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21. August 2020

Bela-Baltischer Weg

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Besonders seit Wiedererlangung der Unabhängigkeit ist der 23. August in allen drei baltischen Staaten immer ein ganz besonderer Tag. 2019 wurde der 30.Jahrestag der damaligen Aktioin gefeiert, als eine 600km lange Menschenkette von Vilnius über Riga nach Tallinn an die durch den Hitler-Stalin-Pakt verursachte gewaltsame Okkupation der baltischen Staaten erinnerte. In diesem Jahr nun sollen sich Lettinnen und Letten im kleinen Ort Piedruja versammeln. Warum? 

In der Nacht vom 22. auf den 23. August werden sich hier diejenigen zusammenfinden, die aktuell die dringende Notwendigkeit der Solidarität mit der Oppositionsbewegung in Belarus ausdrücken wollen. Piedruja ist an der Daugava gelegen und gehört zum Bezirk Krāslava. Aber Piedruja ist auch an der Daugava gelegen, und auf der anderen Seite des Flusses befindet sich ... Druya in Belarus. 

2018 feierte Piedruja sein 400-jähriges Bestehen - für die Handelswege zwischen Vilnius und Pskow damals ein wichtiger Übergang über die Daugava, und damals Teil des litauisch-polnischen Herrschaftsbereichs. Heute hat der lettische Teil des Ortes weniger als 800 Einwohner*innen, davon allerdings 58% mit belarussischem "Verwandschaftshintergrund". Druya in Belarus, auf der anderen Seite des Flusses, hat heute noch 1500 Bewohner*innen. Früher prägten auch starke jüdische Gemeinden beide Orte.

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Auch der lettische Teil des "Baltischen Wegs" weist - zusammen
mit den Litauer*innen - 2020 ganz Richtung Belarus

Hier als soll am 23. August ein ganz besonderes Zeichen gesetzt werden. Die Aktion, zu der die "Latvijas Pilsoniska Alianse" aufruft, ein Zusammenschluss lettischer Nichtregierungsorganisationen, der wiederum diesmal eng mit litauischen Partnern zusammenarbeitet, um an diesem speziellen Tag (günstigerweise auch ein Sonntag) zu zeigen: unser "Baltischer Weg" weist diesmal Richtung Belarus. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich anzuschließen: die einen fahren direkt nach Piedruja, es besteht aber die Möglichkeit sich auch für ähnliche Aktionen in Riga oder anderen Städten anzumelden und gleich mit anzugeben: benötigt jemand Transport, oder kann jemand Transportmittel anbieten? 

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In Litauen wird die Aktion "Laisvės kelias" in Vilnius beginnen und an der belarussischen Grenze, am Kontrollpunkt Medininkai, enden (siehe FB-Seite). Die Veranstaltung wird von der litauischen Polizei und von Krankenwagen begleitet, wegen der Corona-Pandemie wird das Tragen einer Mund-Nasen-Maske empfohlen. Laut Angaben der Organisator*innen sollen sich bereits etwa 34.000 Litauer*innen zur Teilnahme registriert haben. Es wird aber darauf hingewiesen, dass es teilweise besonderer Ausweisdokumente bedarf, die das Betreten der unmittelbaren Grenzregion erlauben. Auf dem Gelände der Burg von Medeninkiai soll es dann ein Konzert mit Künstlern wie z.B. Andrius Mamontovas geben, zu dem auch Präsident Gitanas Nausėda und Ex-Präsidentin Dalia Grybauskaitė ihre Teilnahme angekündigt haben. Das litauische Fernsehen wird live übertragen.

27. Januar 2019

Laß es Lein sein!

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Lettland war vor allem zwischen den Weltkriegen stolz auf die Erzeugnisse lettischer Landwirtschaft, die mitgeholfen haben, das eigene Land aufzubauen und ein eigenes Selbstbewußtsein zu entwickeln. So soll etwa lettische Butter in Berliner Hotels das edelste und beste gewesen sein, das dort in den Gourmetküchen Verwendung fand.

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Auch der Anbau von Lein hat in Lettland durchaus seit längerem bereits Tradition. Nun wurde zum ersten Mal seit 84 Jahren in Lettland auch wieder eine neue Leinsorte gezüchtet. Diesen Erfolg reklamieren zwei Institute für sich: das Landwirtschaftliche Wissenschaftliche Institut Latgale (Latgales lauksaimniecības zinātnes centra LLZC) und das Institut für Agroressourcen und Ökonomie (Agroresursu un ekonomikas institūta AREI).

