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Sonntag, Dezember 18, 2022

Endstation Narva

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Manchmal wird es als "russische Enklave" bezeichnet, oder als "Rand Europas". Für andere wiederum beginnt Europa eben genau hier. Wegen seiner zahlenmäßig starken russischen Miniderheit ist Narva schon länger in der Diskussion - wie sieht die Zukunft dieser Region aus? 

Nun zieht Russland den Schlagbaum herunter; der Grenzübergang Narva soll für ganze zwei Jahre komplett geschlossen werden. Grund: angeblich dringend notwendige Renovierungsarbeiten. Zumindest für Fahrzeuge soll der Übergang zum russischen Ivangorod komplett geschlossen werden. Nur für Fußgänger soll eine Übergangsmöglichkeit offen bleiben. 

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Etwa 340.000 Fahrzeuge werden derzeit pro Jahr gezählt, die den Übergang zwischen Narva und Ivangorod passieren. "Wenn das komplett geschlossen werden sollte, wird das auch einen negativen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung in Narva haben," äußert sich Narvas Bürgermeisterin Katri Raik besorgt. "Dann werden wir zu einer Art Sackgasse. Die Beschäftigungsmöglichkeiten werden zurückgehen, zum Beispiel im Bereich Logistik". (ERR)

Wie estnische Behörden bekannt gaben, wird auch noch nach Lösungen für die Busverbindungen zwischen Tallinn und St.Petersburg gesucht.Möglicherweise müssten dann Reisende die Grenze zu Fuß passieren, um Verkehrsverbindungen auf estnischer Seite zu erreichen. (ERR)  Heißes Diskussionsthema war in Narva zuletzt die Entfernung eines Sowjetpanzers gewesen, der als Denkmal an den Zweiten Weltkrieg erinnerte - er war demontiert und in ein Museum gebracht worden. (ERR / Deutschlandfunk)

Freitag, Oktober 11, 2019

Modell Narva

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Wenn von einem "Modell Narva" die Rede ist, dann ist bisher meistens wenig Positives gemeint. Als Estland Anfang der 1990iger Jahre seine Unabhängigkeit wieder erlangte, wollten 1993 manche per Referendum die Stadt für "autonom" erlären.

Wer in Narva (Narwa?) estnisch sprechen möchte, muss außerhalb der eigenen Familie lange suchen: um die 95% sind russischsprachig, es wird viel russisches Staatsfernsehen geschaut. Blau, rot oder grau - das ist hier die Frage: die Menschen hier haben entweder den blauen estnischen Pass, den roten russischen, oder den grauen Pass der "Nichtbürger" - die aber doch Einwohner Estlands sind. Staatsbürger ohne Bürgerschaft - ein immer noch existierendes Absurdum.

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Narva als Objekt des Medieninteresses: gelegentlich als "möglicher Konfliktherd mit Russland" benannt ("The Atlantic"), oder bildhaft "Wo der Westen endet" (Tages-Anzeiger),  "Getrennte Zwillinge" (DRadio), oder auch "letzter Halt vor Russland" ("Westfälischen Nachrichten"). Nun hat in Narva ein "Haus der estnischen Sprache" (Eesti Keele Maja)  eröffnet (err). Ob es den vielen Russischsprachigen beim Aufbau einer estnischen Identität helfen kann? Eine Devise scheint für das Projekt wichtig: alle Varianten des Estnisch-Lernens sollen kostenfrei angeboten werden. Die Initiatoren, darunter mehrere estnische Ministerien, stellten es bei der Eröffnung auch als Standortvorteil heraus, dass die neue Einrichtung direkt nebenan zu mehreren anderen Einrichtungen liegt: dem Kunstzentrum "Vaba Lava", dem Studio Narva des estnischen Rundfunks- und Fernsehens ERR, und einem "object business incubator".

Doch eines dürfte klar sein: auch wenn davon die Rede ist "lasst uns eine gemeinsame Sprache finden", dann dürfte hier nicht irgend eine beliebige Sprache gemeint sein.  Gemeinsame Sprache Estnisch? Zur "Estonianness" ist es bisher immer noch ein weiter Weg.

Freitag, Januar 12, 2018

Präsidentialer Umzug, zeitweilig

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Die estnische Präsidentin Kersti Kaljulaid machte um die Jahreswende herum innenpolitische Schlagzeilen: "Präsidentin zieht nach Narva" klang zunächst unglaublich, da es auch zuerst in russischsprachigen Programmen verbreitet wurde. Erstaunlicherweise beziehen sich diese Pläne auf ein Kulturprojekt aus dem Theaterbereich.

