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Mittwoch, 10. März 2021

Oberon und Titania - Vorhang von 1886 im neuen Stadttheater in Halle (Saale)

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Oberon und Titania, 1886, Hauptvorhang im Stadttheater in Halle (Saale).
Hier die einzige bisher bekannte Abbildung aus: Gustav Staude (Oberbürgermeister), Das Stadt-Theater zu Halle a. S., Ein Beitrag zum Eröffnungstage, Verlag von Tausch & Grosse, Halle a. S. 1886, Lichtdruck als Tafel im Anhang.
   Auf Seite 17 eine kurze Beschreibung: "Den harmonischen Abschluss des Auditoriums gegen die Bühne hin bildet der Hauptvorhang, den der Maler Max Koch in hervorragend künstlerischer Weise ausgeführt hat. Der Vorhang zeigt in seinem Mittelfelde ein Seegestade in Abendstimmung; Oberon und Titania schweben auf einem von Schwänen gezogenen Wagen durch die Dämmerung, vor ihnen in weiter Ferne sich verlierend der Reigen der Elfen."
   Weitere Besprechungen HIER.

Montag, 13. Februar 2017

Das neue bromberger Stadttheater.

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   "Sechs Jahre waren ins Land gegangen, seitdem das bromberger Stadttheater ein Raub der Flammen geworden war. Wie ein Phönix hat sich das Gebäude nunmehr in schönerer Gestalt wieder erhoben. Die Pläne stammen von dem Baumeister H. Seeling in Berlin; ausgeführt wurde der Bau unter Leitung des bromberger Stadtbauraths Meyer. Daß das neue Theater eine rechte Pflegestätte deutschen Geistes im deutschen Osten zu sein bestimmt ist, davon zeugen schon die Büsten Goethe´s und Schiller´s, die die Front zieren. Aber auch das Innere ist diesem Ziel entsprechend würdig und schön ausgestattet. Der prachtvolle Theatervorhang, ein Werk des Malers Prof. Koch in Berlin, ist eine Stiftung kunstliebender bromberger Bürger; er stellt eine Scene aus „Tanhäuser“ dar und zeigt den Landgrafen von Thüringen mit seiner Nichte Elisabeth, umgeben von seinen Mannen, den Tönen der Sänger lauschend unter einer alten Eiche, im Hintergrund die Wartburg. Ueber ihm sieht man des Kaisers Bild sowie links und rechts zwei blonde Frauengestalten. Fremden- und Kaiserloge werden durch je zwei mächtige Karyatiden (Atlanten) gestützt und von Kuppeln mit Kindergestalten gekrönt. Das Theater hat zwei Balkone, von denen der eine den ersten Rang, der andere den zweiten Rang und die dahinterliegenden Amphitheaterplätze enthält. Die Corridore sind so breit gehalten, daß das Theater durch seine 24 Thüren in wenigen Minuten geleert werden kann. Der Bau besteht nur aus Stein und Eisen, brennbare Stoffe sind nicht verwendet worden. Der Bühnenraum umfaßt vom Kellerraum bis zum Schnürboden 23 Mtr., die Bühnenöffnung ist 8 Mtr. hoch, 16 Mtr. breit und 13½ Mtr. tief. Das elektrisch beleuchtete Innere hat freilich nur 697 numerirte Plätze. Die Leitung des Theaters hat Director Oskar Lange, ein geborener Bromberger, übernommen, ein Mann reich an Erfahrung und erfüllt mit dem besten Willen."
Anonym, "Das neue bromberger Stadttheater", in: Illustrirte Zeitung, Berlin u. Leipzig, Nr. 2846, 110. Bd., 13. Juni 1898, S.50-51, Abb. S. 50.

