Artikel Montag, 23.03.2026 | Image  Drucken

Zum Tod von Jürgen Habermas: Er setzte sich für die westliche Rationalität ein, ignorierte aber das palästinensische Leid und enthüllte Grenzen seiner universalistischen Prinzipien - ​​Professor Emad Abdel-Latif

Der Beitrag von Emad Abdel-Latif im "New Arab" kritisiert den kurz zuvor verstorbenen deutschen Philosophen Jürgen Habermas (1929–2026) für dessen Haltung zum Nahostkonflikt. Obwohl Habermas als Vordenker der Frankfurter Schule, der Theorie kommunikativen Handelns und als Verfechter von Demokratie und Rationalität galt, habe er seine eigenen Prinzipien im Fall Palästinas verraten.

Während er 2021 einen Literaturpreis aus den VAE ablehnte, um dortige Menschenrechtsverstöße zu kritisieren, habe er Israels Vorgehen im Gazastreifen – das der Autor als Völkermord mit über 72.000 Toten bezeichnet – unterstützt und dessen Ausmaß nicht anerkannt. Diese Diskrepanz sei kein persönlicher Widerspruch, sondern stehe in der Tradition eines „exklusiven humanistischen Denkens“ der westlichen Moderne.

Abdel-Latif argumentiert, dass westliche Werte wie Freiheit und Gleichheit historisch stets nur für die eigene „In-Gruppe“ galten, während sie gegenüber kolonisierten oder nicht-westlichen „Anderen“ systematisch ausgehebelt wurden – von Frankreich in Amerika und Afrika bis hin zu den USA heute. Auch Habermas bleibe diesem Muster treu: Seine Verteidigung von Rationalität und Demokratie beziehe sich faktisch nur auf den Westen, während Palästina außerhalb dieses Kreises stehe.

Als Ursache für Habermas’ spezifische Position nennt der Autor den deutschen Schulddiskurs nach dem Holocaust, der zu bedingungsloser Solidarität mit Israel geführt habe, sowie den Einfluss pro-israelischer Lobbys in Deutschland. Letztlich habe Habermas seine Prinzipien nicht verraten, sondern sei seiner eigenen westlichen Tradition exklusiver Humanität gefolgt.




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