Ente »bis nichts übrig bleibet«,
so hätte, wenn dies zugetroffen,
den Teich sie also ausgesoffen?
(Doch nein, er spricht ja nicht zur Enten:
er spricht ja zum Rezipienten.)
Reimkritisches: ▶️ ▶️ ▶️

18. Jänner: Welttag des Schneemanns

Als Datum für den Welttag des Schneemanns wurde der 18. Jänner gewählt, wobei die 8 sym­­bolisch für die Figur des Schneemanns und die 1 für seinen Stock oder Besen steht. *
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In 30 Tagen um die Welt, 58. Tag

Image .. Cortonwood/Yorkshire: Der Schneemann und der Polizeichef

Am 6. März 1984 begann in Cortonwood in Yorkshire der einjährige bri­­tische Berg­ar­bei­ter­streik, der Miners’ oder Coal Strike von 1984/1985, in dessen Verlauf es wie­der­holt zu heftigen Aus­ein­an­der­setz­un­gen mit der Polizei kam.*

Bruce Wilson, einer der strei­ken­den Berg­männer, notierte in seinen 2004 veröffentlichten Tage­­buch­auf­zeich­nun­gen* eine Episode aus dem bit­ter­kalten Februar 1985:
Nachts hatte es geschneit und einige der Streikenden hatten, um sich auf­zuwärmen, einen großen Schnee­mann gebaut und diesem einen erbeuteten Polizeihelm auf den Kopf gesetzt. Der Polizeichef, Chief Superintendent John Nesbit, wollte derlei despektierliche Obrig­keits­­ver­spot­tung nicht dulden, startete höchstpersönlich einen Streifenwagen Marke Range Ro­ver und fuhr mit Voll­gas auf den Schneemann zu, um ihn zu zerstören. Das Resultat war ein gehöriger Crash samt veri­tab­lem Blechschaden – nämlich am Strei­fen­wa­gen: die Bergleute hatten den Schneemann rund um einen massiven Betonpoller errichtet.

17. Jänner

Heute ist übrigens der Internationale Tag der italienischen Küche, so stehts im Kalender.

Da fällt mir die reichlich rustikale Äußerung jener saloppen Person ein, die sich unlängst bei unserem bevorzugten Italiener am Nebentisch vernehmen ließ – ihr Begleiter hatte frit­tierte Calamari bestellt, und als die auf den Tisch kamen sah sich besagte Person veranlasst, laut­hals drauflos zu gackern:
    »Heast Oida, des schaut jo aus wia bochane Oaschlecha!«
    [»Das sieht ja aus wie gebackene Rektalöffnungen«]
Auch Kollege Lo berichtet von einer Schnurre, die sich bei seinem Lieblingsitaliener zutrug.

In Rimini aßen wir mal in einer Pizzeria, dort kriegte man »Pizza tedesca«, nämlich: »Pizza con wurstel e krauti« – kein Witz. Pizzareskes, siehe auch: ▶️

Die vermeintlich typisch italienischen Gnocchi sind indessen keine genuine Spe­zialität der italienischen Küche, vielmehr als Lehnwort von »Nockerl« aus dem bairischen Sprachraum über die Ostalpen dorthin eingewandert. (Für gewöhnlich kriegen Leute beim Italiener trotz­dem Gnocchi serviert, obwohl sie »Gnotschi« be­stellt haben.)

Haben Sie gewusst, dass italienische Teigwaren Weichtierspuren enthalten können, und dass Spaghetti auf Bäumen wachsen.