Krieg in Nahost

Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben die Stadt Bint Dschubail im Süden des Libanon vollständig eingekesselt. „Die Streitkräfte der 98. Division haben die Einkesselung der Stadt Bint Dschubeil abgeschlossen und mit einem Angriff auf sie begonnen“, postete Armeesprecher Avichay Adraee gestern auf X. Die Stadt gilt als Hochburg der mit dem Iran verbündeten Schiitenmiliz Hisbollah.

Zerstörte Häuser in der Stadt Bint Dschubeil
Reuters/Florion Goga

Die Hisbollah hatte Israel nach Beginn des Iran-Kriegs erneut unter Beschuss genommen. Daraufhin flog Israel schwere Luftangriffe auf Teile des Libanon und schickte Bodentruppen über die Grenze. Die gegenseitigen Angriffe halten trotz der im Iran-Krieg vereinbarten Waffenruhe bisher unvermindert an.

Bei den Kämpfen wurden nach Angaben der israelischen Armee seit Mittwoch fünf Kommandeure und 250 Kämpfer der Hisbollah getötet. Das libanesische Gesundheitsministerium hatte von insgesamt mehr als 350 Toten gesprochen. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig prüfen.

Verhandlungen in Washington

Das Vorgehen Israels im Libanon sorgte zuletzt für Kritik seitens des italienischen Außenministers Antonio Tajani. Israel bestellte daraufhin den italienischen Botschafter ein. Das erfuhr die Nachrichtenagentur AFP aus diplomatischen Kreisen in Rom.

Heute wollen Delegationen aus Israel und dem Libanon in Washington über ein Ende der Kampfhandlungen verhandeln. Die Hisbollah lehnt die Verhandlungen allerdings ab.

Der Internationale Währungsfonds (IWF), die Weltbank und die Internationale Energieagentur (IEA) rufen die Staatengemeinschaft dazu auf, das Horten von Energie und Exportkontrollen zu vermeiden. Das könne den bisher größten Schock für den globalen Energiemarkt weiter verschärfen, warnten die Organisationen gestern.

IEA-Chef Fatih Birol zufolge halten derzeit mehrere namentlich nicht genannte Länder ihre Bestände zurück und verhängen Exportbeschränkungen. Er appellierte an alle Staaten, Energie dem Markt zur Verfügung zu stellen.

IWF-Chefin Kristalina Georgiewa mahnte, oberstes Gebot sei es, keinen Schaden anzurichten. Sie verweist auf besonders stark betroffene Länder in Asien, Afrika südlich der Sahara und im Südpazifik, die um ihre Versorgung bangen.

Ausland

Die Partei von Kanadas Premierminister Mark Carney hat sich gestern mit zwei Siegen bei Nachwahlen eine Mehrheit im kanadischen Parlament gesichert. Carneys Liberale gewannen am Montag zwei der drei nachzubesetzenden Sitze. Die Partei hatte bei der Wahl vor einem Jahr die meisten Sitze gewonnen, jedoch knapp die absolute Mehrheit verfehlt.

Die Liberalen gewannen ihre zwei Sitze in der Metropole Toronto, wo die Partei bei den jüngsten Wahlen dominiert hatte. Das Ergebnis im dritten Wahlkreis Terrebonne in Quebec blieb zunächst unklar – hier lagen der liberale Kandidat und ein Vertreter des Bloc Quebecois Kopf an Kopf.

Die Siege in Toronto verschaffen den Liberalen die vollständige Kontrolle über das Parlament. Sie verfügen nun über genügend Sitze, um sicherzustellen, dass sie den Sprecher des Unterhauses – selbst ein Liberaler – nicht benötigen, um bei Stimmengleichheit zu entscheiden. Carney gratulierte den neuen liberalen Abgeordneten auf X und erklärte, beide würden Kanada „stärker“ machen.

Trotz des Iran-Krieges bleibt Kuba im Fadenkreuz des US-Präsidenten Donald Trump. „Vielleicht werden wir in Kuba vorbeischauen, wenn wir hiermit fertig sind“, sagte Trump gestern mit Blick auf den Krieg im Iran. Viele US-Amerikaner kubanischer Herkunft wurden Trump zufolge schlecht behandelt, viele ihrer Angehörigen zudem getötet oder ausgeraubt. „Kuba ist ein gescheiterter Staat“, sagte er.

In der Nacht auf gestern hatte Kubas Präsident Miguel Diaz-Canel die USA davor gewarnt, den Konflikt zwischen den beiden Ländern militärisch zu eskalieren. „Wenn das passiert, wird es Kämpfe geben“, sagte Diaz-Canel. „Wir wollen keinen Krieg“, sagte er weiter und zeigte sich offen für Gespräche mit Washington.

