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Freitag, 13. Juni 2025

Dace Vigante: Eismeer

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Aus dem Lettischen übersetzt von Bettina Bergmann. Verlag Friedrich Mauke KG, Weimar 2025. 120 Seiten, ISBN 978-3-948259-30-3, 18,00 €

Verlagsinfo:
Mutter und Tochter – näher zusammen und weiter entfernt können zwei Menschen nicht sein.
Wenige Figuren prägen dieses Kammerspiel: Die schöne stolze Irma, die mit ihrem Mann unter Stalin in ein Straflager am Polarmeer deportiert wird. Ihr damals fünfjähriger Sohn Kaspars und ihre Tochter Māra, zu der Zeit noch ein Baby, die in Lettland zurückbleiben.
Mara, für die ihre Mutter nur ein märchen-haft schönes Bild auf einem Foto war, lernt ihre Mutter kennen, als sie längst ein Teenager ist. Unüberwindbar scheint der sich schnell aufbauende Konflikt. Das Herz der Mutter wirkt von der Kälte des Lagers am Polarmeer gefroren. So vergehen die Jahre in eisiger Nähe. Wie könnte dieses Eis tauen?
»Eismeer« ist die erste Geschichte, mit der Dace Vigante der literarische Durchbruch gelangt. Es ist die Geschichte von Frauen, die durch die engste mögliche Verwandtschaft und das grausamste Jahrhundert der Menschheitsgeschichte zugleich verbunden und getrennt sind. Die Funken der Intimität und Liebe liegen so tief verborgen, dass es scheint, als sei ein Eismeer über den Herzen entstanden. Es erfordert großen Mut, das Eis der Entfremdung zu durchbrechen. Dace Vigante schreibt darüber.

Sonntag, 2. Januar 2022

Ojārs Spārītis (Hg.): Dagmar Kopfstahl - Rigaer Tagebuch

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Dagmar Kopfstahl: Rigaer Tagebuch 1917 bis 1920. Herausgegeben von Ojārs Spārītis. Akademische Verlagsbuchhandlung Friedrich Mauke KG, Jena 2021. Übersetzungen aus dem Lettischen von Ingūna Kvēpa. Originaltitel: "Dagmāra Kopštāla Dienasgrāmata", Jumava Riga 2020. ISBN 978-3-948259-05-1, 278 Seiten, 27 €.

Verlagsinfo: »Da dieses Jahr ein so ereignisreiches ist, beschloss ich ein Tagebuch zu führen ...« - Als die 12jährige Dagmar Kopfstahl aus Riga im März 1917 die ersten Sätze in ihr neues Tagebuch schrieb, ahnte sie noch nicht, dass sie Chronistin eines Epochenwandels werden würde. Über drei Jahre dokumentierte sie, Angehörige der deutschen Minderheit in der Ostseemetro-pole, ihren Alltag, ihre Beobachtungen und auch ihre Meinungen als am Ende des 1. Weltkrieges um sie herum in vielen Kämpfen aus einer Provinz des Russischen Zarenreiches ein neuer Staat entstand: Die Republik Lettland. Ein authentisches Stück Zeitgeschichte.

Sonntag, 12. September 2021

Antanas Sutkus: Planet Lithuania

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Herausgegeben von Thomas Schirmböck. Steidl Verlag, Göttingen, 1. Auflage 2018, 2. Auflage 2021. 272 Seiten, Englisch / Deutsch / Französisch / Litauisch. Übersetzungen: Sandra Bernotaite, Jolanta Jezauskaite (Litauisch), Monte Packham (Englisch), Petra Gaines (Deutsch), Jean-Christophe Vigneau, Marielle Vitureau (Französisch). ISBN 978-3-95829-512-4, 38.00 Euro. 

Verlagsinfo:
Dieses Buch ist ein reichhaltiger Überblick über Antanas Sutkus’ Fotos der Bevölkerung seiner Heimat Litauen während der Besetzung durch die Sowjetunion. Sutkus ist vor allem ein humanistischer Fotograf, sein „Kosmos“ sind seine Mitbürger: Kinder, Liebende, Alte; wie sie sich mit Moderne und Tradition, Natur und Stadt auseinandersetzen und ihre Identität ausdrücken – alles in einem offenen, einfühlsamen Stil, der fernab sowjetischer Ideale das Fundament der litauischen Fotoschule bildet.

