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Donnerstag, Juli 03, 2025

Im Kindergarten

Mitte Oktober wird es Regional- und Gemeinderatswahlen in Estland geben. Für gewöhnlich überbieten sich da im Wahlkampf die Parteien in Selbstdarstellung. In der Hauptstadt Tallinn wirkt sich das dann so aus, dass die im Stadtrat bisher regierende Vier-Parteien-Koalition wackelt; neben Eesti 200, die Vaterlandspartei (Isamaa), und den Sozialdemokraten (SDE).versucht sich offenbar besonders Reformpartei neu zu positionieren. 

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Vor wenigen Tagen verkündeten Vertreter der Reformpartei: "Wir können mit dem gegenwärtigen Bürgermeister nicht weitermachen." (err) Statt dessen wurde aber kein Kandidat der eigenen Partei, sondern Unternehmer Urmas Sõõrumaa für das Bürgermeisteramt vorgeschlagen (reform). Als ausschlaggebender Grund wurde angegeben, man habe sich nicht mit den bisherigen Koalitionspartnern auf eine Abschaffung der Kindergarten-Gebühr einigen können. Bürgermeister und Sozialdemokrat Jevgeni Ossinovski reagierte umgehend und entließ seine beiden Stellvertreter Pärtel-Peeter Pere und Viljar Jaamu (beide Reform Partei). (err) Ordentlich was los in der estnischen Hauptstadt! 

Hauptstadtgeschacher 

Sozialdemokrat Vladimir Svet sprach sich daraufhin für Direktwahlen des Tallinner Bürgermeisters aus und bezeichnete die gegenwärtigen Vorgänge als "Polittheater". Es lohnt aber ein Blick zurück auf die vergangenen Jahre. Für sehr lange Zeit, in den Jahren 2005 bis 2021, konnte die Zentrumspartei über eine absolute Mehrheit im Stadtrat Tallinn verfügen. Danach gab es eine Koalition mit den Sozialdemokraten, die bis 2024 hielt, als der damals amtierende Bürgermeister Mihhail Kõlvart (Zentrum) durch ein Misstrauensvotum abgewählt wurde - indem die Sozialdemokraten mit der Opposition stimmten. Damals wirkte sich dieser Vorgang ziemlich negativ auf die Umfragewerte der Sozialdemokraten aus (err). Sozialdemokrat Jevgeni Ossinovski wurde dann Nachfolger im Bürgermeisteramt, brauchte aber drei Wahlgänge um gewählt zu werden. 

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"Ich habe nicht die Absicht, noch vor den Wahlen Bürgermeister zu werden", ließ Ex-Bürgermeister Kõlvart (Zentrum) jetzt verlauten lassen (err) Erwartet wird von vielen dennoch, dass er früher oder später ins Amt des Bürgermeisters zurückkehren wird. 

Gebührenwettbewerb

Den Streit über die Kindergarten-Gebühr halten viele für nur vorgeschoben, denn deren Abschaffung sei schon länger versprochen und bisher von niemand realisiert worden. Zudem lohnt ein Blick in andere Gemeinden, wo die Reformpartei regiert - wie zum Beispiel Tartu: auch dort ist die Kindergarten-Gebühr bisher nicht abgeschafft worden. Immerhin zahlen Eltern in Tartu 81€ pro Monat, während in Tallinn die Gebühr von 71.25€ auf 50€ gesenkt wurde (und eine weitere Senkung auf 35€ ins Auge gefasst war). Aus der Gemeinde Rae, im "Speckgürtel" von Tallinn gelegen, werden sogar Gebühren von 132.90€ gemeldet - es gibt allerdings auch abgestufte Modelle, ab dem dritten Kind ist es dann gebührenfrei (err)

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Die ganze Diskussion findet allerdings im "Windschatten" des Großen Estnischen Sängerfests statt. Da setzen vielleicht einige darauf, dass Estinnen und Esten politische Streitfragen in dieser Zeit weniger beachten oder schnell vergessen. 

Digitale Statistik 

Bei insgesamt ungefähr einer Million Wahlberechtigten in Estland lassen sich Wahlstatistiken relativ leicht in Prozent umzurechnen: wenn also 600.000 Menschen zur Wahl gehen sollten, sind das auch ungefähr 60%. 
Seit 1999 ist der Prozentsatz der Wahlberechtigten, die vor dem eigentlichen Wahltag schon ihre Wahlentscheidung treffen, beständig angestiegen - für 2025 ist zu erwarten, dass etwa 200.000 Personen online per Internet wählen (das wird vom 13. Oktober an möglich sein) Bei den letzten Kommunalwahlen 2021 machten Online-Wähler/innen 64,6% aller derjenigen aus, die bereits vor dem Wahltag vorab wählten, also 46,9% aller Wähler/innen insgesamt. Auffällig auch: Die Wahlmöglichkeit online nutzen in Estland deutlich mehr Frauen als Männer. (valimised

Samstag, Oktober 31, 2015

Der schönste Mann

Bei den Estinnen und Esten sind eher Präsdent Ilves und Ex-Regierungschef Andrus Ansip beliebt, bei Russen in Estland eher Edgar Savisaar oder Vladimir Putin - soweit, so wenig überraschend. Wer aber ist Märt Avandi? Das estnische Umfrageinstitut EMOR TS fragte nach dem idealen Mann - und dieser war der meist genannte. Außerhalb Estlands vielleicht noch nicht so bekannt, aber das kann sich vielleicht bald ändern.