Sonntag, 17. Juli 2016

Vorhang im neuen Stadttheater zu Halle an der Saale

   „Für das von dem Berliner Architekten H. Seeling erbaute neue Stadt-Theater in Halle a. S. hat der Maler Max einen Vorhang gemalt, der gegenwärtig im Lichthofe des Kunstgewerbe-Museums in Berlin ausgestellt ist. Die Darstellung zeigt Oberon und Titania auf ihrem von vier fliegenden Schwänen gezogenen lustigen Wagen über einem mit Schilf und Wasserrosen eingesäumten Weiher; unter dem schattigen Laubdach eines hochaufragenden Baumes schmiegt sich ein Liebespaar aneinander; um dasselbe herum gruppiren sich geflügelte Elfen und Genien, während hoch in den Lüften Elfen sich zum Reigen schlingen. Die phantastisch gestaltete und gut gegliederte Composition wird von einem aus Blattformen, Früchten und Aehren zusammengesetzten Ornamentrahmen eingefaßt; an den beiden Seiten sind Bühnenembleme, wie Gesichtsmasken und musikalische Instrumente vereinigt und am unteren Ende schließt der Vorhang mit einer breiten Ornament-Composition ab, in welcher zwischen Arabesken und Lorbeerzweigen Genien, phantastische Thierfiguren und Nixen auftauchen. Der als Lichtmotiv von dem Künstler gewählte Dämmerschein und die leichten Nebel in den Lüften bedingten die Zurückdrängung kräftiger Localfarben; die farbige Erscheinung des Gemäldes übt aber, wie das „Berl. Tgbl." mittheilt, eine höchst harmonische Wirkung aus und schließt viel poetische Stimmung ein.“
Anonym, "Theater und Musik", in: Hamburger Nachrichten, Nr. 219, 15. September 1886, Morgen-Ausgabe, 2. Beilage, o.p.

   „Zu der heiteren Pracht, in der Wände und Decke erstrahlen, bildet die ruhige Haltung des von Max Koch gobelinartig gemalten Vorhangs, in dessen tiefer Tönung ein mildes Grün vorwaltet, einen stimmungsvollen Gegensatz; das meisterlich gelungene Werk zeigt in dem von breiten, schön erfundenen Friesen umrahmten Mittelbilde ein Seegestade in Abendbeleuchtung und an demselben Oberon und Titania in einem von Schwänen gezogenen Wagen, umgaukelt von dem Elfenreigen, der sich über den See hin in der Dämmerung verliert.“
F., "Das neue Stadttheater in Halle a. S.", in: Deutsche Bauzeitung, 20. Jg., Heft 93, vom 20. November 1886, S. 553ff., Fortsetzung in Heft 96 ab S. 573, Schluss in Heft 97 ab S. 577, Zitat auf S. 574

„Im Kunstgewerbemuseum zu Berlin ist gegenwärtig der von dem Lehrer der Unterrichtsanstalt des Museums, Maler Max Koch, für das neue Stadttheater in Halle a. S. gemalte Vorhang auf einige Tage zur Ausstellung gelangt. In breiter, auf lichtblauem Fond grau in grau ausgeführter ornamentaler Umrahmung zeigt der Vorhang als farbiges, in lichter Tonstimmung gehaltenes Mittelbild die Darstellung eines Elfenreigens, der sich vom umbuschten Ufer eines stillen Wassers in die Luft emporschwingt.“
O.M., "Im Kunstgewerbemuseum zu Berlin", in: Kunstchronik, 21. Jg., Heft 44 vom 23. September 1886, S. 738.

„Einen würdigen Abschluß des Auditoriums gegen die Bühne hin bildet der Hauptvorhang. Er zeigt in seinem Mittelfelde ein Seegestade in Abendstimmung: Oberon und Titania schweben auf einem von Schwänen gezogenen Wagen durch die Dämmerung, einem Reigen der Elfen nach, welcher sich oben im Dunst verliert. Der zarte Ton dieses poesievollen Bildes, in reicher Umrahmung von Blau und Gold ebenfalls von Max Koch in Berlin gemalt, ist bei elektrischem Licht von überaus glücklicher Wirkung.“
A.P., "Korrespondenz, Halle a/S., 10. Oktober 1886", in: Kunstchronik, 22. Jg., Heft 2 vom 21. Oktober 1886, S. 21-24. Zitat S. 24.

Sonntag, 20. Dezember 2015

Theater am Schiffbauerdamm - Vorhang

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Der Sieg des Idealen über das Reale, 1892, Vorhang, Neues Theater am Schiffbauerdamm.
Der Verbleib des Vorhangs ist unbekannt.