Indem Sutkus ein Leben in Würde und Integrität hinter dem Eisernen Vorhang enthüllt, ist Sutkus' Werk ebenso politisch wie persönlich, ein Beweis dafür, wie Litauen sein kulturelles Selbst gegen die Sowjetunion behauptet, die das Land vom Zweiten Weltkrieg bis 1990 besetzte. Der Kampf hat inzwischen Früchte getragen: 2004 wurde Litauen sowohl Mitglied der NATO als auch der Europäischen Union und ist heute eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften Europas.

Donnerstag, 2. April 2020

Sonja Großmann: Falsche Freunde im Kalten Krieg?

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Sowjetische Freundschaftsgesellschaften in Westeuropa als Instrument und Akteure der Cultural diplomacy. Studien zur internationalen Geschichte, Walter de Gruyter, Oldenbourg 2019. ISBN: 978-3-11-065228-4 . 612 Seiten, (ab) € 69,95.

Verlagsinfo:
Warum engagierten sich zahlreiche Westeuropäer im Kalten Krieg für die Sowjetunion? Waren dies von Moskau gesteuerte ideologisch verblendete Kommunisten? Inwiefern förderten sie tatsächlich den kulturellen und gesellschaftlichen Austausch? Sonja Großmann analysiert erstmals vergleichend die Entwicklung sowjetischer Freundschaftsgesellschaften in Frankreich, Großbritannien und der Bundesrepublik vom Zweiten Weltkrieg bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion. Von diesen gesellschaftlichen Akteuren ausgehend eröffnet das Buch neue Perspektiven auf die Formen und Methoden sowjetischer Selbstdarstellung gegenüber dem Ausland, auf das Zusammenspiel staatlicher und gesellschaftlicher Akteure über den ,Eisernen Vorhang' hinweg und auf kommunistische Organisationen im Westen. Das Bild der Sowjetunion in den verschiedenen Ländern spielt ebenso eine Rolle wie konkrete Felder des kulturellen Austausches in Kunst und Wissenschaft, Tourismus oder Städteverbindungen. Das Buch liefert einen innovativen Beitrag zur Internationalen Geschichte, indem es ost- und westeuropäische Geschichte, Diplomatie- und Kulturgeschichte sowie top-down mit bottom-up Ansätzen zusammenführt.

Mittwoch, 3. Mai 2017

Gabowitsch / Gdaniec / Makhotina: Kriegsgedenken als Event

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Der 9. Mai 2015 im postsozialistischen Europa. Herausgegeben von Mischa Gabowitsch, Cordula Gdaniec und Ekaterina Makhotina. Ferdinand Schönigh Verlag, Paderborn 2017, 345 Seiten, ISBN: 978-3-506-78434-6. EUR 39.90 / CHF 48.70

Verlagsinfo:Der 9. Mai ist der weltweit wahrscheinlich am breitesten zelebrierte Kriegsgedenktag und vor allem in Russland, den ehemaligen Sowjetrepubliken und Ländern mit großen russischsprachigen Bevölkerungsanteilen ein Volks- und Familienfest. Der 2015 gefeierte 70. Jahrestag des Kriegsendes 1945 war mit besonderer Emotionalität aufgeladen. Das Buch liefert eine Biographie dieses Tages, beschreibt Nachleben und Verwandlungen der sowjetischen Festkultur, gesellschaftliche Initiativen wie das »Unsterbliche Regiment«, den Kampf um das Kriegsgedenken in der Ukraine und anderen postsozialistischen Staaten sowie die Bedeutung des sowjetisch geprägten Kriegsgedenkens im vereinten Deutschland. Aber auch die Bedeutung dieses Tages für das Selbstverständnis der russischsprachigen Minderheiten von Estland bis Deutschland wird betrachtet. (Inhaltsverzeichnis)

Rezension "Baltische Stunde" --- andere Buchvorstellungen

Mittwoch, 15. März 2017

Tomas Venclova: Der magnetische Norden

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Gespräche mit Ellen Hinsey. Erinnerungen. Aus dem amerikanischen Englisch von Claudia Sinnig. Suhrkamp Verlag, Berlin 2017. 652 Seiten, ISBN: 978-3-518-42633-3.
D: 36,00 € A: 37,10 € CH: 47,90 sFr. 

