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24. Mai 2017

Spielfrei in Riga

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Entwicklung weiterhin widersprüchlich:
Rigas Altstadtbereich
In den wilden 1990igern war es ein einträgliches Geschäft: die vielen Spielsalons und Klein-Casinos, die in den Altstadtgassen von Riga eröffneten - ein Trend der einher ging mit immer mehr Nachtlokalen und Erotik-Bars. Es war wahrscheinlich nicht ein zu erwartender Gewinn aus dem Automatengeschäft, sondern neben dem Reiz des Neues wohl die Möglichkeit, in unter teilweise abenteuerlichen, teilweise nebulösen Bedingungen erworbenen Altstadt-Domicilen Geschäftstätigkeit vorzugeben - denn jede Art von "Business" galt den Gesetzgebern und Stadtregenten damals als vorrangig.

Nun wurde eine Kehrtwende vollzogen: am 22.Mai untersagte der zuständige Ausschuss des Rigaer Stadtrats jegliche Art von Spielhallenbetrieb im Bereich der Rigaer Altstadt, mit Ausnahme nur der Spielsäle in einigen Hotels der Oberklasse. (LETA, Financenet, riga.lv) Allerdings verlangt das Gesetz, dass über jeden der momentan 41 (andere Quellen erwähnen 30) Spielhallen in jedem Einzelfall entschieden werden muss. Es könnte also auch noch den einen oder anderen Gerichtsprozess dazu geben - falls es durch alle Instanzen geht, könnte es auch noch länger als die jetzt beabsichtigten fünf Jahre dauern, bis wirklich alle Spielhallen und -höllen geschlossen sind.
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aus der Werbung eines der Anbieter ("Joker")
Die Vereinigung der Lettischen Spielgeschäftsbetreiber („Latvijas Spēļu biznesa asociācija”), deren Angaben zufolge in ganz Riga 155 Spielstätten mit insgesamt 4511 Automaten betrieben werden, sieht den Beschluss als Behinderung unternehmerischer Tätigkeit an (LSBA). Einer Untersuchung derselben Organisation aus dem Jahre 2007 zufolge (also noch vor der Wirtschaftskrise), gaben 20% aller Lettinnen und Letten an, schon mal für Geld in einem Spielsaal gespielt zu haben - allerdings verweigerte die Mehrzahl die Antwort auf diese Frage. Interessant dabei, dass 15% derjenigen, die sich trauten eine Antwort zu geben, als Grund "Langeweile und Probleme die Freizeit zu verbringen" angaben, nachdem sie arbeitslos geworden seien. 


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Altstadt Rigas (gemäß Stadtentwicklungsplanung)
Nicht nur mit zunehmenden Beschrän-kungen und Steuer-erhöhungen hätte das Spiele-Business zu kämpfen, so LSBA-Chef Ģirts Ludeks in seinem diesjährigen Jahresbericht. Natürlich sei auch die Entwicklung hin zu interaktiven, digitalen Spielen rasant. Bis zum 1.Januar 2019 soll zudem in allen Spielbetrieben in ganz Lettland ein geschlossenes digitales System eingeführt werden, das auch die Überwachung durch die Aufsichtsbehörden gewährleistet. Um einer zunehmend dem Glückspiel kritisch eingestellten lettischen Öffentlichkeit zu begegnen, setzt der Betreiberverband auf verbesserte Öffentlichkeitsarbeit und Weiterbildungsseminare - man versteht sich als "Teil der Freitzeitindustrie, die interessiert ist in die Zukunft nachhaltig zu investieren." Bei einem Gesamtumsatz von 249,2 Millionen Euro beschäftigt die Branche gegenwärtig (2016) 3748 Personen - 29,1 Millionen Euro im Staatshaushalt und 7,9 Millionen Euro im Haushalt der Gemeinden sind Steuereinnahmen in diesem Bereich. 

Nachtrag, September 2017:
Die Stadt Riga berichtet am 7.9. auf ihrer Webseite von der Schließung von insgesamt neun Spielhallen im Innenstadtbereich. Dieser Beschluß muss noch vom Stadtrat bestätigt werden. Von der Schließung ausgenommen seien solche Betriebe, die bereits länger als acht Jahre existieren.