Über den Künstler, der den ersten Vorhang für das Neue Theater am Schiffbauerdamm gemalt hat, gibt es in der zeitgenössischen Literatur sich widersprechende Aussagen. Am 20. Januar 1894 berichtete das Zentralblatt der Bauverwaltung in einem Artikel über "Das Neue Theater in Berlin" (14. Jg., Nr. 3, S. 21-24), dass der Vorhang von Woldemar Friedrich (1846-1910) gemalt worden sein: "Bei dieser künstlerischen Ausgestaltung seines Werkes haben dem Architekten hervorragende Kräfte zur Seite gestanden. So wird der Meisterhand Woldemar Friedrichs der Hauptvorhang verdankt. Professor Max Koch schuf mit seinen Schülern die Decken- und Gobelin-Malereien des Erfrischungssaales, Günther-Naumburg malte das Dioramenbild in diesem Raum, eine Darstellung der klassischen Theaterruinen von Taormina, und der bewährten Hand Ernst Westphals waren die gesamten decorativen Bildhauerarbeiten anvertraut, von der Nischenfigur über dem Haupteingange abgesehen, die vom Bildhauer Paul Peterich modellirt worden ist." (Zitat S. 24). Diese Zuschreibungen wurden mehrfach zitiert und als glaubwürdig angesehen.
Andererseits berichtete die Kunstchronik, Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe bereits im Dezember 1892 wesentlich detailierter wie folgt: „Der Vorhang ist von Professor Max Koch gemalt. Der Inhalt der Darstellung ist der Sieg des Idealen über das Reale. Ein Jüngling, der sein Ross hinter sich führt und von allerlei Gestalten gefolgt wird, steht am Rande eines Gewässers, aus dem Nixen auftauchen und ihn durch dargereichtes Geschmeide und Waffen zu verlocken suchen. Er beachtet aber weder ihre schönen Gestalten, noch die Schätze, die sie ihm bieten. Sein Blick ist aufwärts gerichtet nach einer Idealgestalt, die in den Wolken schwebt und ihm den Kranz entgegenstreckt." Anonym, "Vermischtes", in: Kunstchronik, NF 4. Jg., 1892/93, Heft 7, 1. Dezember 1892, S. 106-107, Zitat S. 107. Die Kunstchronik bezieht sich in ihrer Beschreibung auf einen Artikel in der Berliner "Post", den sie zitiert.
Dieser Zuschreibung ist bisher wenig Aufmerksamkeit geschenkt geworden, was verblüfft, denn angesichts des Bildes spricht stilistisch nichts für Woldemar Friedrich, aber alles für Max Koch. Zudem hatte der Architekt des Theaters Heinrich Seeling (1852-1932) zuvor die Stadttheater in Halle an der Saale und Bromberg gebaut und auch dort hat Max Koch die Vorhänge gemalt. Es gab also eine bereits etablierte Beziehung zwischen Koch und Seeling und da Max Koch mit Sicherheit das Foyer im Neuen Theater dekoriert hat, lag es nahe, ihn auch abschließend mit dem Vorhang zu beauftragen. Möglicherweise war Woldemar Friedrich einmal für den Vorhang vorgesehen oder in der Diskussion für die Vergabe. Vielleicht gab es auch eine Zusammenarbeit oder einen ersten Entwurf. Ausgeführt hat den Vorhang aber nach Ansicht des Autors Max Koch.
Dafür spricht auch die Größe der das Bildfeld umfassenden Dekorationen, die ungefähr die Hälfte der Gesamtfläche ausmachen. Das zentrale Bildfeld ist zunächst von einer Blumengirlande gerahmt, mit Muscheln in den Ecken und Musikinstrumenten am oberen Rand. Dieser innere Rahmen wird flankiert von gemalten Pilastern, die mit Grotesken verziert sind und unten in Kränzen abschließen. Zwischen den Kränzen ist ein Blätterwerk gemalt, das zwei Arrangements mit Masken zeigt. In der Mitte dann eine Muschel, aus der Pan schelmisch herausgrinst, vor ihm liegt die Panflöte und seitlich strecken zwei Schwäne ihre Flügel aus. Darunter noch ein weiterer Fries mit gemalten Troddeln. Die Vorhangfalten am oberen Rand sind plastische Ausformungen des Bühnenrahmens, die nicht verschwinden, wenn der Vorhang gehoben wird.
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Die oben gezeigte Fotografie ist ein Detail aus einer Fotografie, die im Architekturmuseum der TU Berlin aufbewahrt wird (Inv.-Nr. F5191). Sie ist rechts unten von Heinrich Seeling signiert und gehört zu einem umfangreichen Konvolut, das die Arbeiten von Seeling dokumentiert.
Die Fotografie wurde veröffentlicht als Beilage ohne Seitenzahl in: Deutsche Bauzeitung, 27. Jg., 1893, Nr. 78, (zum Artikel auf den Seiten 473-474). Eine andere Aufnahme, die den Vorhang von Max Koch zeigt, ist dem Autor noch nicht bekannt.