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Donnerstag, 01.10.2026 | Drucken |
Bedeutsames Treffen: Zentralrat der Êzîden und Syrische Botschaft in Berlin im Dialog
Deutschland und damit auch der syrischen Botschaft in Berlin kommt dabei eine besondere Rolle zu: Mit schätzungsweise rund 230.000 Êzîden lebt hier die größte jesidische Diaspora-Gemeinschaft weltweit
Berlin – Ein bedeutsames, ja historisches Zeichen der Annäherung: Am vergangenen Donnerstag, den 24.09.2026, kam es in der Syrischen Botschaft in Berlin zu einem wichtigen Treffen zwischen Vertretern des Zentralrats der Êzîden in Deutschland und der Botschaft der Arabischen Republik Syrien. Von jesidischer Seite nahmen der Bundesvorsitzende des Zentralrats der Êzîden, Dr. Irfan Ortaç, sein Stellvertreter Berket Taş sowie das geistliche Oberhaupt Esmat Barimo teil – beide, Taş und Barimo sind syrischer Herkunft. Auf syrischer Seite empfingen der aktuelle Leiter und Geschäftsträger (Chargé d’Affaires a.i.) Mohammad Baraa Shukri, sowie die Direktorin des Referats für Flüchtlinge und Migration im syrischen Außenministerium, Nahla Osman, und der Stellvertretende Botschafter die Delegation. Vorbereitet und begleitet wurde das Treffen von Aiman Mazyek, Deutsch-Syrer und ehemaliger Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland. Im Mittelpunkt des Austauschs standen drei zentrale Anliegen: Erstens eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen der êzîdischen Gemeinschaft und der syrischen Seite. Zweitens die Unterstützung jesidischer Unternehmerinnen und Unternehmer beim Wiederaufbau Syriens. Und drittens – als womöglich bedeutsamster Punkt – die rechtliche Anerkennung der Êzîden als Minderheit in Syrien.
"..eine ausergewöhnliche Geste von beiden Seiten"
Deutschland kommt dabei eine besondere Rolle zu: Mit schätzungsweise rund 230.000 Êzîden lebt hier die größte jesidische Diaspora-Gemeinschaft weltweit. Viele von ihnen sind als Geflüchtete aus Syrien und dem Irak nach Deutschland gekommen, ein großer Teil besitzt weiterhin einen syrischen Pass. Gerade deshalb ist der direkte Austausch zwischen dem Zentralrat der Êzîden und der syrischen Botschaft in Berlin von besonderer Bedeutung – er verbindet die Anliegen der hier lebenden Gemeinschaft unmittelbar mit der politischen Entwicklung in Syrien. Dass dieses Gespräch zustande kam, ist bemerkenswert und zugleich eine ausergewöhnliche Geste von beiden Seiten: Sowohl die jesidische als auch die syrische Delegation zeigten sich bereit, aufeinander zuzugehen und einen direkten, persönlichen Dialog zu suchen – ein Schritt, der angesichts der leidvollen Geschichte der Êzîden nicht selbstverständlich ist.
Für die êzîdische Gemeinschaft wäre eine klare rechtliche Absicherung in Syrien – etwa durch ein staatliches Dekret – ein starkes Signal. Es wäre mehr als eine symbolische Geste: Es würde zeigen, dass der syrische Staat Verantwortung für alle seine Bürgerinnen und Bürger übernimmt, unabhängig von Religion oder ethnischer Zugehörigkeit, so wie man das zuvor mit syrischen Bevölkerung kurdischer Abstammung gemacht hat. Das Treffen in Berlin ist ein erster, aber wichtiger Schritt auf diesem Weg. Beide Seiten vereinbarten, den begonnenen Dialog fortzusetzen. Vertrauen entsteht nicht allein durch Worte, sondern durch nachvollziehbare und dauerhafte Zusicherungen – diesem Anspruch wird sich der weitere Austausch stellen müssen. (Aiman Mazyek)
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