Artikel Montag, 12.10.2026 | Image  Drucken

Forsa-Analyse: Nicht die „Brandmauer“, sondern ihr Aufweichen hat die AfD erst stark gemacht

Berlin (islam.de) – Die AfD bleibt nach dem aktuellen RTL/ntv-Trendbarometer des Meinungsforschungsinstituts forsa stärkste politische Kraft in Deutschland. Mit 26 Prozent liegt sie sieben Punkte vor der Union (19 Prozent). Es folgen die Grünen mit 17, die SPD mit 14 und die Linke mit 11 Prozent. Zugleich widerspricht forsa-Gründer Manfred Güllner einer derzeit lautstark vertretenen These. Unionsfunktionäre vom rechten Parteirand, Wissenschaftler wie Andreas Rödder und Werner Patzelt sowie BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht behaupten, erst die Abgrenzung habe die AfD stark gemacht. Wagenknecht kündigte an, das BSW beende die „Brandmaueridiotie“. Die Zahlen zeigen laut forsa ein anderes Bild. Während des Streits um das Heizungsgesetz der Ampel stieg die AfD bis zum Jahreswechsel 2023/24 auf 22 Prozent. Dann wurde im Januar 2024 das Potsdamer „Remigrations“-Treffen bekannt, und bundesweit kam es zu Massenprotesten. Danach sank die AfD bis Mitte 2024 auf 15 Prozent. Bei der Europawahl erhielt sie 15,9 Prozent. Im November 2024 lag die Union mit 33 Prozent noch doppelt so hoch wie die AfD.

Im November 2024 nannten 54 Prozent der Befragten die Wirtschaftslage als größtes Problem, nur 25 Prozent die Zuwanderung. Selbst unter AfD-Anhängern rangierte die Wirtschaft (73 Prozent) vor der Migration (55 Prozent)

Kurz vor der Bundestagswahl stimmte Friedrich Merz gemeinsam mit der AfD im Bundestag ab. Erst danach kletterte die AfD auf 20 Prozent, die Union fiel auf 28. Nach Güllner verdankt die AfD ihr Wahlergebnis von 20,8 Prozent also nicht der Brandmauer, sondern deren Aufhebung. Den weiteren Anstieg erklärt forsa vor allem mit dem Unmut über die Bundesregierung. Nur 11 Prozent sind mit Kanzler Merz zufrieden, 87 Prozent sind unzufrieden. Lediglich 9 Prozent trauen der Union und 7 Prozent der SPD zu, die Probleme im Land zu lösen. Auch die Annahme, die Union verliere ihre Wähler vor allem nach rechts, widerlegen die Daten. Von 100 Unionswählern, die sich seit 2025 abgewandt haben, würden 18 die AfD wählen, aber 32 eine Partei des linken Lagers. 37 würden gar nicht wählen. Ein Ende der Brandmauer brächte der Union daher keine Wähler zurück. Nach Güllners Warnung würde es den Höhenflug der AfD sogar weiter befördern. Forsa hält Merz zudem vor, im Wahlkampf mit der Migration auf das falsche Thema gesetzt zu haben. Im November 2024 nannten 54 Prozent der Befragten die Wirtschaftslage als größtes Problem, nur 25 Prozent die Zuwanderung. Selbst unter AfD-Anhängern rangierte die Wirtschaft (73 Prozent) vor der Migration (55 Prozent). Unter den aktuellen Sorgen der Bundesbürger nennt forsa neben Wirtschaft, Benzinpreisen und Sozialsystemen ausdrücklich auch den zunehmenden Rechtsradikalismus. Viele Musliminnen und Muslime in Deutschland sind von der „Remigrations“-Rhetorik unmittelbar betroffen. Für sie ist der Befund eindeutig: Klare Abgrenzung schwächt die extreme Rechte, Anbiederung stärkt sie.



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