Die Aussagen der beiden Präsidenten fallen in eine Phase wachsender Spannungen zwischen Kuba und den Vereinigten Staaten. Trump hatte zuletzt mehrfach mit schärferem Vorgehen gegenüber Kuba gedroht und offen von einer möglichen „Übernahme“ gesprochen.

Der wegen seiner Verwicklung in den Putschversuch in Brasilien verurteilte Ex-Geheimdienstchef Alexandre Ramagem ist in den USA festgenommen worden. Die US-Einwanderungsbehörde ICE habe einen flüchtigen Brasilianer in Gewahrsam genommen, der „wegen Bildung einer bewaffneten kriminellen Vereinigung, eines versuchten Staatsstreichs und versuchter gewaltsamer Aufhebung der Rechtsstaatlichkeit verurteilt wurde“, teilte die brasilianische Bundespolizei gestern mit.

Aus Polizeikreisen wurde bestätigt, dass es sich um Ramagem handelt. Auf einer Liste der Festgenommenen auf der ICE-Website wird sein Name ebenfalls aufgeführt. Der 53-Jährige diente unter dem rechtsradikalen Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro als Geheimdienstchef, später saß er als Abgeordneter im Parlament. Im September 2025 wurde Ramagem wegen seiner Beteiligung an dem Putschversuch in Brasilien zu 16 Jahren Haft verurteilt. Ihm gelang aber die Flucht in die USA.

Bolsonaro, der das größte lateinamerikanische Land von 2019 bis 2022 regiert hatte, verbüßt derzeit eine 27-jährige Haftstrafe. Er war im September schuldig gesprochen worden, seine Anhänger zur Erstürmung des Obersten Gerichts, des Präsidentenpalastes und des Kongresses in Brasilia am 8. Jänner 2023 angestiftet zu haben. Demnach versuchte er, einen Putsch zu organisieren, um seine Wahlniederlage gegen seinen linksgerichteten Nachfolger Luiz Inacio Lula da Silva zu kippen. Mehrere Mitangeklagte, darunter Militärangehörige, wurden ebenfalls zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.

Die Wahlbeobachter und -beobachterinnen des Europarates und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) haben die Parlamentswahlen in Ungarn am Sonntag als frei, aber nicht fair bezeichnet.

Während Organisation und Ablauf der Wahlen professionell gewesen seien und die Kandidaten frei wahlkämpfen konnten, habe die Regierungspartei FIDESZ von Viktor Orban einen klaren Vorteil gehabt.

Die Institutionen waren mit insgesamt 389 Wahlbeobachtern in ganz Ungarn an Ort und Stelle, hieß es weiter. Koordinator Sargis Chandanian aus Armenien und der Spanier Pablo Hispan von der Parlamentarischen Versammlung des Europarates (PACE) hoben als besonderes Problem hervor, dass die Grenzen zwischen Regierungsausgaben und Parteiausgaben im Wahlkampf „fließend“ gewesen seien.

Es habe auch keine rechtliche Einschränkung der Wahlkampfausgaben und kein Verbot des Missbrauchs öffentlicher Ämter für Kampagnenzwecke gegeben, hoben sie hervor. Sie beklagten zudem die einseitige Berichterstattung in öffentlich-rechtlichen und regierungsnahen privaten Medien.

Gegen die Ehefrau des spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sanchez, Begona Gomez, ist nach zweijährigen Korruptionsermittlungen Anklage erhoben worden. Der 55-Jährigen werden Unterschlagung, Einflussnahme, Korruption und Veruntreuung zur Last gelegt, wie aus einem gestern veröffentlichten Gerichtsdokument hervorgeht.

Richter Juan Carlos Peinado hatte die Ermittlungen im April 2024 eingeleitet, um zu klären, ob Gomez ihre Position als Ehefrau des Ministerpräsidenten unrechtmäßig zu ihrem privaten Vorteil ausgenutzt habe. Im Zentrum der Untersuchung steht die Einrichtung eines Lehrstuhls an der Universität Complutense in Madrid, dessen Koleitung Gomez innehatte.

Ihr wird vorgeworfen, öffentliche Mittel und persönliche Kontakte zur Förderung privater Interessen genutzt zu haben. „Der Lehrstuhl diente der beschuldigten Person als Mittel zur privaten beruflichen Weiterentwicklung“, so Peinado.