Verlagsinfo:
Er hat sie alle noch gekannt: Joseph Brodsky und Czeslaw Milosz ebenso wie Wislawa Szymborska, Anna Achmatowa, Boris Pasternak und die sowjetischen Dissidenten. Als Kind erlebte Tomas Venclova die Okkupation seiner Heimat – erst durch die Sowjets, dann durch die Nazis. Sein Hunger nach Welt war unstillbar: Er ging nach Leningrad, lernte Sprachen, befasste sich mit der modernen Poesie und geriet als Übersetzer und Dichter früh ins Visier des KGB. 1976 gehörte er zu den Mitbegründern der litauischen Helsinki-Gruppe für Menschenrechte. Während eines Aufenthaltes in den USA wurde ihm 1977 die sowjetische Staatsbürgerschaft entzogen. Er lehrte bis 2012 an der Yale University und lebt seit 1990 auf zwei Kontinenten – ein Emigrant, der am unabhängigen Litauen zu viel auszusetzen hatte, um in sein Heimatland zurückzukehren, und sein Exil als »Glücksfall« empfand.
In Gesprächen mit seiner Dichterkollegin und Übersetzerin Ellen Hinsey rekapituliert er sein Leben und lässt das 20. Jahrhundert wiederauferstehen: Ob es um Freundschaften geht oder um Fragen der Poesie, ob er über die Politik der Großmächte oder über die verwickelte Geschichte Mittelosteuropas spricht – Venclovas Klugheit und Selbstironie geben dieser großen europäischen Erzählung von Entwurzelung und Heimatlosigkeit etwas heiter Gelassenes.

Rezension "Baltische Stunde" --- weitere Buchvorstellungen

Dienstag, 26. Januar 2016

Thomas Kunze / Thomas Vogel: Das Ende des Imperiums

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Was aus den Staaten der Sowjetunion wurde. Christoph Links Verlag, Berlin, 2. aktualisierte Auflage 2015. 328 Seiten, ISBN: 978-3-86153-894-3, 20.00 Euro.

Verlagsinfo:
Für die Neuauflage des erstmals 2011 erschienenen Buches haben sich der Historiker Thomas Kunze und der Journalist Thomas Vogel erneut auf die Reise durch die 15 ehemaligen Sowjetrepubliken begeben. In ihrer Beschreibung der dramatischen Veränderungen der vergangenen 25 Jahre berücksichtigen sie somit auch die jüngsten Ereignisse und Konflikte, wie z. B. die Auseinandersetzungen in der Ukraine. Das Buch ist eine Verbindung aus zeitgeschichtlicher Analyse und lebendigem Reisebericht.

Aus dem Inhalt:
Seite 61 - Das Baltikum auf dem Weg nach Europa
Seite 71 - Litauen
Seite 85 - Lettland
Seite 98 - Estland

Dienstag, 2. April 2013

Marius Ivaškevičius: Die Grünen

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( Žali) Roman, aus dem Litauischen von Markus Roduner. Athena Verlag, Oberhausen 2012. 1. Auflage 2012, 312 Seiten, ISBN: 978-3-89896-522-4, 19,90 € (35,00 SFr, 20,50 /A). 

Verlagsinfo:
»Über den Krieg zu schreiben, wenn man das Schießen nur vom Schießstand her kennt, fällt nicht leicht. Genau genommen fällt es genauso schwer, wie an das Leben im Bunker zu denken, während man in der Dreizimmerdachwohnung am PC sitzt und schreibt. Wozu dann das alles? Ich fand Gefallen an diesem Krieg. Ich stellte fest, dass sich Heldentum und Niedertracht, Mut und Feigheit in etwa die Waage hielten. Die Vaterlandsliebe vermochte die Liebe zur Frau nicht auszutilgen. Allein Tod gab es ein wenig mehr als Leben. Den verängstigten Soldaten empfand ich als lebendiger als den furchtlosen, den verwirrten als wahrhaftiger als den zu allem entschlossenen. Deshalb sind meine Helden etwas Held und etwas Lump, manchmal Monster und manchmal Verlierer. Ich habe ihnen kein brüderliches Grab ausgehoben, sondern nur einen einfachen gemütlichen Erdbunker, in dem sie hoffentlich noch eine Weile leben.«
zum Autor
Marius Ivaškevičius ist Vertreter der jüngsten Schriftstellergeneration Litauens und gilt als einer der bedeutendsten Gegenwartsautoren seines Landes. Bisher erschienen acht Bücher, von denen einige in verschiedene Sprachen übersetzt wurden. Er ist als Journalist, Prosa- und Drehbuchautor, Dramatiker und Regisseur tätig und lebt und arbeitet in Vilnius.