26. Dezember 2013

Alles nur ein Spiel

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Eine der möglichen Strategien, Feiertage in der Familie gut zu überstehen sind Spieleabende - in Deutschland sind es neben Skat, Doppelkopf und Rommé vor allem Brettspiele. In Lettland scheint es einen gewissen Boom oder eine Renaissance vom gemeinsamen Spielen an einem Tisch zu geben - trotz aller Internet-Euphorie, oder auch gerade deshalb.
Wer in Lettland zum Beispiel zu "Riču raču" eingeladen wird, sollte nicht voreilig sagen "Kenne ich nicht!". Denn was in Deutschland am ehesten dazu geegnet erscheint, sich und andere zu ärgern (Mensch, ärgere dich nicht!), das wird lettisch zum "Ritschen und Ratschen" genommen. Was Deutschland (so weit ich weiß) nicht zu bieten hat ist die Verfilmung und Vertonung der Spielidee, so wie es das sowjetlettische TV in Riga im Stil der frischen 60er Jahre fertig gebracht hat (siehe hier). Das Filmchen und auch die Aufnahme dieses Liedchens in das Repertoire so manchen Schulchores wurde kurzfristig dem Ziel gerecht, dem sonst tristen Sowjetalltag mehr Schwung zu verleihen - und vielleicht auch von anderen musikalischen Tendenzen von damals wie Beatles, Stones, Hendrix oder Elvis Presley abzulenken.
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Ein anderes, in Lettland inzwischen sehr erfolgreiches Spiel (weil oft verkauft) ist "Katanas ieceļotājus" - die Siedler (von Catan). "Ich habe in Deutschland auf Messen neue Inspirationen gesucht," so erzählt Egils Grasmanis. "Ich bin von Stand zu Stand gegangen und habe nach der Erlaubnis gefragt eine lettische Version herauszubringen." Zuvor hatte er eher mit Haarpflege zu tun: "Damals habe ich noch 'Wella'-Produkte in Lettland verkauft. Und dann hat mir 2003 jemand aus den USA 'Settlers of Catan' mitgegbracht," erzählt Egils, "danach haben wir zwei Tage am Tisch gesessen und nur dieses Spiel gespielt." Die lettische Ausgabe wurde dann die 19.Sprachvariante des Spiels.In Deutschland hergestellt, vertreibt Grasmanis von Riga aus inzwischen auch litauische und estnische Spielvarianten.

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Heute betreibt Egils seinen eigenen Spiele-Shop in Riga (Prāta spēles / Brain games) und versucht sich auch daran, selbst Spiele zu erfinden oder zu "latvisieren" - Letten mögen es, wenn der Spielinhalt Bekanntes aus Lettland aufnimmt, und natürlich Anleitung und Figuren an Lettisches erinnern. "Aber um die Kosten für die lettische Fassung eines Spiels wieder herein zu bekommen, muss ich von einem lizensierten Spiel erstmal 3.000 Spiele verkaufen - denn alles wird bei unserem Geschäftspartner in Deutschland hergestellt," stellt Grasmanis klar. Bei den "Katanas ieceļotājus" war das kein Problem -  heute versucht es Egils aber auch mit in Lettland erfundenen Spielen, wie er in einem Interview mit der Zeitschrift "IR" erzählt. So vertreibt Egils ein Spiel "Centraltirgus" (Erfinder:Edgars Zaķis), bei dem gehandelt werden kann ganz wie in den realen Zentralmarkthallen. Und auch das offizielle Spiel des Rigaer Eishockey-Spitzenklubs "Dinamo Rīga" ("Pirmais Piecinieks") ist bei "Ludo", einer der angesagten Spieleläden in Riga und Partner von "Brain Games", zu haben.

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Nach einem kurzen Boom fürs lettische "Scrabble" oder "Kuģu kauja" ("Schiffe versenken") sorgte in den vergangenen Jahren zunächst die Aufnahme von "Riga" in die internationale Ausgabe bei "Monopoly" für Aufsehen. Letten reisten voller Stolz bis nach Las Vegas (siehe "Kas Jauns") zum Mitspielen beim "gegenseitig übers-Ohr-hauen" - ähnlich wie im realen Leben. Die Entstehungslegende sagt, Monopoly sei 1934 von einem Arbeitslosen erfunden worden - das bringt vielleicht Sympathiepunkte bei den Monopoly-Liebhabern.

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Spielfeld "Riga" zwischen der Steuerbehörde
und dem "Ereignisfeld", mit hohen
Mietkosten - wie im richtigen Leben?
Auch einen "Liivu laukums" ist inzwischen bei einigen Spielversionen bereits integriert worden. Und nach einem kleinen Boom für eine lettische "Scrabble"-Version haben es die lettischen Mitspieler der "Siedler von Katan" inzwischen schon weltweit in die Ruhmenhallen der erfolgreichen Brettspieler geschafft. Seit über 10 Jahren gibt es "Katan-Weltmeisterschaften", 2007 schaffte es der Lette Arnis Buka auf den WM-Thron, 2010 war Māris Logins immerhin Zweiter. Auch "Carcassonne", nach einer französischen Stadt benanntes Legespiel und in Deutschland im Jahr 2001 mal "Spiel des Jahres", hat in Lettland inzwischen eine feste Fangemeinde, das bestätigt auch Jānis Grunte, Geschäftsführer des Spieleladens "Ludo". Bei den Turnieren seien gegenwärtig noch wesentlich mehr männliche als weibliche Teilnehmer anzutreffen, stellte Grunte einmal in einem Interview für "Diena" fest und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: "Es geht ja das Gerücht, dass die Jungs nie erwachsen werden und nur ihre Spielzeuge wechseln."
Dass die Computerspiele einmal in Lettland den Markt der Brettspiele übernehmen könnten, glaubt Grunte nicht: "die Leute wollen sich auch unterhalten dabei, an einem Tisch zusammen sitzen. Mit richtigen Freunden zusammen sein, statt nur mit virtuellen."

