Netzfundstücke
Wenn jeder Autist ist, ist niemand mehr Autist.

Auch richtig:

Was zeich­net es eigentlich aus, Teil dieses gewalti­gen Spek­trums zu sein, in dem wir uns alle wiederfind­en? Wir alle sind neu­ro­divers; das ist leicht zu akzep­tieren, da kein Gehirn dem anderen gle­icht. Doch genau das entzieht ein­er medi­zinis­chen Diag­nose jegliche Grund­lage.

(Aus dem Englis­chen übelset­zt.)

MontagsmusikMir wird geschlecht
plantoid — Dozer // Rosa verbieten für die Frau

Den inneren Panda baumeln lassen

Es ist Mon­tag. Der gestrige „Welt­frauen­tag“, der wie üblich für nie­man­den eine Verbesserung der Sit­u­a­tion, für viele „sol­i­darische Alli­ierte“ (d.h. devote Arschkriech­er) jedoch über­durch­schnit­tlich hohe Däum­chen-hoch-Zahlen im Inter­net zur Folge hat­te, ließ den öffentlich-rechtlichen Rund­funk fest­stellen (Archivver­sion): Um doofe Frauen davor zu schützen, doofe Entschei­dun­gen wie etwa den Kauf teur­er Pro­duk­te „extra für Frauen“ zu tre­f­fen, muss der Ver­brauch­er­schutz drin­gend ein­schre­it­en. Denn jed­er weiß, dass es ein­er Frau völ­lig zu Recht streng ver­boten ist, Dinge zu kaufen, die nicht rosa sind, weshalb da zweifel­sohne nicht etwa ein Min­destanspruch an den men­schlichen Ver­stand gel­ten darf, der den Markt das regeln lässt (indem halt nie­mand den Käse kauft), son­dern der Geset­zge­ber in der Pflicht ste­ht. Endlich tut mal ein­er was.

(Gestern hat Baden-Würt­tem­berg gewählt. Gewon­nen hat — wie immer — die Autoin­dus­trie. Na, brav zur Abstim­mung gegan­gen? Ja? Jet­zt das Gefühl, irgend­was erre­icht zu haben? Nein? Tja.)

Apro­pos: Hen­ning Otte, erfahre ich in der „FAZ“ (heute ist übri­gens ein guter Tag für mehr RSS in eurem Leben), fordere einen Wehr­di­enst bis 70 Jahre. Das finde ich inkon­se­quent. Warum nicht ab 70?

Stets alters­gerecht: Musik.

plan­toid — Doz­er (Offi­cial Music Video)

Guten Mor­gen.

Sonstiges
Miniaturen (04.03.2026)

Völk­er­recht haben und Völk­er­recht bekom­men sind ja zwei ver­schiedene Dinge — alte Küchen­juris­ten­weisheit.


All­t­agswis­sen für Zyniker eben­so wie für Ironiekundi­ge: In der Lit­er­aturkri­tik gibt es den Begriff des „Idiot Plot“, ein­er Hand­lung also, die nur deshalb zus­tandekom­men kann, weil alle Beteiligten vor Hand­lungs­be­ginn anscheinend Lack gesof­fen haben.


Seit weni­gen Tagen existiert irgend­wo in ein­er nieder­säch­sis­chen Stadt eine Vari­ante des Jahrhun­derte alten britis­chen „Cock Ale“, deren Zusam­menset­zung ich mir sel­ber aus­gedacht habe. Die wesentlichen Zutat­en sind gekocht­es Huhn und kräftiger Sher­ry. Unab­hängig davon, dass es gar nicht so schlecht schmeckt, wie es klingt: Vielle­icht sollte man mich ein­fach von jed­welchem Kochtopf fern­hal­ten. Ich mache damit nur Unsinn.


Sex ist wie Bus­fahren: Es ist ein­fach­er, erst mal alle rauszu­lassen, die raus wollen, bevor man sel­ber reinkommt.


Gibt es eigentlich schon Sozial­stu­di­en zum The­ma Sozial­stu­di­en?

In den Nachrichten
Westliche Werte des Tages (6)

Ein Kom­man­dant ein­er Kampfein­heit habe Unterof­fizieren bei ein­er Besprechung am Mon­tag mit­geteilt, der Iran-Krieg sei Teil von Gottes Plan und Präsi­dent Don­ald Trump sei „von Jesus gesalbt wor­den, um das Sig­nalfeuer im Iran zu entzün­den, Har­mage­don her­beizuführen und seine Rück­kehr auf die Erde zu kennze­ich­nen“, so eine Beschw­erde eines Unterof­fiziers.
Jonathan Larsen (Archivver­sion), aus dem Englis­chen über­set­zt

MontagsmusikComputerNetzfundstücke
ORT — Bodden Dub // Der digitale Werbemarkt kann mich mal

Lebenstraum: Keine Nachrichten lesen müssen, sondern sitzen, schmunzeln und Bambus sortieren.