Seit den sowjetischen Zeiten musste in Estland immerhin kein einziges Theater geschlossen werden. 2017 hatte Estland 10 traditionelle Theater und etwa 50 unabhängige Theaterprojekte aufzuweisen. Die estnische Theaterwissenschaftlerin Madli Pesti bezeichnet das Theater sogar als die in Estland populärste Kunstform - einer der Gründe für die guten Überlebenschancen der vielen Theatergruppen. Und bei nur 1,3 Millionen Einwohnern sind ja auch 200 Theaterpremieren pro Jahr wirklich viel. Die Stiftung "Vaba Lava" wurde 2010 gegründet, und soll sowohl Räumlichkeiten zur Verfügung stellen wie auch Unterstützung geben für unkonventionelle Projekte und Experimente. "Vaba Lava" eröffnete in Tallinn 2014 und hatte bereits im ersten Jahr 60.000 Besucher.

Nun steht für 2018 die Eröffnung des "Vaba Lava Nr.2" an - eben in Estlands drittgrößter Stadt Narva. Hier, wo die Mehrzahl der Bewohnerinnen und Bewohner russischsprachig ist, wird dem Projekt nicht nur eine künstlerische, sondern auch eine wirtschaftliche, soziale und integrative Funktion zugeschrieben. Das Projekt ist eine Kooperation zwischen dem estnischen Kulturministerium und privaten Investoren. Grundlage sind dabei festgeschriebene, günstige Mietkosten für die Räumlichkeiten. Die estnische Kulturförderung ist aufgebaut auf der Kulturstiftung "Eesti Kultuurkapital", die bereits seit 1994 finanziert wird durch Einnahmen aus 3% der Mehrwertsteuer auf Alkohol und Tabak und 46% aus der estnischen Steuer auf Glücksspiel, dazu noch andere Zuwendungen zugunsten der Kulturstiftung.

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"Vabalava" Tallinn
"Vaba Lava" ("Open Space" / "Freie Bühne") in Tallinn wird getragen von  9 unabhängigen Theatern und Tanzgruppen, sowie von mehr als 30 Firmen. "Vaba Lava" unterhält keine stationäre Theatertruppe, nur ein alle zwei Jahre wechselndes Team von Kuratorinnen und Kuratoren - in den Jahren 2015-16 war auch Thomas Frank aus Leipzig in dieser Funktion tätig. Der Focus liegt ganz auf die Etablierung internationaler Kooperationen, die Projekte werden größtenteils finanziert von der Estnischen Kulturstiftung. Diese ausgewählten Projekte machen dann etwa die Hälfte des Festivalprogramms aus, die andere Hälfte bilden andere Veranstaltungen, Konzerte, Ausstellungen, Kinofilme. Bei den Investitionen vor Ort wurde "Telliskivi Maja" als Sponsor gewonnen, die das "Telliskivi Creative City" Veranstaltungszentrum betreiben, eine ehemalige Maschinenfabrik.

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Der Ort, wo "Vabalava 2" in Narva entsteht, sind Gebäude auf dem Gelände der ehemaligen Sowjetfirma "Baltijets", die in den Jahren 1947-1993 existierte (davor wurden am selben Orte Farben hergestellt). "Baltijets" beschäftigte sich mit der Herstellung von Metallen der seltenen Erden und gehörte zum militärischen Komplex der Sowjetunion.Im November 2018 soll "Vabalava 2" dann eröffnet werden. Das fertige Gebäude soll drei Ebenen haben und insgesamt 2600 m2 umfassen. Neben einem Theater mit 220 Sitzplätzen werden auch ein Fernseh- und Radiostudio, das örtliche Kindertheater, und Galerie und Café untergebracht werden. Auch mit Partnern im nur 150km entfernten St.Petersburg soll eine Zusammenarbeit angestrebt werden.

"Offene Bühne Narva" wird also die Adresse der Präsidentschaftskanzlei im Herbst 2018 sein, einen Monat lang. “Mein Vater und mein Halbbruder wuchsen in Narva auf, und ich habe nie spannendere Stadtrundgänge erlebt als die mit meinem Vater dort", wird die Präsidentin im russischsprachigen ETV+ zitiert. Gegenwärtig leben etwa 57.000 Menschen in Narva, für fast 90% davon ist die Muttersprache Russisch.