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Freund der Kinder, starker Partner für die Frauen - aktuell
beeindruckend auch für die Estinnen (Abb.: Zorro-Film)
Märt Avandi - der estnische Til Schweiger? In der Pressemeldung zur Umfrage (ERR) ist davon die Rede, die "durchschnittliche estnische Frau" bevorzuge intelligente, gutherzige Männer. Avandi - der Name klingt für Unwissende ein wenig nach Autovermietung oder Italo-Restaurant - könnte aber zumindest auch deutschen Filmfans bald ein Begriff werden. Avandi ist aktuell der Hauptdarsteller in der finnisch-estnischen Koproduktion "Miekkailija" ("Vehkleja"), der bereits im Juni auf dem Filmfest München zu sehen war und im Dezember unter dem Titel "Die Kinder des Fechters" auch in die deutschen Kinos kommt (siehe Trailer).In Deutschland sind der Bayrische Rundfunk und ARTE Partner, also in diesen Programmen wird der Film wohl auch Platz finden. Für Regisseur Klaus Härö ist dieser Film bereits die vierte Nominierung (Vorschlag) Finnlands für den besten ausländischen Film bei den US-Acedemy Awards (Oscars). Auf diese Weise - denn es ist ja der Vorschlag Finnlands - gibt es jetzt zwei estnische Kandidaten: der estnische Vorschlag ist "1944" (siehe Blog).

ImageMärt Avandi spielte bereits auf den Bühnen der Theater in Rakvere, Pärnu und Tallinn, trat auch als Sänger, Moderator und Comedian auf.2009 bekam er am estnischen Schauspielhaus den "Großen Ants" ("Suur Ants") verliehen, ein Preis für die Rolle des Asaf in dem Stück „Because ehk mängud tagahoovis“ ("Because", oder "Spiele im Hinterhof"). 2013 bekam er den Oskar Luts Preis für Humor. Auch Gastgeber der TV-Show "Estland sucht den Superstar" war Avandi schon. ImageEin viel beschäftigter Schauspieler ist Avandi sowieso. Und glücklich verheiratet ist er auch - mit Ehefrau Liis-Katrin, Tochter des Musikers, Komponisten und Sängers Tõnis Mägi; zur Familie gehören noch Sohn Herman und Tochter Helmi.

Aber was kümmert das die Verehrerinnen, wenn er dennoch in Filmclips sich weiterhin so exklusiv präsentiert wie gegenwärtig als Werbefigur für das Kinderspektakel "Pardiralli" - in einer Badewanne, allein. Mit einem ernsten Hintergrund: Märt und Liis-Katrins erster Sohn Albert starb 2012 an Krebs - das Festival wird zugunsten der Krebsforschung und der Behandlung von Krebskranken veranstaltet. Die Avandis engagieren sich auch für die estnische Vereinigung der Eltern von Krebspatienten (Eesti Vähihaigete Laste Vanemate Liit). Da scheint die Vorbildfunktion doch vielfach verdient, sicher nicht nur in den Augen der estnischen Frauen.

Freitag, Juni 05, 2015

Kinderbetreuung landesweit ungleich

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Auch in Estland machen die Erzieher/innen und Mitarbeiter in Kindergärten und Betreuungseinrichtungen für Estlands Nachwuchs mobil. 16.000 Unterschriften wurden kürzlich gesammelt, um gegen die landesweit sehr ungleiche Bezahlung zu protestieren. Ein eindrucksvolles Beispiel nennt die Nachrichtenagentur ERR: während eine Angestellte eines Kindergartens in dem kleinen südost-estnischen Städtchen Kallaste mit 427 Euro monatlich lediglich knapp über dem vorgeschriebenen Mindestlohn liegt, zahlt man für die gleiche Arbeit auf der Insel Vormsi 1.132 Euro. Reiche estnische Gemeinden würden ihre Mitarbeiter/innen von armen Gemeinden systematisch abwerben, so der Vorwurf. In den Kinderbetreuungseinrichtungen solle dasselbe System wir in estnischen Schulen eingeführt werden, so die Forderung. Dort gilt ein Mindestlohn von brutto 900 Euro.

Insgesamt fehlt es in vielen estnischen Gemeinden an Kindertagesstätten, gerade in größeren Städten wie Tartu und Tallinn. Mit Hilfe des EU-Sozialfonds soll es nun finanzielle Unterstützung für Gemeinden beim Aufbau neuer Einrichtungen geben. Untersuchungen zufolge arbeiten etwa 6.000 Estinnen und Esten nur deshalb nicht, weil sie tagsüber keine Betreuung für ihre Kleinkinder finden können. In 93% der Fälle übernehmen dann die Frauen diese Aufgabe. Estnische Gesetze sehen eigentlich eine Garantie für einen Betreuungsplatz vor sobald das Kind 18 Monate alt ist.