Sonntag, 11. November 2012

Sofie Oksanen: Stalins Kühe

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Roman. (Titel der Originalausgabe: "Stalinin Lehmät"). Verlag Kiepenheuer & Wisch, Aus dem Finnischen von Angela Plöger. 1.Auflage Köln 2012. 496 Seiten, ISBN: 978-3-462-04374-7, Euro (D) 22,99 | sFr 30,90 | Euro (A) 23,70.

Verlagsinfo:
Anna hat alles im Griff. Sie dient einer »Herrin«, der Bulimie, denn es gibt nichts Wichtigeres für sie, als einen vollkommenen Körper zu besitzen und unangreifbar zu sein.
Annas Eltern trennen sich, als ihre Mutter Katariina herausfindet, dass ihr Mann sie betrügt. Sie, die Estin, verleugnet ihre Herkunft, weil sie weiß, welch schlechtes Ansehen Estinnen in Finnland haben – sie gelten als russische Huren, die es geschafft haben, durch Heirat nach Finnland zu entkommen. Aus Angst, dass ihrer Tochter die gleiche Verachtung zuteil wird wie ihr, darf diese die Sprache nicht lernen und keinem sagen, woher die Mutter stammt. Dabei fahren die beiden regelmäßig nach Estland, um die Familie zu unterstützen, die das Grauen der sowjetischen Arbeitslager kennenlernte und unter den Bespitzelungen und Erpressungen durch enge Vertraute litt. Während Anna um ihr Gewicht kämpft und lernen muss, dass sie wirklich krank ist und die anorektische Bulimie sie umbringen kann, erfährt der Leser die Hintergründe der Familiengeschichte, Ursache für Annas Leiden, die bis in die Zeit der Besetzung Estlands nach dem Zweiten Weltkrieg zurückreicht.
In brillanter Sprache, mit genauer Kenntnis der historischen Hintergründe und einer meisterhaften Komposition beweist Sofi Oksanen erneut, warum ihre Romane weltweit gefeiert werden.

Mittwoch, 1. Februar 2012

Philipp Herzog: Sozialistische Völkerfreundschaft, nationaler Widerstand oder harmloser Zeitvertreib?

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Zur politischen Funktion der Volkskunst im sowjetischen Estland. Ibidem-Verlag Stuttgart, 2012. 226 Seiten,  ISBN 978-3-8382-0216-7 / ISSN 1614-3515. 29,90 Euro. Mit einem Vorwort von Andreas Kappeler.

Verlagsinfo:
Die „Singende Revolution“ im Baltikum leitete den Zusammenbruch der UdSSR ein. Die großen, folkloristisch geprägten,baltischen Sängerfeste – Namensgeber der Revolution – wurdenauch hierzulande als kraftvoller Ausdruck desWunsches nach Unabhängigkeit deutlich wahrgenommen. 20 Jahre nach dem Höhepunkt der nationalen Folklorewelle verwundern die immer noch überdurchschnittliche Präsenz von Folklore im Alltag und die vielen Kontinuitäten, welche eine ambivalente sowjetische Folklore- und Nationalitätenpolitik im neuen Nationalstaat Estland hinterlassen hat.Die Frage stellt sich, wie diesowjetische Volkskunstpflege ihr kommunistisches Image ablegen und – als „echt estnisch“ anerkannt – beinahe unverändert weiterbestehen konnte und warum gleichzeitig das Thema „Volkskultur“ bis heute nichts an seiner Relevanz für die Identität der baltischen Völker verloren hat. Zur Beantwortung dieser Fragen geht die Arbeit zurück in die „Goldene Zeit“ der sowjetestnischen Volkskunstpflege um das Jahr 1970 und richtet ihren Fokus auf die gelebte Praxis. Sie schildert den institutionellen Aufbau und dessen Einfluss auf die Werthaltung der Menschen, beschreibt die ideologischen Regeln und wie diese umgangen bzw. zurechtgeformt wurden und eröffnet den Blick auf eine zu dieser Zeit entstehende Folkloreprotestbewegung.Damit beschreitet die Arbeit wissenschaftliches Neuland, deren Erkenntniswert weit über Estland und die Folklorethematik hinausgreift. Als Teil des gesamtsowjetisch gleichen Modells der institutionalisierten und monopolisierten Freizeitgestaltung prägte das „Laienkunstsystem“ den Alltag von Millionen von Menschen im sowjetischen Machtbereich, dessen Fortwirken in weiten Teilen Osteuropas bis heutespürbar ist.