Es ist Mon­tag. Hur­ra! Wir haben jeman­den umge­bracht! Und, ist im Iran endlich der Friede aus­ge­brochen?

Was auch den fried­fer­tig­sten Men­schen (d.h. mich) in die Lust am Meucheln zu ver­set­zen imstande sein kön­nte, ist eine Mel­dung wie diese: Der „dig­i­tale Werbe­markt“ (also ver­mehrt auch das alberne Gezap­pel auf den lang­weili­gen Geräten, die ihr ständig in der Hosen­tasche mit euch herum­tragt, weil der mod­erne Men­sch in ständi­ger Angst lebt, nicht dauernd irgendwelche schlim­men Nachricht­en erhal­ten zu kön­nen) wachse laut Prog­nose im Jahr 2026 um 8,7 Prozent. Habt ihr immer noch und trotz allem keinen Wer­be­block­er? Braucht ihr Tipps? — Aus dem­sel­ben noch frucht­baren Schoß kroch die Mel­dung, der Börsen­wert (wohlge­merkt: nicht Fir­men­wert; Börsenkurse sind ein biss­chen mit Bit­coins zu ver­gle­ichen, indem ihre Höhe einzig von der Naiv­ität viel­er Inve­storen und nicht etwa von objek­tiv mess­baren Werten abhängt) von IBM — das Unternehmen scheint es immer noch zu geben — sei um elf Prozent einge­brochen, als irgen­deine lizen­zkri­tis­che „KI“-Klitsche (vul­go: Diebes­bande) großspurig verkün­den zu müssen meinte, dem­nächst werde COBOL-Code kom­plett von ihrem „KI“-Gedöns auf andere Sprachen portiert und nie­mand brauche mehr COBOL. Ich bin guter Dinge, dass COBOL auch diesen Krem­pel über­leben wird, wün­sche allen Beteiligten aber viel Glück, starke Ner­ven und/oder die baldige Insol­venz. Wir, die haupt­beru­flich Code und nicht „Prompts“ schreiben und also halb­wegs wis­sen, wovon wir reden, wenn wir das für eine erstaunlich blöde Idee hal­ten, sind dann da, um die Scher­ben zusam­men­zukehren. Gegen einen angemesse­nen Auf­preis, ver­ste­ht sich.

Für Fußball­stream­ing zu bezahlen laufe exakt so gut wie erwartet (Archivver­sion), erzählten bere­its vor ein paar Wochen die ein­schlägi­gen Medi­en. Ja, wirk­lich selt­sam, dass die als „Pira­terie“ beschimpfte uneingeschränk­te Zugänglich­machung voll­ständi­ger Sportver­anstal­tun­gen „trotz“ des all­ge­gen­wär­ti­gen Bezahlstream­ings immer noch nicht aus­gestor­ben ist. Ver­steh’ ich nicht. Unbe­grei­flich. Total.

Ver­steh’ ich: Musik.

ORT — Bod­den Dub

Guten Mor­gen.

Sonstiges
Demoparaden

Wenn man mit der Regierung demon­striere, las ich neulich, sei das keine „Demo“, son­dern eine Parade. Ich finde diesen Merk­satz behal­tenswert und schreibe ihn daher hier auf, damit ich ihn vielle­icht weniger schnell vergesse.

NetzfundstückeComputer
LinKIdIn

Hihi: Wenn man sich bei LinkedIn (eine Art Face­book für Men­schen mit Beruf­skrawat­te) nicht nur anmeldet, son­dern auch „ver­i­fiziert“, dann kön­nen hin­ter­her 17 US-Fir­men den eige­nen Ausweis in ihre „KI“-Modelle reinkip­pen. Das muss diese „geschäftliche Ver­net­zung“ sein, mit der LinkedIn immer wirbt.

In den Nachrichten
Gaffer sind auch bloß dornige Videoüberwachung.

Tübin­gen (Archivver­sion):

Nach Wider­stand aus dem Gemein­der­at und ein­er zähen Debat­te erteilt das Regierung­sprä­sid­i­um der Videoüberwachung am Tübinger Bahn­hof grünes Licht. (…) »Ziel ist es, Straftat­en zu ver­hin­dern (…) und ins­beson­dere in den Abend- und Nacht­stun­den für mehr Sicher­heit und ein besseres Sicher­heits­ge­fühl der Bürg­erin­nen und Bürg­er zu sor­gen«, sagte Palmer Anfang Feb­ru­ar.