Flachs (Linum usitatissimum L.) ist eine der ältesten Kulturpflanzen Europas. Seit 1923, als der Flachsanbau Teil der lettischen Landwirtschaftspolitik wurde, haben sich aber die Anbauflächen auch in Lettland stark verringert. Die Flachssorten werden in zwei Gruppen unterteilt: entweder zur Produktion von Öl (die Samen enthalten bis zu 40%), oder zur Fasergewinnung. Zu Sowjetzeiten wurde 1970 der Anbau ganz eingestellt, 1993 im unabhängigen Lettland dann wieder aufgenommen. Zuletzt sank die Anbaufläche in Lettland allerdings allein zwischen 2005 und 2008 von 2000ha auf nur noch 600ha. Konsequenz: eine Zukunft kann es nur mit neuen Ideen geben!

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Was bisher fehlte: es gab keine speziell auf lettische Wetterbedingungen abgestimmt gezüchteten Sorten. Flachsrost, ausgelöst durch Pilze, war bisher ein großes Problem.
Der Erfolg kam nun mit der Zuchsorte ‘I 18-1’, genannt "Vilani"; sie soll sowohl für die Öl- als auch Fasergewinnung geeignet sein. Sie wird mit einer Vegetationsperiode von 83 Tagen als mittelfrühe Sorte eingestuft. Die Sorte blüht weiß und gilt als dem lettischen Klima gut angepasst.

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Ehrung mit Präsident:
Dr. Veneranda Stramkale, Chefwissenschaftlerin des
agrarwissenschaftlichen Instituts in Latgale
Es ist das erste Mal seit 84 Jahren, dass wieder eine lettische Sorte neu registriert werden konnte. Das lettische Landwirtschaftsministerium verlieh der Agrarwissenschaftlerin Dr. Veneranda Stramkale im Rahmen des Wettbewerbs “Sējējs 2018” einen Preis für ihr Lebenswerk. (Landwirtschaftsministerium)

Dr. Veneranda Stramkalne, die im Dezember ihrem 80.Geburtstag entgegen sieht, betreibt zusammen mit ihrem Sohn Aldis eine kleine Filiale des AREI-Instituts in Viļāni in Latgale - “Latgales lauksaimniecības zinātnes centru”. Die neue Leinsorte bedeutet also auch eine Referenz an diesen Ort. Auf 53 Arbeitsjahre in der Landwirtschaft kann Stramkalne bereits zurückblicken. "Mir wurden schon oft andere Jobs angeboten, aber ich denke, ich mache momentan genau das, was den Menschen direkt nutzen kann - ich könnte ja jedem Bauern eine Ratgeberin sein," so erzählte es die Wissenschaftlerin in einem Interview (lsm).
Nirgendwo anders ist größere Vielfalt zu finden als bei Dr. Stramkale am Ufer des Flüsschens Malta: 14 verschiedene Kulturpflanzenarten und insgesamt 102 Sorten sind hier zu finden. "Zwischen April und Oktober bin ich eigentlich immer auf dem Feld," erzählt die Forscherin, die sich auch in einer wichtigen Rolle für die Region Latgale sieht.

Bleibt noch ein Vorschlag. Der 3000-Einwohner-Ort Viļāni weist stolz eine eigene städtische Hymne aus. Dort wird bisher der "weiß blühende Faulbaum" (lett. "Ieva") besungen - es könnte ja in Zukunft auch die Leinblüte sein.

24. April 2017

Nicht nur die Oma vom Lande

Lettische Frauen, die Aufmerksamkeit der internationalen Presse erregen? Nein, diesmal weder Politikerin, Model, Sportlerin noch Sängerin.
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Die junge Zelma Brezinska fotografiert Hochzeiten in Latgale, dem Osten Lettlands. “Schon seit meine Kindheit habe ich verschiedene Formen, mich kreativ ausdrücken zu können, gesucht. Musik, Tanz Theater," erzählt Zelma dem Portal "KasJauns". "Dann kam ich zur Fotografie, und seitdem diskutieren wir über schönes oder nicht schönes, über den Alltag und über Feiertage, über Ereignisse, Menschen, und das Leben insgesamt." Nun erregte eines ihrer Fotos Aufsehen. Das Motiv war nicht schwer zu finden: ihre eigene Mutter.