Dienstag, 20. September 2011

Erkki Tuomioja: Da ich aber eine sehr unverwüstliche Frau bin ...

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Hella Wuolijoki - Stichworte für Brecht. Militzke Verlag, Leipzig 2008. 400 Seiten, ISBN 9783861898092, 26,90 €. 

Verlagsinfo: 
Finnlands ehemaliger Außenminister erzählt brillant und tief greifend die Geschichte seiner Großmutter 
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Geboren in Estland, erfolgreiche Theaterautorin, raffinierte Geschäftsfrau, politische Gefangene – Hella Wuolijoki war eine der einflussreichsten Frauen in Finnland. Ihre Theaterstücke sind international bekannt. Ihr außerhalb Finnlands berühmtestes Stück "Herr Puntila und sein Knecht Matti" schrieb sie gemeinsam mit Bertold Brecht, der seine finnische Exilzeit während des Zweiten Weltkrieges auf ihrem Gut verbrachte.
Bevor ihr der Durchbruch als Schriftstellerin gelang, arbeitete sie erfolgreich in einer Importfirma. Ihre spektakulären Geschäfte ließen sie jedoch als selbstständige Geschäftsfrau scheitern.
Außerdem nahm Hella Wuolijoki Einfluss auf die Politik Finnlands, zu Estland hielt sie immer Kontakt. Sie empfing Gäste in ihrem linken politischen Salon, begegnete russischen Geheimagenten und soll sich sogar mit Stalin getroffen haben. Während Hella nie einer kommunistischen Partei angehörte, führte ihre Schwester ein Leben als überzeugte Kommunistin und politische Aktivistin in Großbritannien.
Tuomioja erzählt lebendig und wahrhaftig, ohne gefühlsbeladenen familiären Anstrich das ungewöhnliche Leben seiner Großmutter, einer Grande Dame, und das ihrer Schwester. Doch dieses Buch bietet mehr: eine herausragende Darstellung der Geschichte Estlands, Finnlands und dessen Beziehung zu Deutschland sowie einen einzigartigen Überblick der kommunistischen Strömungen in Europa nach den beiden Weltkriegen.

Freitag, 11. Februar 2011

Renate Šerelytė: Blaubarts Kinder

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Roman. EditionZwei, Wieser Verlag 2010. Aus dem Litauischen von Cornelius Hell.
327 Seiten, EUR 14,95 / sfr 27,50, ISBN: 9783851299090.

Verlagsinfo:
Ein Schlüssel zur kommunistischen und postkommunistischen Welt abseits der großen Politik - weit über Litauen und Russland hinaus.
Eine Tote lässt ihr Leben Revue passieren, das sie aus ihrer litauischen Kleinstadt ins tiefe Russland verschlagen hat. Sie war überzeugte Kommunistin und ließ sich von ihrem litauischen Mann - einem passiven, an nicht interessierten Alkoholiker - scheiden und folgte dem Russen Anatolij in eine russischen Kleinstadt. In der Partei hatte sie es schwer mit den Männerhierachien, in der Stadt blieb sie eine Fremde, und der Mann ist jähzornig und gewalttätig und hat ihr das Gesicht verbrannt: "Ich bin Blaubarts Frau mit einem Bügeleisen verbrannten Gesicht."
Sohn und Tochter kehren nacht Litauen zurück und erleben die ersten Jahre der Unabhängigkeit. Während sich die Tochter von den Erinnerungen an "Blaubart", den aggresiven russischen Stiefvater, befreien kann und vor ihrem ständig betrunkenen liltauischen Vater in die Stadt flieht, studiert und Schriftstellerin wird, findet der Sohn keine Lebensperspektive. Sehr spät kommen beide in Kontakt mit ihrem Halbbruder in Russland.
Aus den Erzählungen der vier Personen entsteht nicht nur eine Familiengeschichte, sondern auch ein vielschichtiges Gemälde von Mentalitäten und Milieus, das durch seine bilderreiche Phantasie ebenso fasziniert wie durch seine Ironie. Das Leben in der Provinz und die litauische Hauptstadt Vilnius in den 1990er Jahren werden in vielen authentischen Details in Bild gerückt.