Jedoch Leipzig (Archivver­sion):

Als Hozan Roj in ein­er Leipziger Straßen­bahn unter­wegs ist, eskaliert eine Begeg­nung mit zwei Män­nern. Sie zück­en Mess­er. (…) Roj kann sich bis zu dem Moment, als das Mess­er gehoben wird, die Bahn ste­hen bleibt und die Fahrgäste anfan­gen zu fil­men, detail­liert erin­nern.

Fast kön­nte man meinen, es halte einen Men­schen nicht davon ab, ein Ver­brechen zu bege­hen, wenn eine beliebige Anzahl an Kam­eras zuguckt.

In den NachrichtenMontagsmusikComputer
Ufomammut — Psychostasia // Obstwurftheater

Ein Schälchen Pandas gefällig? / via china_focus auf Twitter

Es ist Mon­tag. Die unge­fähr gle­ichen Quarkhirne, die anlässlich des Ukrainezwis­chen­falls über einen „drit­ten Weltkrieg“ zu schwadronieren wagten, haben jet­zt sicher­heit­shal­ber einen Transat­lantik­er in seinem Amt (Vor­sitzen­der ein­er Transat­lantik­er­partei) bestätigt, während man trans des Atlantiks offen darüber nach­denkt, die west­lichen Werte neb­st der Ein­wohn­er per Raketen­ex­press im Iran zu verteilen. Wenn kleinkalib­rige Schar­mützel jen­seits der ver­traglich rel­e­van­ten Gren­zen unser­er Ein­flusssphäre die Vor­boten eines „Weltkriegs“ sind, was ist dann eigentlich das mil­itärische Bedro­hen eines Nuk­learstaates?

Witzig: Ein Teil der­jeni­gen Men­schen, die dem Welt­mark­t­führer in Onlinereklame ein Betrieb­ssys­tem abgekauft haben, weil ihnen ebendieser Welt­mark­t­führer in seinen Wer­be­prospek­ten erzählt hat, dass sie nur mit ihm frei und unbeschw­ert durchs dig­i­tale Leben schwin­gen kön­nen, ist nun empört, entset­zt und ent­täuscht, dass Konz­erne, die ihr Geld mit dem Ver­scher­beln von Nutzer­dat­en ver­di­enen, das halt auch irgend­wann zu tun gedenken. Man muss übri­gens gar nicht immer und über­all für alles und jeden erre­ich­bar sein. Gern geschehen.

Man solle nicht seine eigene Offen­heit für gesellschaftlichen Diskurs durch bloßes „wir gegen die“, „Links gegen Rechts“ und so weit­er unnötig beschnei­den, erk­lärte aus­gerech­net der Train­er der Her­ren­mannschaft des lang­weili­gen FC Bay­ern München, und zwar find­en den Monolog fast alle, die ihn mit­bekom­men haben, gut (weil gegen Ras­sis­mus), aber die Trans­fer­leis­tung (also weniger „wir gegen die“, „Links gegen Rechts“ und so weit­er) bekom­men sie dann doch wieder nicht auf die Kette. Gratismut ist halt ein Team­sport. Da ist es nur fol­gerichtig, dass neuerd­ings Schaus­piel­er ange­grif­f­en wer­den, weil sie es wagen, auf der The­ater­bühne als Teil eines The­ater­stücks eine The­ater­rolle zu spie­len. Ich würde ja „die Welt ist reif, sie will gepflückt wer­den“ schreiben, aber irgend­je­mand hat den Schaus­piel­er mit Obst bewor­fen und die Dra­matur­gin heißt auch so, da wäre ein entsprechen­des Wort­spiel ver­mut­lich zu nahe­liegend. „Teile des Bochumer Pub­likums (…) sind offen­bar zu doof, (…) zwis­chen Fik­tion und Real­ität zu unter­schei­den“, The­ater gilt in der Tik­Tok-Welt eben nicht mehr viel.

Ganz im Gegen­satz zu: Musik.

Ufo­mam­mut — Psy­chosta­sia (Offi­cial Video)

Guten Mor­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Was verbieten wir Friedrich Merz?

Er so (Archivver­sion):

Wenn Kinder heute im Alter von 14 Jahren bis zu fünf Stun­den und mehr Bild­schir­mzeit haben am Tag, wenn die gesamte Sozial­i­sa­tion nur noch über dieses Medi­um stat­tfind­et, dann brauchen wir uns über Per­sön­lichkeits­de­fizite und Prob­leme im Sozialver­hal­ten (…) nicht zu wun­dern[.]