Gomez weist Vorwürfe zurück

Gomez und Sanchez weisen die Anschuldigungen zurück. Die Ehefrau des spanischen Regierungschefs war von der Antikorruptionsorganisation Manos Limpias (Saubere Hände) angezeigt worden, die rechtsextremen Kreisen nahestehen soll.

Sanchez bezeichnete die Ermittlungen als Teil einer Kampagne der rechtsgerichteten Opposition, die seine Regierung destabilisieren wolle. Der sozialistische Ministerpräsident steht auch wegen weiterer Korruptionsfälle in seinem engsten Umfeld unter Druck, die Opposition forderte deswegen seinen Rücktritt.

Ukraine-Krieg

Die ukrainische Armee hat nach eigenen Angaben ein grenznahes Dorf im Gebiet Sumy unter dem Druck russischer Angriffe geräumt. Dabei handle es sich um den Weiler Myropilske, teilte das 14. Armeekorps gestern auf Facebook mit. Um eigene Verluste zu vermeiden, hätten sich die Verteidiger auf vorbereitete Stellungen zurückgezogen.

Die russische Armee hat an mehreren Stellen die Grenze zum nordukrainischen Gebiet Sumy überschritten. Den größten Streifen halten die Russen bei Junakiwka besetzt, von wo aus ukrainische Truppen 2024 in das westrussische Gebiet Kursk vorgedrungen waren. Die Kämpfe um Myropilske bedeuten einen weiteren russischen Einbruch, auch wenn die eroberte Fläche bisher klein ist.

Russland führt seit mehr als vier Jahren einen großangelegten Angriffskrieg gegen das Nachbarland Ukraine. Auf dem Boden sind die russischen Truppen seit Herbst 2023 ununterbrochen vorgerückt, auch wenn die Geländegewinne klein blieben und mit hohen Verlusten erkauft wurden. Die Ukraine wehrt sich vor allem mit dem immer intensiveren Einsatz kleiner Gefechtsfelddrohnen.

Wirtschaft

Der deutschen Fluglinie Lufthansa drohen weitere Streiks. Nach den Pilotinnen und Piloten gestern und heute will morgen und am Donnerstag auch das Kabinenpersonal in den Ausstand treten. Das teilte die deutsche Gewerkschaft UFO gestern mit.

Der Streik morgen überschattet einen geplanten Festakt zum 100. Jahrestag der Firmengründung.

Bestreikt werden sollen alle Abflüge der Kernmarke Lufthansa von Frankfurt und München. Das Kabinenpersonal hatte im Streit über bessere Arbeitsbedingungen erst am Freitag für einen Tag die Arbeit niedergelegt.

Gewerkschaft: Management nimmt „Hardlinerposition“ ein

Im Zuge des Pilotenstreiks warnte Lufthansa-Personalvorstand Michael Niggemann die Spartengewerkschaften Vereinigung Cockpit (VC) und UFO, ihren Konfrontationskurs fortzusetzen. VC-Präsident Andreas Pinheiro machte die Lufthansa für die erneute Streikwelle verantwortlich.

„Wenn sich das Management gemeinsam mit der Bundespolitik für 100 Jahre Lufthansa feiert, dann werden wir genau dort sichtbar machen, unter welchen Bedingungen die Arbeitgeberseite funktioniert – und auf wessen Rücken aktuelle Entscheidungen ausgetragen werden“, sagte UFO-Chef Joachim Vazquez Bürger. Das Lufthansa-Management wolle die Arbeitsbedingungen verschlechtern und nehme eine „Hardlinerposition“ ein.

Vorstand kritisiert Gewerkschaft

Lufthansa-Personalvorstand Niggemann kritisierte, der Spartengewerkschaft sei das Schicksal der Fluggäste und die Zukunft der Lufthansa völlig gleichgültig. „Die konzernweit ohnehin schon besten Einsatzbedingungen für Flugbegleiter sollen mit diesem Erzwingungsstreik ohne ernsthafte Verhandlung noch einmal deutlich angehoben werden.“

Die Lufthansa hat nach eigenen Angaben Tarifvorschläge gemacht, die aus Sicht von UFO aber nicht verhandlungsfähig sind.

Medien

US-Präsident Donald Trump hat gestern erneut eine Schlappe vor Gericht hinnehmen müssen. Ein Bezirksgericht im Bundesstaat Florida wies seine Klage gegen das „Wall Street Journal“ (WSJ) wegen Verleumdung vorläufig ab.

Richter Darrin P. Gayles monierte, Trump habe nicht plausibel darlegen können, dass die Zeitung mit der Veröffentlichung eines Gratulationsschreibens an den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein in „böswilliger Absicht“ gehandelt habe.

