Religionsmonitor 2026: Zusammenhalt erholt sich – Religion stärkt das Miteinander
Interessanter Befund: Muslime sind sozial gut eingebunden und am Gemeinwohl orientiert, haben aber wegen des gesellschaftlichen schlechten Klimas wenig Vertrauen in staatliche Institutionen
Gütersloh/Berlin (islam.de) – Der gesellschaftliche Zusammenhalt in Deutschland hat sich nach seinem Einbruch 2023 teilweise erholt. Das zeigt der Religionsmonitor 2026 der Bertelsmann Stiftung. Für die Studie wurden im März 2026 bevölkerungsrepräsentativ 5.231 Menschen befragt, darunter 456 Muslime. Auf einer Skala von 0 bis 100 sank der Gesamtindex von 55 Punkten (2020) auf 46 (2023) und liegt nun wieder bei 51. Soziale Beziehungen und Gemeinwohlorientierung haben sich deutlich verbessert, mehr Menschen engagieren sich ehrenamtlich. Die Verbundenheit mit dem Gemeinwesen stagniert dagegen bei 44 Punkten. Das Vertrauen in die Bundesregierung liegt bei nur 37 Punkten, das Gerechtigkeitsempfinden mit 25 Punkten auf dem tiefsten Stand seit 2017. Religiosität erweist sich nach politischer Orientierung und Alter als drittstärkster Faktor für Zusammenhalt, noch vor Bildung und Einkommen. Bei katholischen und evangelischen Befragten steigen die Werte mit zunehmender Religiosität. Auch unter Muslimen geht stärkere Religiosität mit besseren sozialen Beziehungen und höherer Gemeinwohlorientierung einher. Die Verbundenheit mit dem Gemeinwesen sinkt jedoch: von 46 Punkten bei wenig religiösen über 42 bei mittelreligiösen auf 28 Punkte bei hochreligiösen Muslimen. Die Autoren, Dr. Yasemin El-Menouar und Prof. Dr. Klaus Boehnke, warnen ausdrücklich davor, die niedrigeren Werte mit geringerer Solidarität gleichzusetzen. Als mögliche Erklärung nennen sie, dass eine sichtbar gelebte muslimische Identität in Deutschland „noch immer auf begrenzte institutionelle Anerkennung, mangelnde Repräsentation und häufig negativ geführte öffentliche Debatten“ stößt. Auch antimuslimische Zuschreibungen, Diskriminierung und institutionelle Ungleichbehandlung können das Vertrauen beeinträchtigen. Daneben könne eine starke Orientierung an der eigenen Gemeinschaft Brücken zur Mehrheitsgesellschaft erschweren. Gegen eine einfache Abschottungsthese spreche aber die hohe Gemeinwohlorientierung religiöser Muslime. Plausibel sei ein Zusammenspiel beider Faktoren.
Gerechtigkeitsempfinden mit 25 Punkten auf dem tiefsten Stand seit 2017
Die Studie fordert, religiöse Vielfalt „strukturell und symbolisch“ anzuerkennen. Muslimische, jüdische und andere Religionsgemeinschaften seien in politischen und zivilgesellschaftlichen Strukturen noch nicht ihrer Bedeutung entsprechend vertreten und sollten dauerhaft in kommunale Beratungsprozesse einbezogen werden. Als Beispiel symbolischer Anerkennung nennt sie die Ramadan-Beleuchtung in Frankfurt am Main. Weitere Auswertungen sollen in diesem und im kommenden Jahr erscheinen
Neue Studie der Bertelsmann Stiftung: Vertrauenskrise gegenüber der Politik und ein ausgeprägtes Ungerechtigkeitsempfinden bleiben die zentralen Herausforderungen