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Auch mit der lettischen Vorliebe für
historische Legenden wird gerne gespielt
Allerdings können sich die relativ kleinen lettischen Spielerfinder und -firmen keine großen Reklamekampagnen erlauben - diese Rolle nehmen die lettlandweit organisierten Turniere ein. Und hier nehmen die international bekannten Spiele die Leitfunktion ein. Oder man macht es wie Spielerfinder Jānis Gruzinskis, der mit seiner Idee vom "Königreich Goldingen" erstens auf vermeintlich glorreiche Zeiten Kurlands anknüpft, zweitens aber eher auf die Verbreitung durch das Internet und die lettischsprachigen Netzwerke wie "draugiem" setzt. Die Mischung aus "virtuellen" und persönlich ansprechbaren Mitspiel-Interessenten soll es also machen. Anfang 2013 gründete Gruzinskis eine eigene Firma zur Verbreitung seiner Spielidee und hofft auf Zukunftschancen, in dem er sich über Facebook, Youtube bis zu Twitter überall präsent zeigt. Vorerst freut sich Gruzinskis über jeden Zeitungsbericht ("ein Spiel das in Lettland geboren wurde"), und schreibt in seinem Blog Berichte über "Gastspiele" mit Freunden und Verwandten, denen er sein Spiel offenbar persönlich zur Probe vorbeibringt und von seinem Motto zu überzeugen versucht: "Wieviel Liebe in den Ergebnissen unserer Arbeit steckt, das ist entscheidend!". Auch "Goldingen" ist inzwischen in den lettischen Spieleläden aufgetaucht: vielleicht eine zukünftige spielerische Erfolgsgeschichte?

12. Oktober 2008

Kultur in Rätseln

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Kulturelle Themen für Fortgeschrittene - und das als spannender Fragenwettbewerb. Das bietet die neue lettischsprachige Webseite "Vaituzini.lv" (übersetzt: weißt du es?). Allerdings: lettische Sprachkenntnisse sind vorausgesetzt, und die Fragen sind keineswegs einfach. Durchschnittlich zwei bis drei Quizspiele können jeden Tag auf der neuen Seite gespielt werden. 

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Registrierten Teilnehmern können entweder um den Tagessieg oder als Monatsbeste konkurrieren damit sogar Preise gewinnen (meist Bücher oder Kulturzeitschriften). Wer es erst einmal ausprobiert hat, wird schnell merken, dass hier keine Selbstverständlichkeiten verbreitet werden: da werden zum Beispiel nicht nur einfach Namen von bekannten Künstler/innen abgefragt, sondern es geht gleich um Titel und Motive von Bildern oder Arbeitsorte der Künstler/innen. Die Macher/innen haben sicherlich ein- kalkuliert, dass dies ein Nach- schlagen und Weiter- bilden mögichst vor einer unüberleg- ten Antwort nahelegt. Aber ob nun eine Suchmaschine im Internet bemüht werden sollte, oder das traditionelle Nachschlagen im Fachbuch: Dazulernen ist inbegriffen. Bei jeweils 10 Fragen und unterschiedlichem Punktwert schaffen nur sehr wenige alle richtigen Antworten zu finden. Auffällig für "Nicht-Letten" jedenfalls, dass hier zum kulturellen Wissen außer etwas Architektur, jede Menge Malerei und anderes bildnerisches Schaffen, ein wenig Wissen über öffentliche Gebäude in Riga und deren Geschichte, und Aktuellem aus den verschiedenen lettischen Museen, auch noch etwas anderes dazugehört: wer sich mit Pilzen, deren Vorkommen und deren Namen auskennt, hat dieser Tage eindeutige Vorteile. Herbstliche Schwerpunkte sozusagen. Wie gut, dass Pilzlehrlinge da auch schnell mal auf fungi.lv nachschauen können. Mal sehen, was in den übrigen Jahreszeiten so angeboten werden wird ...