Die Klage habe bestimmte Kriterien zudem „bei Weitem“ nicht erfüllt, führte Gayles weiter aus – „Ganz im Gegenteil“. Trump hat nun bis Ende April Zeit, um eine neue Klageschrift einzureichen.

Die US-Zeitung hatte von einem angeblichen Glückwunschschreiben an Epstein zu dessen 50. Geburtstag im Jahr 2003 berichtet, das den Namen Trumps trägt. Die Zeitung stellte so eine weitere Verbindung zwischen den beiden her.

In dem Brief mit schlüpfrigem Inhalt sollen mit einem Marker die Umrisse eines Frauenkörpers mit Brüsten gezeichnet worden sein – die Zeitung beruft sich auf Einblick in die Dokumente. Trump bestreitet, Urheber gewesen zu sein. Er brachte nach der Veröffentlichung gegen die Zeitung und Medienmogul Rupert Murdoch, zu dessen Portfolio das „WSJ“ zählt, eine Klage ein und forderte darin Milliarden.

Die Concordia-Preise für außerordentliche publizistische Leistungen gehen heuer in der Kategorie Pressefreiheit an Fritz Espenlaub, Jasmin Körber, Christian Schiffer und Klaus Uhrig für ihre Podcast-Serie „Die Peter Thiel Story“ (Deutschlandfunk) sowie in der Kategorie Menschenrechte an Jürgen Klatzer und Matthias Winterer für ihren Bericht „Körperliche Gewalt war gang und gäbe“ („Falter“), mit dem das Duo den Missbrauchsskandal im SOS-Kinderdorf öffentlich gemacht hat.

Die prämierte Podcast-Serie zeige am Beispiel des US-Investors Peter Thiel, „wie mit einem machtvollen, finanzstarken Netzwerk Grund- und Freiheitsrechte einschließlich der freien Berichterstattung eingeschränkt, ausgehöhlt und letztlich zunichtegemacht werden können“, hieß es gestern in einer Aussendung des Presseclub Concordia, der die Auszeichnungen seit 1997 vergibt. Beide Kategorien sind mit jeweils 5.000 Euro dotiert.

Ehrenpreis für Astrid Zimmermann

Mit dem nicht dotierten Ehrenpreis wird die ehemalige Concordia-Generalsekretärin Astrid Zimmermann gewürdigt. Sie setze sich seit Jahrzehnten in unterschiedlichen Funktionen mit großem Engagement für Journalistinnen und Journalisten, ihre Arbeitsbedingungen und die Qualität des Journalismus ein, hieß es. Die Verleihung der Preise findet am 30. April im Parlament statt.

Der Chef der ORF-Vermarktungstochter Enterprise, Oliver Böhm, ist nach nicht näher bekanntgegebenen Vorwürfen bis auf Weiteres beurlaubt. Zudem wurde eine Compliance-Untersuchung durch interne und externe Experten eingeleitet. Der ORF bestätigte gestern entsprechende Medienberichte.

Sobald Ergebnisse der Untersuchung vorliegen, will der ORF über nächste Schritte entscheiden und darüber informieren. Zum Schutz aller Beteiligten werden davor keine Details genannt.

Böhm leitet als Enterprise-Chef seit 2013 die Vermarktung der ORF-TV- und -Radiosender sowie des Digitalangebots. In Summe nimmt der ORF jährlich rund 200 Millionen Euro durch Werbung ein. Im Transparenzbericht des ORF scheint Böhm an dritter Stelle der Bestverdiener auf.

Kultur

Mehr als tausend Personen aus der Filmbranche, darunter Hollywood-Stars, haben sich in einem offenen Brief gegen die geplante Fusion der Film- und Unterhaltungskonzerne Warner Bros. Discovery und Paramount Skydance ausgesprochen.

Die Unterzeichnenden, darunter etwa Jane Fonda, Joaquin Phoenix und Mark Ruffalo, warnen davor, dass die geplante 110-Milliarden-Dollar-Fusion (rund 94 Mrd. Euro) den Wettbewerb einschränken und die Konzentration im US-Mediensektor vertiefen würde.

Das würde die Möglichkeiten für Filmschaffende beschneiden, den Arbeitsmarkt belasten und zu höheren Kosten und weniger Auswahl für das Publikum führen. Der geplante Zusammenschluss würde zwei der größten Studios und Filmbibliotheken Hollywoods zusammenführen und die Streamingplattformen Paramount+ und HBO Max vereinen.