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Brückenbauer in Kairo: Wie Wissenschaft und Religion der globalen Spaltung trotze
Praxisnahe Werkzeuge präsentiert, darunter das neue „Contextual Dictionary of Christian–Muslim Relations“
KAIRO.Es war weit mehr als ein akademisches Pflichtprogramm, das sich im Sommer 2026 im Steigenberger Hotel El Tahrir in Kairo abspielte. Vom 6. bis 7. Juli versammelten sich dort über 100 führende Wissenschaftler und Theologen aus mehr als 20 Ländern zum lang erwarteten Eröffnungssymposium desNetwork of Centers for Christian-Muslim Relations(NCCMR). Unter dem prägnanten Titel„The Future of Christian-Muslim Relations: Prospects and Challenges“setzten die Teilnehmer ein unüberhörbares Zeichen in einer geopolitisch aufgeheizten Zeit. Ihr Tenor: Der interreligiöse Dialog ist kein theoretisches Nischenthema für den Elfenbeinturm, sondern eine globale Kernaufgabe für den gesellschaftlichen Frieden.
Die Wahl der ägyptischen Metropole als Veranstaltungsort war dabei kein Zufall, sondern Programm. Ägypten blickt auf eine jahrhundertelange, oft wechselvolle, aber tief verwurzelte Geschichte des christlich-muslimischen Zusammenlebens zurück. Kairo bot den idealen Nährboden für Debatten, die bewusst frei von westlichen Schablonen geführt werden sollten. Es ging den Organisatoren um den ambitionierten Versuch, der weltweiten Polarisierung, den aktuellen bewaffneten Konflikten und den oft destruktiven Verzerrungen in den sozialen Medien eine neue Kultur des echten Zuhörens und des fundierten Wissens entgegenzusetzen. Geleitet und initiiert wurde dieses Großprojekt von Dr. Wageeh Mikhail, dem Direktor des Netzwerks.
Dass die Konferenz ein derart hohes politisches und theologisches Gewicht besaß, lag nicht zuletzt an den profilierten Rednern aus führenden regionalen Institutionen. So fand etwa der renommierte Journalist und ehemalige ägyptische Kulturminister Dr. Helmy El-Namnam in seiner Ansprache deutliche Worte für die Gegenwart. Er mahnte eindringlich, dass man sich heute einer neuen Welle der Gewalt entgegenstellen müsse, die über den klassischen Extremismus hinausgeht, und betonte, dass der Koran eine aktive Zeugenschaft für Frieden und Gerechtigkeit fordere. Eine ähnliche Stoßrichtung vertrat die Botschaft aus dem Büro des Großmuftis von Ägypten, die von Dr. Nazir Ayyad überbracht wurde. Er stellte klar, dass friedliche Koexistenz niemals bedeute, die eigenen religiösen Überzeugungen aufzugeben oder theologische Unterschiede künstlich zu verwischen. Vielmehr gehe es darum, Differenzen zu respektieren und gleichzeitig unermüdlich gemeinsam an humanitären Zielen zu arbeiten. Auch Erzbischof Dr. Samy Fawzy Shehata, der anglikanische Erzbischof von Alexandrien und Bischof von Ägypten, hob in seinen Eröffnungsworten die dringende Notwendigkeit hervor, die akademische Forschung direkt mit der praktischen Friedensarbeit an der gesellschaftlichen Basis zu verknüpfen.
Inhaltlich gliederte sich das Symposium in vier thematische Säulen, die als strategische Leitplanken für die zukünftige Arbeit fungieren sollen. Zunächst wurden historische und theologische Fundamente seziert, um tief sitzende Missverständnisse auszuräumen. Darauf bauten die Säulen der praktischen Friedensförderung und der interreligiösen Solidarität auf, bei denen konkrete Modelle zur Konflikttransformation gesucht wurden. Die vierte Säule richtete den Blick auf regionale Besonderheiten im Nahen Osten, in Afrika und Asien, um maßgeschneiderte Lösungen statt universeller Floskeln zu finden.
Dass das Netzwerk kein reiner Debattierclub bleiben soll, machten die Verantwortlichen um den Programmkoordinator Dr. Ghassan El Masri schnell anhand handfester Projekte deutlich. In Kairo wurden praxisnahe Werkzeuge präsentiert, darunter das neue„Contextual Dictionary of Christian–Muslim Relations“, das künftig sprachliche und kulturelle Barrieren abbauen soll. Zudem wird ein neues Online-Diplomstudium in Kooperation mit der Domuni Universitas den akademischen Nachwuchs weltweit vernetzen. Flankiert wird dies von einem globalen Mikroförderprogramm, das lokale Friedensinitiativen direkt an der Basis finanziell unterstützt. Das Symposium endete so mit einer klaren Botschaft der Hoffnung: Die Zukunft der Religionen entscheidet sich nicht an den Rändern des Extremismus, sondern in der mutigen Mitte. Kairo hat gezeigt, dass aus wissenschaftlicher Kooperation echte, gelebte Solidarität erwachsen kann.
Über das NCCMR:DasNetwork of Centers for Christian-Muslim Relationsist eine internationale akademische Initiative, die Forschungszentren weltweit verbindet, um das Verständnis und die Zusammenarbeit zwischen Christen und Muslimen durch Bildung, Publikationen und praxisnahe Projekte aktiv zu fördern.