Mittwoch, Mai 18, 2011

Jugend in Narva

Auch wenn die Zeiten der illegalen Referenden über eine Autonomie von Ida-Virumaa, dem vorwiegend von Russen bewohnten Landkreis im Nordosten Estlands bald 20 Jahre her sind, ist das Thema der Russen immer noch eines, wenn auch nicht im täglichen Bewußtsein. Ida-Virumaa ist von Tallinn und Tartu aus weit weg – aus den Augen aus dem Sinn. Vor Ort ist es mit dem Estnischen nach wie vor schwierig – logisch: Warum sollten plötzlich russische Muttersprachler miteinander Estnisch sprechen. Estnisch ist nun nicht gerade eine einfache Sprache, vor Ort braucht man sie nicht und warum sollte man gerade eine so kleine Fremdsprache wie das Estnische lernen. In einer EU mit Freizügigkeit sind da andere viel interessanter.

Aber das gilt nicht ausschließlich. Die Zeitung Postimees berichtete jüngst, daß sich russische Jugendliche in Narva, dem Zentrum Ida-Virumaas und immerhin drittgrößter Stadt Estlands mehr Möglichkeiten wünschen, das Estnische zu praktizieren. Das wurde auf einem Schülerforum diskutiert, in dem es unter anderem um den Übergang zu Estnisch als Unterrichtssprache im Kreenholm Gymnasium ging.

Die Motivation der Schüler ist einfach, sie wollen in der Europäischen Union studieren und da gibt es eben keine Möglichkeit, die Ausbildung auf Russisch fortzusetzen, meinen die Schüler.

Letzteres stimmt nur bedingt. In Riga gibt es mit der Internationalen Baltischen Akademie eine Hochschule mit russischer Unterrichtssprache, und das in Sillamäe / Ida-Virumaa ansässige College für Ökologie und Technologie hat sich schon vor Jahren in ein Institut für Management verwandelt mit Filialen in anderen estnischen Städten, darunter selbstverständlich auch Narva und sogar Tallinn. Fragwürdig ist an diesen Institutionen natürlich die Qualität der Ausbildung.

Samstag, Mai 08, 2010

Kreenholm ja Narva kosed

Die aussergewöhnliche Wassermenge im Frühjahr hat in Narva zu einem selten gewordenen Naturschauspiel geführt. Die eigentlich größten Wasserfälle in Estland, in Narva. Die Kreenholm-Insel teilt den Fluss. Durch die Wassernutzung sind die Wasserfälle sozusagen die meiste Zeit außer Betrieb gesetzt.

"Der Wasserfall von Narva war einst einer der größten in Europa, mit einer Breite 77m an der estnischen Seite und 130 m an der östlichen Seite und 3-6 m hoch. In den 50-ger wurde an der russischen Seite das Wasserkraftwerk erbaut und so wurden die Abstufungen und Täler des ehemaligen Falles meist trockengelegt. Das Wasser wird angestaut und so hat Estland seinen drittgrößten See bekommen. Der Unterlauf des Flusses ist schiffbar, überall kann man mit dem Boot fahren oder angeln. Auf dem alten Wappen der Stadt ist der ehemals wichtigste Fisch des Flusses – der Stör – dargestellt. Heute ist der bekannteste Fisch des Flusses das Flussneunauge."
aus maaturism.ee

Mittwoch, Oktober 31, 2007

Grenz - Meditationen

Grenzen wecken schnell Emotionen, besonders wenn sie nicht leicht passiert werden können.
So war es an der deutsch-polnischen Grenze und den kilomterlangen LKW-Staus vor über 10 Jahren. Die Warteschlangen am damals engen polnisch-litauischen Übergang sind vielen Betroffenen noch in Erinnerung.
Und 1991 war vorübergehend der Übergang von Russland nach Estland dicht. Von Ivangorod nach Narva. Daraus lassen sich leicht Schlagzeilen machen:
"Nieder mit der Grenze" titelte in einem Beitrag DER SPIEGEL 52/1992 in der Serie: Die Leiden der Russen. LKWs wurden bei nicht ganz formal richtigen Papieren zurückgeschickt, die Wartedauer war lang von russischer nach estnischer Seite:
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Nicht wenige in Russland äusserten ihre Angst wegen des Warenabflusses Richtung Baltikum. Das hat sich nun geändert. 2007 stauen sich die LKWs auf estnischer Seite. Und es sieht so aus als seien die Gründe ähnlich wie damals nach Polen und Litauen. An der Landesgrenze wurde erst spät investiert. Mit steigendem Gütervolumen leiden die Fahrer am meisten.
Hier das Meditationsvideo, aufgenommen von Narva bis zum Ende der Warteschlange, von Pudrumulk:

via Larko, der darauf hinweist, dass auch in Finnland die gleiche Situation herrscht. Also "normale" europäische Zustände, wie wir sie von früher kennen.