Samstag, 8. Januar 2011

Juozas Lukša: Partisanen

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Band 3 in der Reihe «Baltische Bibliothek» im BaltArt Verlag, August 2010. Aus dem Litauischen von Markus Roduner. 352 Seiten, Buchumschlag-Illustration: Martynas Vilimavičius. Preis: CHF 28.-, € 21.- (exklusive Versandkosten). 

Verlagsinfo:
In seinen 1950 in den USA zum ersten Mal auf litauisch erschienenen «Partisanen» erzählt der Autor und litauische Widerstandskämpfer Juozas Lukša (1921-1951) in lebhaften Szenen vom Alltag der litauischen Partisanen. Von deren Kampf gegen den übermächtigen sowjetischen Gegner, der sie mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln ausradieren will. Von einem Kampf für ein freies Litauen, gegen Sowjetisierung, Kollektivierung und Deportationen grosser Teile der litauischen Bevölkerung nach Sibirien. Aber auch von Begegnungen, Freundschaften, Ausbildung der Untergrundkämpfer. All dies aus der Perspektive der Zeit, noch frisch berichtet von einem der wichtigsten litauischen Widerstandskämpfer. Ein spannend erzähltes Stück im deutschsprachigen Raum noch kaum bekannter europäischer Nachkriegsgeschichte.
 
Zum Autor:
Juozas Lukša wurde 1921 im Dorf Juodbūdis bei Prienai in eine Bauernfamilie geboren. Nach Abschluss des Gymnasiums studierte er in Kaunas Architektur, konnte sein Studium jedoch infolge der Wirren des Zweiten Weltkriegs nicht abschliessen. Noch während des Studiums beteiligte er sich an antisowjetischen und antinazistischen Widerstandsaktionen. Anfang 1946 schloss er sich als aktiver Kämpfer (Deckname «Daumantas») der litauischen Partisanenbewegung an. Lukša war massgeblich am Aufbau der Pressearbeit des Partisanenbezirks Tauras im Südwesten Litauens beteiligt und zeichnete als Redakteur zweier Partisanenzeitungen. Im Auftrag der Partisanenführung durchbrach er mit Kameraden zweimal die von den Sowjets hermetisch abgeriegelte Grenze zu Polen. Beim zweiten Mal schlug er sich weiter nach Westen durch. Unter anderem trug er ein Memorandum an die UNO und einen Brief der Litauer an den Papst mit sich.
1948 bis 1950 verfasste er in Paris seinen autobiographischen Roman «Partisanen» und suchte den Kontakt zu westlichen Geheimdiensten. Er erhoffte sich vom Westen militärische Unterstützung für den Freiheitskampf der Litauer. In Paris lernte Lukša auch die litauische Emigrantin Nijolė Bražėnaite kennen, die er Ende Juli 1950 bei Tübingen heiratete.
Im Oktober 1950 sprang er mit dem Fallschirm über Westlitauen ab. Nach einem weiteren Jahr Partisanenkampf und Informationsbeschaffung für westliche Geheimdienste kam er im September 1951 in einem Hinterhalt ums Leben.

Montag, 1. November 2010

Johannes Reimer: Aufbruch in Tallinn

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Wanja Richters abenteuerliches Leben zwischen russischer Gemeindetraditon und staatlicher Verfolgung. Brunnen Verlag, Basel - Gießen 2008, 192 Seiten, ISBN: 978-3-7655-4021-9. 9,95 Euro / 16,95 SFr / 10,30 Euro (A). 

Verlagsinfo:Wanja Richter, dessen Geschichte Reimer in "Der Verweigerer" eindrücklich geschildert hat, erzählt hier, was vor seiner Zeit in der Roten Armee geschah: Wie sich geistliches Leben in Tallinn Bahn bricht und welchen Schwierigkeiten die Christen dabei begegnen - von Seiten der kommunistischen Verfolger, aber auch aus den eigenen Reihen.
zum Autor:
Dr. Johannes Reimer, geb. 1955, Gründer und langjähriger Leiter des Missionswerkes Logos International e.V. Seit 1989 Pastor in mehreren Gemeinden in Deutschland, den USA und Kanada. 1991-96 Dozent an der Christlichen Universität St. Petersburg/Russland. Seit 1997 außerordentlicher Professor für Missionswissenschaft an der University of South Africa (UNISA) in Pretoria/Südafrika. Autor mehrerer Bücher, u.a. Mission des frührussischen Mönchtums.