Die "Deutsche Welle" hatte zusammen mit dem Fotoblog "eyeem.com" zu einem Fotowettwerb untter dem Motto aufgerufen: Frauen in der ganzen Welt. 25.000 Fotos wurden eingereicht, 10 Siegerfotos ausgewählt. Zelma fotografierte ihre Mutter in dem Haus, dass sie zusammen mit ihrem Ehemann vor 60 Jahren selbst aufgebaut hat. "Lettland war für viele Jahre Teil der Sowjetunion, und damals mussten Frauen viel physisch leisten um für ihre Familien zu sorgen," erzählt Zelma. "Frauen haben sich in dieser Gesellschaft bewähren müssen, Arbeit wie die Männer leisten, so wie Gräben ausheben oder Traktor fahren."
"Eines jedoch hatten sie nicht - gleiche Bildungschancen, so wie wir sie heute haben", meint Zelma. "Die harte Arbeit ruinierte ihre Gesundheit, und als Lettland die Unabhängigkeit wiedererlangte verloren viele Frauen ihr Erspartes; heute bekommen sie eine Rente, die nicht mal zum Bezahlen der notwendigen Medikamente reicht."

Aber von Latgale, ihre Heimatregion, schwärmt Zelma: "Latgale mit der außerordentlich schönen Natur und die Menschen dort haben schon viele Fotografen inspiriert, darunter auch mich. Das ist die Traum-Landschaft meiner Kindheit, wohin ich immer wieder zurückkehre."

3. April 2013

Auf nach Daugavpils!

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Ab dem 24.April 2013 wird auch die zweitgrößte lettische Stadt Daugavpils wieder ein Stückchen mehr eine Reise wert sein: an diesem Tag wird das "Kunstzentrum Marc Rothko" seine Türen für Besucher eröffnen. Dies wird sowohl für das Kulturleben wie auch für den Tourismus der östlichen, sonst eher etwas abseits gelegenen Landesteile Lettlands sicher einer der Höhepunkte des Jahres darstellen. Somit könnte das Rothko-Zentrum einen Treffpunkt für Liebhaber der expressionistischen Malerei, der lettischen Kunst- und Kulturgeschichte, wie auch für Interessenten an neuen Sehenswürdigkeiten und Projekten der Region darstellen. Das Konzept des Museums sieht bisher vor, dass der Eintritt (normal 3,50 Lat / 5 Euro) frei sind wird für alle, die in Daugavpils geboren und registriert sind.

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Das Gebäude in der Mihaila ielā 3, in dem zunächst sechs großformatige Bilder von Mark Rothko (lett. Schreibweise = Rotko) zu sehen sein werden, wurde 2012 vom Verband der Lettischen Bauindustrie (Latvijas Būvnieku asociācija) als "Restaurierung des Jahres" ausgezeichnet. Die Bauarbeiten, die insgesamt 2,5 Millionen Lat gekostet haben und zu 85% aus EU-Geldern finanziert wurden, konnten bereits im Oktober 2012 beendet werden. Der Bau des Gebäudes war urspünglich in den Jahren 1831-33 als Artillerie-Arsenal von Zar Nikolaus I. in Auftrag gegeben worden und wurde in Teilen noch bis 1993 von der Roten Armee genutzt.
Marion Kahan, die in New York für das Guggenheim Museum arbeitet und auch das Mangement der Sammlungen der Rothko-Kinder Kate Rothko und Christopher Rothko verantwortlich ist, besuchte schon vor einigen Wochen Daugavpils um sich für einen Erfahrungsaustausch bezüglich der räumlichen Voraussetzungen für die Bilder zur Verfügung zu stellen. In dem neuen Gebäude sollen künftig auch andere Ausstellungen sowie auch Kunst der Region Latgale zu sehen sein, und die Einrichtung stellt sich auch als Partner für die Ausrichtung verschiedener Konferenzen zur Verfügung.
Schon seit mehreren Jahren wird in Daugavpils ein Pleinair als internationales Künstler/innen-Treffen organisiert (Starptautiskais mākslas plenērs Marks Rotko), die Ausstellung der dort geschaffenen Werke werden dann jeweils an Rothko's Geburtstag, dem 25.September, eröffnet.

Marcus Rothkowitz (Marc Rothko) wurde 1903 als viertes Kind des jüdischen Apothekers Jacob und seiner Frau Anna Goldin Rothkowitz in Daugavpils (Dünaburg / Dwinsk) geboren. Die Namensänderung von Rothkowitz zu Rothko kam 1940 zustande, als der Künstler die US-amerikanische Staatsbürgerschaft erhielt.
Sammlungen von Rothko's Werken sind bisher vor allem zu sehen in der Tate-Galerie in London ("Rothko-Room"),der Stiftung Beyeler in Riehen bei Basel, und in der "Rothko-Chapel" in Houston/Texas zu sehen.

Bleibt wohl zu hoffen, dass dieser neue Anziehungspunkt für Kunstfreunde etwas mehr Optimismus auch in diese Region bringen kann als es Marc Rothko selbst vermochte, der in seinem Leben von vielen Depressionen geplagt war und 1970 seinem Leben selbst ein Ende setzte.

Homepage der Stadt Daugavpils / Marc Rothko Zentrum