Sonntag, Mai 13, 2007

Das alltägliche Leben III

Narva ist die drittgrößte Stadt in Estland. Nach Tallinn und Tartu. Und laut diesem BBC-Bericht: Narva ist 100% russischsprachig, Esten machen 3% der Stadtbevölkerung aus. Und dieser Bericht beschreibt die Vorteile der zweisprachigen Ausbildung. Hier der zweite Teil einer BBC-Serie.
Das deckt sich auch mit den Aussagen der Vertreter Narvas, junge Musikstudenten, im letzten Jahr bei den Hansetagen in Osnabrück.
Photo: Russische Folkloregruppe beim Besuch der estnischen Stände, darunter Narva, während der Hansetage in Deutschland im letzten Jahr.
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Dienstag, März 20, 2007

Russland - Estland

In den letzten Wochen zieht das Ringen um die Deutungshoheit über den 2. Weltkrieg zwischen Estland und Russland weitere Kreise.
Der Guardian, eine der wichtigsten britischen Publikationen, veröffentlichte eine Stellungnahme des estnischen Botschafters in London mit heftigen Leser-Reaktionen im Kommentarteil. Via 'A Step At A Time': Replying to Propaganda.
Ein weitere Übersicht zum Verhältnis mit Russland wurde aus Tel Aviv gepostet. Paul Abelsky: Russian Diasporas Struggle to Integrate in Latvia and Estonia
Ein Auszug:
"Russia's understanding of history is to be blamed for the conflict situation," said Kadri Liik, director of the Tallinn-based International Center for Defense Studies.
"Russians are restoring something close to the Soviet interpretation of history, and they haven't yet understood basic things to bring them closer to Estonia. Most Russians think the USSR won the war thanks to Stalin, but he was an ally of Hitler, and maybe the great sacrifice in the war could have been a lot less without him."

After joining the EU and NATO in 2004, Estonia has not felt constrained to air its grievances, although it has found little overt support inside the European establishment. The burden of mending the ties between the two countries, according to Liik, is on Russia and its ability to reassess the Soviet past. "Estonia wants a constructive relationship and no one is setting any conditions," she said. "Moscow's reaction is so emotional because it feels we are invading their concept of history. The process of reconciliation should happen naturally. If Russia is unable to take a critical view of history, it is going to be a problem for its relations with the rest of the world."


Update: Ich habe gerade über Abelsky recherchiert, besser gesagt: gegoogelt. Der Post aus Tel Aviv sagt nicht viel aus. Abelsky arbeitet auch für RussiaProfile.org . Dort steht zu seinem Lebenslauf:
Paul Abelsky was born in Minsk, Belarus, and grew up in the Chicago area after immigrating to the United States in 1991. Educated in European history at Amherst College and Yale University, he has worked as a journalist in Russia since 2004.

Und der Artikel stammt ursprünglich von dieser Webseite.

Sonntag, Oktober 01, 2006

Noch ein Postkartenfund - Narva

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Vielleicht bekannt, vielleicht nicht. Narva in alten Zeiten.

Mittwoch, April 26, 2006

Narva - 1.Weltkrieg und die Fotos

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Narva Church WWI Eastern Front
Originally uploaded by Jens-Olaf.
Im letzten Jahr handelten einige Posts von der deutschen Ostfront im 1. Weltkrieg. Ein deutscher höherrangiger Soldat hatte Fotos aus den Besatzungsgebieten aufbewahrt. Zum großen Teil war er selbst mit der Kamera unterwegs. Bis vor kurzem waren die Aufnahmen in Privatbesitz. Wir haben diese bei dem Fotoprogramm Flickr im letzten Jahr hochgeladen. Mit der Zeit gab es Reaktionen und Kommentare darauf. Sie reichen von Finnland, Russland bis in die USA. Einige haben wertvolle Zusatzhinweise geliefert. Hier ist eine Information, die ich per Email erhalten habe, und zwar zu dieser Straße in Narva im Nordosten Estlands.
"This new pic You uploaded is a view of the church by "Kiriku street". "Kirik"="church" in Estonian. The street used to be a straight line from orthodox church to lutherian church, both built by Krenholm manufactory for their workers. Narva was till 1917 actually in a unique situation. When the territory, refered nowadays as Estonia was divided between Livonian and Estlandian Gouvernments of the Russian Empire, the city of Narva belonged to St. Petersburgh Gouvernment. But only the city itself. The surroundings, including the Krenholm factories that are inside city now, belonged to Estlandian Gouv. In factories worked much more people, than lived in the city. So the factories decided to build there own churches, as people couldn't go to church into another Gouvernment. Crazy ... "

von Seemerep (Synonym), der Historiker in Narva ist.