Dienstag, 2. Februar 2010

Pauls Toutonghi: Die Geschichte von Yuri Balodis und seinem Vater, der eigentlich Country-Star war

Roman. Rowohlt Verlag Berlin, 2009, 368 Seiten. ISBN 9783871346347. 14,90 Euro. Die Originalausgabe erschien 2006 bei Shaye Areheart Books in New York unter dem Titel "Red Weather".


ImageVerlagsinfo über den Autor: Pauls Toutonghi, geboren 1976 als Sohn eines ägyptischen Vaters und einer lettischen Mutter, lebt in Portland, Oregon, und arbeitet zur Zeit an seinem nächsten Roman. Seine Texte wurden bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem renommierten Pushcart Prize.

Verlagsinfo zum Buch:  Yuris Vater erzählt seinem Sohn allabendlich auf dem Balkon wunderbar melancholische Lügengeschichten, in denen er der Star ist, ein toller Hecht, eine Legende. In den sechziger Jahren aus Lettland emigriert, ignorieren Yuris Eltern hartnäckig, dass sie ihren amerikanischen Traum in den Sand gesetzt haben. Um jeden Preis wollen sie im öden Brauereinest Milwaukee heimisch werden. Yuris Vater ist schon mal von Wodka auf Bourbon umgestiegen, seine Mutter pflastert die Wände mit Werbeanzeigen, beide sprechen ausschließlich Englisch, wenn auch ein recht zweifelhaftes, und bemühen sich überhaupt, amerikanischer zu sein als jeder Amerikaner.
Nur Yuri scheint irgendwie aus der Art zu schlagen. Seit er sich in die Jungkommunistin Hannah verliebt hat, zitiert er beim Essen neuerdings Marx und Lenin. Für seine Eltern bricht eine Welt zusammen. Trotzdem lassen sie den Sohn seine eigenen Erfahrungen machen. Und das tut dieser auch ausgiebig, bis ein nächtlicher Ausflug mit Hannah, der schlimme Folgen hat, ihn über Nacht erwachsen werden lässt. Und gerade noch rechtzeitig versteht Yuri, dass das Leben wirklich so irre ist, wie sein Vater immer behauptet – und alles, aber auch alles möglich.

Dienstag, 7. April 2009

Sigitas Parulskis: Drei Sekunden Himmel

Roman. Claasen Verlag 2009, 256 Seiten, 19.90 Euro.

ImageVerlagsinfo:
Liebe, Gewalt und Sex - ein Roman über alles, was heilig ist
Sigitas Parulskis, einer der wichtigsten Schriftsteller Litauens, hat einen schonungslos wütenden, poetisch-komischen Roman über die verlorene Generation des Ostens geschrieben. Am Ostseestrand sitzt, den Blick aufs Meer gerichtet, der 40jährige Robertas. Am äußersten Rand des untergegangenen Sowjetreichs, in den riesigen Dünen der kurischen Nehrung, die vor seinem inneren Auge die Mondlandschaft eines Truppenübungsplatzes heraufbeschwören, lässt er die wichtigsten Stationen seines Militärdienstes in der DDR an sich vorbeiziehen: die Einberufung zur Eliteeinheit der Fallschirmjäger, die brutale Ausbildung in einer sowjetische Garnison bei Cottbus, der soldatische Alltag, geprägt von skurrilen Konflikten und berührenden Begegnungen mit Kameraden, Vorgesetzen und der ostdeutschen Bevölkerung. Zwischendurch schweift Robertas ab in eine unglückliche Liebesgeschichte, die ihn ebenso wenig loslässt wie der Wehrdienst. Dabei bringt er ein existentielles Grundgefühl zum Ausdruck: Wie der Springer in den drei Sekunden, bevor er den Fallschirm öffnen darf, schwebt hier eine ganze Generation über dem Boden der Wirklichkeit, verloren zwischen traumatischem Gestern und ungewissem Morgen.