Nick Bostrom ist ein sehr rühriger Philosoph; und offenbar zählt er selbst das "Simulationsargument" (seine Webseite) nicht zu seinen geringsten Leistungen. Das fiel mir jetzt wieder auf anlässlich eines Sammelbandes More Matrix and philosophy, den William Irwin herausgegeben hat und in dem Bostrom noch einmal das Argument vorstellt. The Matrix und die Folgefolgen haben ja in der Philosophiebuchszene bereits einige Spuren hinterlassen, von denen mir The Matrix in theory mit seinem kulturtheoretischen Ansatz eines der interessanteren zu sein scheint. -- In More Matrix ... ist übrigens ein treffender Aufsatz von Slavoj Zizek über Revolutions und warum der Film misslungen ist, das nur am Rande.
Bostroms Argument ist als Ergänzung oder Gegenüber zum skeptischen Gehirn im Tank gedacht. Das Gedankenexperiment besagt: weil wir genausogut in einer Computersimulation wie in der wirklichen Welt leben könnten, das ist ununterscheidbar für uns, können wir nicht wirklich wissen, wie wir leben. Das Simulationsargument geht einen Schritt weiter: Es ist höchst wahrscheinlich, dass eine technische Zivilisation Computer hervorbringt, die mächtig genug sind, solche Simulationen zu fahren, wie sie für ein Dasein des Gehirns im Tank nötig wären. Und es ist einigermaßen wahrscheinlich, dass das schon passiert ist. Also ist es einigermaßen wahrscheinlich, dass wir bereits solche Simulationen sind, ausgehend von der Überlegung, dass wenn eine technische Zivilisationen derartige Simulationen erschafft, dann dort mehr Personen in einer Simulation als außerhalb ihrer leben werden. (Das erinnert auch an The thirteenth floor bzw. das Buch Simulacron 3.)
Um das Argument zu verstehen -- im Original in Philosophical Quarterly 53 (2003), 243-255 und auf der oben angeführten Webseite zum Download -- brauche man keinen technischen Apparat, die Details benötigten allerdings etwas Mathe und Wahrscheinlichkeitstheorie, schreibt Bostrom. Folgende Vorüberlegungen: Wir können zur Zeit keinen Computer und kein Programm basteln, dass eine derartige Simulation laufen lassen könnte. Aber dem stehen keine prinzipiellen Hindernisse entgegen (wenn man zugibt, dass Bewusstsein wie unseres nicht an ein Gehirn wie unseres gebunden sein müsste, was ohnehin ein lächerliches Argument wäre, wenn wir Simulationen wären). Dann gibt es drei Möglichkeiten:
1. Eine Zivilisation stirbt aus, bevor sie die technische Reife zu derartigen Computersimulationen erreicht.
2. Oder sie erreicht diese Reife, hat aber kein Interesse an Simulationen.
3. Oder sie hat Interesse und simuliert. Dann könnten (würden, meint Bostrom) Simulationen beliebig viele "Bewusstseine" enthalten, so dass gilt, dass ein Bewusstsein von sich selbst mit hoher Wahrscheinlichkeit annehmen kann, dass es künstlich ist: weil es viel mehr künstliche als natürliche Bewusstseine in dieser Welt geben würde.
Bostrom formuliert etwas vorsichtiger, und er sagt deutlich, dass man die Wahrscheinlichkeit dieser drei Möglichkeiten selbst nicht beurteilen könne, so dass das Argument im Ganzen nicht besagt: Mit hoher Wahrscheinlichkeit sind wir simuliert. Das Argument besagt nur, dass, wer die ersten beiden Möglichkeiten verwirft, die dritte akzeptieren muss. Aber auch da bin ich mir nicht sicher: Denkbar ist, dass eine technisch reife Zivilisation sich nicht für Simulationen, sondern für eine andere Möglichkeit entscheidet, künstliches Bewusstsein zu schaffen, man denke an Commander Data als Beispiel. Und nach unseren jetzigen moralischen Maßstäben wäre es unmoralisch, solch künstliches Bewusstsein in Simulationen zu schaffen; ich tendiere darum zu Möglichkeit 2...
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