Was soll­ten wir daher Friedrich Merz ver­bi­eten? Ohne Fernse­hen und Essen ins Bett?

In den Nachrichten
Böse gucken ist BahnCard genug

Ach so (Archivver­sion):

Außer­dem soll Pal­la zufolge ab dem 1. März im Region­alverkehr die verpflich­t­ende Ausweiskon­trolle im Rah­men der Tick­etkon­trolle weg­fall­en. Kün­ftig werde es im Ermessen des Zug­per­son­als liegen, ob der Ausweis kon­trol­liert wird. Damit könne eine Sit­u­a­tion mit “hohem Eskala­tionspo­ten­tial” ver­mieden wer­den, so die Bah­nchefin.

Ist auch bil­liger als Fahrkarten dann.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: The Light Below — Georgia

The Light Below - Georgia

Lange nichts mehr über Musik geschrieben.

Zu den unge­fähr dreiein­halb Sprachen, die ich nicht ver­ste­he, gehört außer der franzö­sis­chen auch die geor­gis­che — anders als erst­ge­nan­nte klingt let­ztere aber schön, was ich weiß, seit ich vorhin erst­mals „Geor­gia“ von The Light Below (Amazon.de, TIDAL) gehört habe. Die Vokalis­ten auf „Geor­gia“ sind der geor­gis­che Frauen­chor Akhla, der hier wohl, glaubt man dem Inter­net, vor allem tra­di­tionelle Volks­gesänge vorträgt. The Light Below, ihr ahnt es sich­er bere­its, kom­men aus Deutsch­land.

Der Instru­men­tal­teil von „Geor­gia“, zu dem später sel­biger Chor hinzugemis­cht wurde, habe, erfährt man weit­er­hin, unter dem wach­samen Auge von Steve Albi­ni seine Form gefun­den, was nicht nur ein Qualitäts‑, son­dern auch ein Stilmerk­mal ist. Fol­gerichtig spie­len die fünf Instru­men­tal­is­ten hier einen recht met­allis­chen Postrock, der auch und ger­ade Cineas­t­en gefall­en kön­nte, ist doch Gitar­rist Patrick Chris­tensen ein längst etabliert­er Filmkom­pon­ist. Dieser Text klingt bis hier­hin nach Hag­gard in bess­er, aber Hag­gard waren nie auf diese Art ver­spielt.

THE LIGHT BELOW — Tsin­skharo — Part 1 — Steve Albi­ni & Wern­er Her­zog

Die folk­loris­tis­chen Anwand­lun­gen (so muss ich etwa in „Bicho“ etwas zu lange über osteu­ropäis­chen Greisen­tanz nach­denken) ziehen meinen Gesamtein­druck etwas runter, ich bin für Welt­musik wahrschein­lich in der falschen Ziel­gruppe (bin ich über­haupt in ein­er Ziel­gruppe?); diese sind allerd­ings erfreulich kurz und genü­gen mir dazu, die Einge­bung zu haben, dass das Album nicht nur mir gefall­en kön­nte. Hier­mit insofern weit­er­erzählt.

PolitikNetzfundstücke
Kurz zitiert zur Fußballweltmeisterschaft 2042

Manch­es ändert sich nie, und „Brot und Spiele“ gle­ich dreimal nicht:

Die Zirkus­parteien (…) waren die Rennställe und ihre Anhänger im Römis­chen Reich (…), die zunehmend auch poli­tis­che Bedeu­tung hat­ten. (…) Die Kaiser oder, jen­seits der Haupt­stadt, ihre Stel­lvertreter mussten sich im Cir­cus regelmäßig dem Volk (…) zeigen, dem die Zirkus­parteien eine Stimme gaben: Die von ihnen orchestri­erten Akkla­ma­tio­nen waren das wichtig­ste Medi­um der Kom­mu­nika­tion zwis­chen dem spätrömis­chen Kaiser und seinen Unter­ta­nen.

(Wikipedia; Kon­text.)

In den NachrichtenNerdkrams
Die Anbieter sollen verpflichtet werden, den thermodynamischen Hauptsätzen „technisch wirksam“ zu widersprechen.

Oder auch (Archivver­sion):

Die SPD hat in einem Posi­tion­spa­pi­er eine nach Alter abgestufte Regelung vorgeschla­gen. Dem­nach soll für Kinder bis 14 Jahre ein voll­ständi­ges Ver­bot von Social-Media-Plat­tfor­men gel­ten. Die Anbi­eter sollen verpflichtet wer­den, den Zugang “tech­nisch wirk­sam” zu unterbinden.

Das wird bes­timmt ein großer Erfolg. :ja: